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Durchblick für Gleichberechtigung: Japanische Frauen protestieren gegen Brillenverbot am Arbeitsplatz

Japan gilt als Vorreiter, wenn es um technische Neuerungen geht – in Sachen Gleichberechtigung gibt es aber noch Nachholbedarf. Besonders gegen geschlechtsspezifische Vorschriften am Arbeitsplatz wächst der Widerstand.

Frau mit Brille

Brillen gelten mittlerweile als Modeaccessoires. Für viele Frauen in Japan sind sie trotzdem ein Tabu – aufgrund strenger Kleidervorschriften für Frauen in einigen Unternehmen.

Getty Images

Brillen sind in den letzten Jahren zu Modeaccessoires mutiert und sogar Menschen ohne Sehschwäche tragen Modelle mit Fensterglas, um den Trend mitzumachen. Bunte und auffällige Gestelle sind ein Fashion-Statement, auch am Arbeitsplatz. Doch in Japan ist das kaum vorstellbar – zumindest bei Frauen. Viele Unternehmen verbieten ihren weiblichen Mitarbeitern das Tragen von Brillen, zum Beispiel an der Rezeption. Der Grund: Als Gesicht der Firma störe eine Brille. Manche Kosmetikfirma argumentiere zudem, Brillen bei Verkäuferinnen verdeckten das eigene Produkt.

Doch dagegen begehren viele Frauen nun auf. Eine Gruppe von Aktivistinnen will in einer Petition die Regierung auffordern, frauenfeindliche Vorschriften zu Kleidung und Aussehen weiblicher Mitarbeiter in einem geplanten Gesetz gegen Belästigung am Arbeitsplatz zu benennen, wie die japanische Tageszeitung "Tokyo Shimbun" berichtete.

Hashtag "KuToo" gegen das Tragen von Highheels

Und es ist nicht das erste Mal, dass Japans Frauen sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie aufzutreten haben. Im Juni hatte die Schauspielerin und Autorin Yumi Ishikawa eine Social-Media-Kampagne gestartet, nachdem sie dazu gezwungen wurde, High Heels für einen Teilzeitjob in einem Bestattungsunternehmen zu tragen. Unter dem Hashtag "KuToo" - einer Anspielung auf die japanischen Worte für Schuhe (kutsu) und Schmerz (kutsuu) - werden seither entsprechende Regeln in Firmen kritisiert. Gleichzeitig spielt das Ganze auf die MeToo-Bewegung an.

Auch in Reaktion auf das verpflichtende Tragen von Brillen gibt es im Netz einen eigenen japanischsprachigen Hashtag, der auf Deutsch übersetzt "Brillenverbot" lautet. Zwar erkenne die Regierung das Problem an - in den geplanten Richtlinien zu Belästigung am Arbeitsplatz stehe aber nichts Konkretes, wird Ishikawa zitiert.

lau / dpa