Die Niederlage von Labour ist ein weiterer schwerer Schlag für Starmer, der so unbeliebt ist wie kein anderer britischer Regierungschef seit Beginn der Umfragen. Zudem bestätigt sie die Zersplitterung des bisherigen britischen Zwei-Parteien-Systems mit Labour und Tories. Die Nachwahl war notwendig geworden, nachdem der bisherige Labour-Abgeordnete aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten war.
Die Grünen-Kandidatin Spencer ist eine 34 Jahre alte Klempnerin und angehende Stuckateurin. Sie hatte darauf gesetzt, dank der pro-palästinensischen Haltung ihrer Partei vor allem die Stimmen von Muslimen zu bekommen, die 28 Prozent der Bevölkerung in dem Wahlkreis ausmachen. Mit ihrem Sieg verfügen die Grünen nun über fünf Parlamentssitze.
Für Reform UK trat der 44-jährige Politikwissenschaftler Matt Goodwin an. Er erhielt rund 10.500 Stimmen. Labour schickte die örtliche Stadträtin Angeliki Stogia ins Rennen, die auf etwas mehr als 9300 Stimmen kam.
Die Kandidatur des bei der Partei-Linken beliebten Bürgermeisters von Manchester, Andy Burnham, war von der Labour-Parteispitze blockiert worden. Burnhams Versuch, für einen Sitz im Parlament zu kandidieren, war allgemein als Vorstufe eines Versuchs gewertet worden, den zum rechten Parteiflügel zählenden Starmer herauszufordern.
Der britische Premierminister sah sich zuletzt wiederholt mit Rücktrittsforderungen konfrontiert - unter anderem im Zusammenhang mit dem Skandal um den US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Starmer hatte Anfang vergangenen Jahres den britischen Politiker Peter Mandelson zum US-Botschafter ernannt, obwohl er bereits wusste, dass Mandelson nach Epsteins Verurteilung 2008 weiterhin Kontakt zu dem Sexualstraftäter hielt. Zwei von Starmers engsten Beratern traten wegen der Affäre bereits zurück. Der Premierminister selbst hat dagegen erklärt, im Amt bleiben zu wollen.