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Besonderer Roadtrip: Drei Studenten fahren quer durch Europa – um mit Menschen offen über die EU zu sprechen

Sie haben ihre Wohngemeinschaft in Hamburg gegen einen Sprinter getauscht – um Europäer nach ihrer Meinung zu fragen. Aus dem Filmmaterial, das sie während der Reise aufnehmen, soll am Ende eine Doku entstehen.


Zwei Personen, die in einem Auto sitzen

Drei Studenten touren quer durch Europa. Mit einem klaren Plan.

Getty Images

Was läuft falsch in der EU? Woher kommt der Rechtsruck? Was bringt unsere gemeinsame Zukunft? Solche und andere Fragen beschäftigen die Studenten Ina Bierfreund, 24, Felix Hartge und Tim Noetzel, beide 23. Deswegen haben sie ihre Hamburger WG gegen ein Heim auf vier Rädern getauscht – für einen Roadtrip der etwas anderen Art.

Denn im Gegensatz zu manch anderen Reisenden wollen sie nicht in die Ferne reisen, um an einem karibischen Strand zu liegen oder ferne Länder zu erkunden. Sie wollen hier bleiben, in Europa, um die verschiedenen Landschaften und Kulturen kennenzulernen. Vor allem aber wollen sie die Menschen kennenlernen, die hier leben – und deren Einstellung zu Europa.

"Europa ist gerade nicht so beliebt"

Ein Projekt, das in Zeiten des Brexit aktueller nicht sein könnte. "Europa ist gerade nicht so beliebt, in vielen Ländern gibt es einen Rechtsruck. Das fanden wir spannend", sagte Tim in einem Interview mit der "Zeit". Und: "Wir wollen wissen, wie die Menschen ticken und was sie wirklich denken."

Die Idee ist, aus der eigenen Blase herauszukommen und Menschen jeden Alters sowie jedes sozialen Milieus zu treffen; die anders denken und andere Erfahrungen gemacht haben. Von ihnen möchten sie erfahren, wie sie die EU aktuell erleben, was sie sich wünschen und welche Lösungsansätze es dafür geben könnte. Doch es geht Ina, Felix und Tim nicht vorrangig darum, eine ultimative Lösung für all unsere Probleme zu finden. Viel wichtiger ist ihnen, den Menschen eine Stimme zu geben.

Vom Baustellenfahrzeug zum Camper

Gesagt, getan. Anfang 2018 kaufte sich das Trio einen alten Sprinter, der vorher als Baustellenfahrzeug im Einsatz war. Eigenhändig, teils mit der Hilfe von Familie und Freunden, bauten sie diesen zu einem waschechten Camper um. Der Name ihres neuen Gefährts, "Oswald van Europe", entstand aus einer Bierlaune heraus. Auf ihrem Blog "Driving-Europe", den sie regelmäßig mit Bildern und Texten füttern, schreiben sie, dass der Name möglichst wenig zu einem Auto passen sollte. 

Seit September 2018 sind die drei nun schon unterwegs. In dieser Zeit besuchten sie die britischen Inseln, die Beneluxstaaten, Frankreich, Spanien, Portugal und Italien; aktuell Griechenland. Bis Mai wollen sie mit allen 28 EU-Ländern durch sein. Dafür fehlen noch Osteuropa, das Baltikum und Skandinavien.

Von Nonnen in Belgien bis zu Polizisten in Spanien

Doch ganz gleich wo sie gerade sind, Probleme, einen passenden Interviewpartner zu finden, hatten sie bisher nie – obwohl sie jedes dieser Interviews mit einer Kamera filmen. Manchmal helfen Bekannte bei der Vermittlung eines Gesprächspartners, ein anderes Mal sprechen sie einfach Leute an, hin und wieder klingeln sie sogar an einer Haustür. So kommt es, dass sie mit einem Farmer aus Nordirland, einer Nonne aus Belgien, einer Winzerin aus Frankreich oder einem Polizisten aus Spanien sprachen. Bei Sprachbarrieren hilft Google Translate.

Die Antworten vieler Interviewpartner teilen sie anschließend auf ihrem Blog. Unter anderem die des 61-jährigen Andrew aus Irland. Auf die Frage, was in der EU besser laufen muss, erwidert er: "Damit die Europäische Union effektiv funktioniert, muss sich jeder als ein Teil derselben Familie fühlen. Ja, ich bin in Großbritannien geboren, aber ich bin Europäer. Ja, ich bin in Deutschland geboren, aber ich bin Europäer. Das wären dann wohl die Vereinigten Staaten von Europa, was sehr viele Leute nicht wollen. Für mich jedoch wäre das die Lösung."

Geplant ist ein Dokumentarfilm

Nach ihrer Reise soll aus dem Interview-Material, plus den Landschaftsaufnahmen, die sie zwischendurch immer wieder aufnehmen, eine Dokumentation werden. Sie hoffen, dass sie mit dieser uns allen unsere EU-Nachbarn ein Stückchen näher bringen können. Der Trailer zur Doku ist für Mai geplant – pünktlich zur Europawahl.

Quelle: Driving-Europe.de, Zeit.de

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pawlo
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