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Wegen ihrer Kleidung: Iranische Boxerin erringt ersten Sieg – doch nun liegt ein Haftbefehl gegen ihren Trainer vor

Nachdem sie als erste iranische Boxerin an einem offiziellen Wettkampf teilnahm, wird Sadaf Khadem vorerst vermutlich nicht in ihr Heimatland zurückkehren. Grund dafür ist ein Haftbefehl, der in Teheran auf ihren Trainer wartet.

Ein Instagram-Post von Sadaf Khadems erstem offiziellen Wettkampf

Sadaf Khadem bei ihrem ersten offiziellen Wettkampf

Stolz präsentierte sich Sadaf Khadem am vergangenen Samstag in Shorts und Tank-Top in den Farben ihres Heimatlandes: rot, grün, weiß. Wie der britische "Independent" berichtet, machte sie das zur ersten Iranerin in einem offiziellen Box-Wettkampf. Erst jetzt habe die iranische Regierung dies ermöglicht. Ihr Trainer, der ehemalige Box-Champion Mahyar Monshipour, hatte sie für den Kampf gegen die Französin Anne Chauvin angemeldet. Wie sie nun aber der französischen Presse mitteilte, wird Sadaf Khadem vorerst nicht in ihr Heimatland zurückkehren.

Auf dem Weg zum Pariser Flughafen "Charles de Gaulle" hatten Trainer Monshipour und sein Schützling die Nachricht erhalten, dass in Teheran ein Haftbefehl gegen den gebürtigen Iraner, der mittlerweile auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt, vorliege. Laut Informationen der US-Nachrichtenseite "Buzzfeed", dürfen iranische Boxerinnen eigentlich nur von Frauen trainiert werden. Außerdem habe Khadem mit ihrer Kampfausrüstung gegen den für iranische Frauen geltenden Dresscode verstoßen. Und auch einen Hijab hätte sie laut Reglement eigentlich tragen müssen.

Gegen die Boxerin selbst soll kein Haftbefehl vorliegen

Nach Angaben von "Buzzfeed" reagiert Khadem auf den Haftbefehl gegen ihren Trainer verständnislos, sagte gegenüber der französischen Presse: "In welchem Land auf der Welt führt das Ehren deines Heimatlandes zu einem Haftbefehl?"

Khadems Pressesprecherin sagte "Reuters", gegen die Boxerin liege ebenfalls ein Haftbefehl vor. Die iranischen Behörden bestreiten dies allerdings. Die Iranische Boxing Federation sagte, es lägen keine Anklagen gegen Sadaf Khadem vor. Ihre Angelegenheiten seien privat, da sie nicht über die Boxing Federation organisiert sei. Auch diesbezüglich äußert sich Sadaf Khadem verletzt: "Ich habe die Flagge meines Landes mit Stolz getragen", sagte sie "L'Equipe". "Ich habe mit Mut gekämpft. Ich habe gewonnen. Ich habe unsere Nationalhymne geehrt. Trotzdem hat die Iranische Boxing Federation mich wissen lassen, dass sie 'dieser Kampf nichts angeht.'"

mgr
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