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"Rape Day": "Vergewaltigungsspiel" erntet Shitstorm – und wird erst nach monatelangem Protest gesperrt

Die Gaming-Plattform "Steam" sperrt nach anhaltenden Protesten das Spiel "Rape Day", bei dem Frauen vergewaltigt und ermordet werden sollen. Auch der Entwickler zeigt sich uneinsichtig.

"Rape Day", also "Vergewaltigungstag" – unter diesem Namen sollte im April 2019 auf der Gaming-Plattform "Steam" ein Video-Game veröffentlicht werden. In der "Graphic Novel", einem interaktiven Comic, soll der Spieler die Kontrolle über einen Soziopathen übernehmen und während einer Zombie-Apokalypse möglichst viele Frauen vergewaltigen und ermorden.

Nach massiven Protesten von Nutzern bei Twitter und im offiziellen "Steam"-Forum hat Betreiber "Valve" den Titel wohl zumindest für den deutschen Markt gesperrt, wie die FAZ berichtet. Wer die betreffende Seite aufruft, wird auf die Steam-Startseite weitergeleitet. Eine Stellungnahme des Unternehmens gab es dazu bisher nicht. 

Worum es geht es?

"Triff die Entscheidungen eines gefährlichen Serienmörders und Vergewaltigers während einer Zombie-Apokalypse. Belästige, ermorde und vergewaltige Frauen, während Du die Geschichte fortsetzt. (...) Du bist der gefährlichste Vergewaltiger der Stadt.", hieß es in der Ankündigung von "Rape Day". Mittlerweile ist das Spiel bei "Steam" jedoch nicht mehr abrufbar.

Zugelassen solle das Spiel ab 18 Jahren sein und auch nur in Ländern verkauft werden, wo derartige Inhalte legal sind, so der Entwickler. Zudem sei das Spiel nur für einen Nischenmarkt entwickelt worden. "Ich wollte ein Spiel machen, das mich unterhält, und es gibt sicher auch andere Menschen, denen das Game gefällt. Vier Prozent der Bevölkerung sind Soziopathen und die Geschichte dürfte auch anderen Leuten gefallen", schreibt der Erfinder "Desk Plant".

Wieso ist das Spiel erlaubt?

Seit Juni 2018 kann jeder Entwickler auf der Plattform "Steam" gegen eine Gebühr von 100 Dollar ein Spiel veröffentlichen, ohne das es vom Betreiber "Valve" geprüft wird. Schon im Mai 2018 gab es eine Kontroverse um ein Game namens "Active Shooter", das den Spieler in die Rolle eines Amokläufers an einer Schule schlüpfen ließ. Nach Protesten der Community wurde es vom Betreiber entfernt und die Richtlinie der Online-Plattform verändert. Lediglich unter dem Punkt "Was sie nicht auf Steam veröffentlichen sollten" sind Themen wie Gewalt, Diskriminierung und Pornografie gelistet – eine Prüfung darauf gibt es jedoch nicht mehr. Man wolle ein System schaffen, bei dem jeder selbst die Entscheidung treffen soll, was er spielt oder nicht spielt, so der Anbieter.

Wie reagiert das Netz?

Diese Meinung teilen die meisten User offensichtlich nicht. Sie protestieren schon seit Monaten gegen "Rape Day" und fordern "Steam" auf, das Spiel zu löschen. Doch erst nachdem sich der Protest hinter dem Tweet einer Userin formierte, reagierte der Betreiber. 

Einige Nutzer meldeten das Spiel auch der Bundespolizei, die mit einem Tweet reagierte.

Was sagt der Entwickler?

Der Ein-Mann-Entwickler "Desk Plant" versteht die Aufregung um sein Spiel scheinbar jedoch nicht. Auf seiner Homepage antwortet er in einem FAQ auf die Kritik von Nutzern: Er versteht sein Spiel als "schwarzen Humor" und könne nicht nachvollziehen, wieso Mord und Folter in Games total normal seien, Vergewaltigung aber noch immer ein Tabu. "Irgendwann in der Zukunft werden Gamehistoriker auf 'Rape Day' zurückblicken und es als erstes Beispiel nennen, wo Vergewaltigungen in Games das erste Mal gezeigt wurden." Die meisten Menschen könnten sehr wohl zwischen Realität und Fiktion unterscheiden, so seine Argumentation: "Der Sinn von Spielen besteht darin, Dinge zu tun oder Dinge zu erleben, die man in der Realität nicht tun kann oder sollte. Wenn Spiele und Filme wie im richtigen Leben wären, wären sie ziemlich langweilig".

Gewalt gegen Frauen in Videospielen

Es ist nicht das erste Mal, das ein Computerspiel mit Gewalt gegen Frauen Aufmerksamkeit erregt. Bereits 1982 sorgte das Atari-Game "Custer's Revenge" für Protest. Als Spieler sollte man dort eine Indianerin vergewaltigen, die an einen Marterpfahl gebunden war. Trotz scharfer Kritik verkaufte sich das Spiel 800.000 Mal.

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