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Kundenfreundliches Urteil: EuGH stoppt Wucher-Gebühren für Service-Telefonnummern

Unter Berufung auf die EU-Verbraucherrichtlinien deckelt der EuGH die Kosten für Service-Telefonnummern. Auslöser des Rechtstreits waren die hohen Gebühren eines Online-Händlers für Elektronikartikel.

Ein junge Frau sitzt auf dem Sofa und telefoniert. Der EuGH hat die Gebühren für Service-Telefonnummern deckelt.

Dank eines EuGH-Urteils sind die Kosten für Service-Telefonnummern nun begrenzt (Symbolbild)

Minute für Minute in der Warteschlange und die Münzen rieseln nur so aus der Tasche: Das ist jetzt vorbei. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hat die Gebühren für Service-Telefonnummern gedeckelt. Das EU-Recht sei entsprechend verbraucherfreundlich auszulegen, erklärten die Richter. Ein Anruf darf nicht mehr kosten als ein gewöhnliches Telefonat, im Ergebnis sind damit die Kosten für einen Kundenanruf auf 2,9 Cent pro Minute begrenzt.

Der EuGH gab der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs im Streit mit einem Onlinehändler für Elektronikartikel in Baden-Württemberg recht. Das Unternehmen hatte früher eine 0180er-Sondernummer für Kundenanrufe geschaltet. Anrufe kosteten pro Minute 14 Cent aus dem Festnetz und 42 Cent aus einem Mobilfunknetz. Die Wettbewerbszentrale hielt dies für unzulässig und klagte. Das Landgericht Stuttgart legte den Streit dem EuGH vor.

Kosten für Service-Telefonnummern dürfen Grundtarif nicht übersteigen

Der verwies nun auf die EU-Verbraucherrichtlinie. Danach dürfe ein Anruf, den ein Kunde im Zusammenhang mit einem Kauf tätigt, nicht mehr kosten als im "Grundtarif". Das sei verbraucherfreundlich nach dem allgemeinen Sprachgebrauch zu verstehen und meine daher die "Kosten für einen gewöhnlichen Anruf".

Im "Start"-Tarif ohne Flatrate kostet ein Inlandsgespräch im Festnetz bei der Deutschen Telekom derzeit 2,9 Cent pro Minute. Auch von Mobilfunkgeräten sind einzeln abgerechnete Gespräche ins Festnetz üblicherweise deutlich billiger als die im konkreten Fall geforderten 42 Cent. Wenn ein Unternehmen bei entsprechend gedeckelten Gebühren mit einer Sondernummer Gewinne mache, sei dies aber zulässig, erläuterte der EuGH.

Über den konkreten Streit muss nun abschließend wieder das Landgericht Stuttgart entscheiden. Das betreffende Unternehmen gibt auf seiner Internetseite inzwischen für den Kundenservice nicht mehr eine 0180er-, sondern eine reguläre Festnetznummer an.

sve / AFP