VG-Wort Pixel

Aufregung in Hamburg Schüler verweigert Lehrerin Handschlag - Kollegen boykottieren Abi-Feier

Symbolbild zur Debatte in der Schweiz: Zwei Hände bewegen sich zum Handschlag aufeinander zu.
Sie Schulleiterin der Hamburger Schule setzt auf Gespräche, statt auf Sanktionen
© Angelika Warmuth/DPA
In Hamburg hat ein muslimischer Abiturient seiner Lehrerin nach der mündlichen Prüfung den Handschlag verweigert. Daraufhin bricht an der Schule eine heftige Debatte aus: Wie soll man damit umgehen?

Ein muslimischer Schüler besteht vor wenigen Wochen die mündliche Abitur-Prüfung an der Kurt-Tucholsky-Schule in Hamburg-Altona. Daraufhin will ihm seine Lehrerin gratulieren und reicht dem jungen Mann die Hand. Doch der verweigert den Handschlag. In einem Vier-Augen-Gespräch begründet er seine Haltung: Die Lehrerin solle das nicht als Respektlosigkeit verstehen. Es habe allein religiöse Grunde, sagte er laut übereinstimmenden Berichten Hamburger Medien.

Schon vorher fällt der junge Muslim in Diskussionen im Religionsunterricht und in anderen Fächern auf. "Er hat engagiert diskutiert“, sagte die Schulleiterin gegenüber der Hamburger Morgenpost. Er sei aber keinesfalls radikal oder extremistisch.

Lehrer fordern, Schüler von Abifeier auszuschließen

Doch damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Unter den Lehrern bricht eine heftige Debatte darüber aus, wie man mit dem Vorfall umgehen soll. Als der junge Mann ankündigt, auch auf der Abifeier vor großem Publikum der Schulleiterin den Handschlag zu verweigern, fordern einige Lehrer, ihn auszuschließen. 

"Wir haben uns aber dagegen ausgesprochen, ihn auszuschließen“, sagte die Schulleiterin zur "Hamburger Morgenpost". Das sei nicht die richtige Reaktion auf sein Verhalten. Daraufhin boykottieren laut "Hamburger Abendblatt" sieben der insgesamt 13 Abi-Lehrer die Abschlussfeier, die dennoch laut Aussage der Schulleiterin sehr harmonisch verlaufen sei. Und: Der Schüler habe ihr bei der Feier die Hand gereicht.

Nicht der erste Vorfall dieser Art

Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Im Juni war es in einem Elterngespräch an einer Berliner Privatschule zu einem Eklat gekommen. Der Vater, ein Imam, erklärte zu Beginn des Termins, der Lehrerin nicht die Hand zu geben. Diese beendete das Gespräch vorzeitig und forderte, der Imam müsse sich "der Kultur anpassen". Der Mann erstattete Anzeige und nahm seinen Sohn von der Schule.

Die erste bekannt gewordene Debatte dieser Art hatte es im schweizerischen Therwil gegeben. Dort hatten zwei muslimische Schüler ihrer Lehrerin ebenfalls den Handschlag verweigert. Dort entschied die Schulbehörde am Ende, dass der Handschlag eingefordert werden darf: Schweizer Schüler müssen ihren Lehrerinnen die Hand geben, auch wenn ihr Glaube das ihrer Meinung nach verbietet.

tis

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker