HOME

Fragwürdiger PR-Stunt: Norwegische Staatsbehörde verbreitet Fake-News, um Tourismus anzukurbeln

Diese Geschichte ging um die ganze Welt: Die kleine norwegische Insel Sommarøy will die Zeit abschaffen. Nun stellt sich heraus, dass alles nur ein Fake war, um den Tourismus anzukurbeln.

Sommarøy in Norwegen

Die kleine Insel Sommarøy in Norwegen war vor Kurzem in aller Munde

Getty Images

Die Nachricht verbreitete sich rasend schnell weltweit und belustigte zahlreiche Menschen: Die Bewohner der kleinen Insel Sommarøy in Norwegen haben die Schnauze voll von Zeitrechnung und Zeitzonen und wollen sie daher kurzerhand einfach abschaffen. Für die rund 350 Bewohner der Insel verschwinde die Sonne vom 18. Mai bis zum 26. Juli ohnehin nicht hinter dem Horizont, sagte damals Kjell Ove Hveding von der angeblichen Initiative zur Abschaffung gegenüber der Deutschen Presse Agentur, wozu brauche man also das Konzept der Zeit?

Zeitfreie Zone in Norwegen? Alles Fake

Doch nun stellt sich heraus: Die ganze Geschichte war ein Fake, dem zahlreiche Medien, darunter auch NEON, aufsaßen. Ausgedacht hatte sich die PR-Aktion die staatliche Innovationsbehörde "Innovation Norway", die damit mehr Touristen auf den Norden des Landes aufmerksam machen wollte. Während das gelungen sein dürfte, ist trotzdem fraglich, inwiefern Staatsbehörden Geld in die Hand nehmen sollten, um Fake-News zu verbreiten. Das findet auch Kristine Foss, Rechtsberaterin des norwegischen Presserverbands. Gegenüber dem staatlichen Rundfunksender NRK sagte sie: "Sie hätten von Anfang an offen damit umgehen müssen, dass es sich hierbei um einen PR-Stunt handelt", so Foss. Die Aktion würde schlussendlich das Vertrauen der Medien in "Innovation Norway" als Informationsquelle schwächen.

"Das Ziel war, mit einer unkonventionellen Kampagne Aufmerksamkeit für Norwegen als Reiseland zu erregen", sagte Kjetil Svorkmo Bergmann von Innovation Norway gegenüber "Spiegel Online". Man würde sich im Nachhinein für die Aktion entschuldigen: "Es ist nie unsere Absicht gewesen, einen falschen Eindruck entstehen zu lassen." 

Entlarvt hatte die Aktion das norwegische Blatt "Aftenposten". Tourismusdirektorin Bente Bratland Holm sagte gegenüber der Zeitung, man würde nun neue Wege finden, um Nordnorwegen als Reiseland anzupreisen. Aber: "Alles in allem war dies ein sehr erfolgreicher Stunt." Soso.

Urlaub wird zum Alptraum: Natalia Osada und 19 weitere Influencer werden von Reiseagentur abgezockt

Quellen: "Spiegel Online" / "Aftenposten"

jgs