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Kinderhotels: Wenn der Junior auswärts schläft

Kinderhotels? Das sind doch Luxusverwahranstalten für die verwöhnten Gören der Reichen. Denkste. Lesen Sie mal, wo Ihre Kinder Spaß haben können, damit Sie auch mal wieder ausgehen können, ohne auf die Uhr schauen zu müssen. Was das kostet? Ihr Babysitter ist nicht viel billiger.

Von Almut F. Kaspar

Stellen Sie sich vor, Sie wollen mal wieder übers Wochenende nach Berlin reisen. Natürlich mit ihren beiden Kindern, drei und sechs Jahre alt. Sie würden gern das Stück im Deutschen Theater sehen, das in der FAZ so hervorragend besprochen wurde - und vielleicht hinterher mit Ihrer besseren Hälfte im hauptstädtischen Nachtleben noch den einen oder anderen Drink nehmen. Tja. Stattdessen werden Sie wie immer um 20 Uhr im Hotelzimmer sein, die Kinder zu Bett bringen und dann noch ein bisschen fernsehen, aber ganz leise.

Wenn Sie in Berlin eine Nacht für sich haben wollen, buchen Sie Ihre Kinder doch für 14 Stunden einfach in einem anderen Hotel ein. Warum lachen Sie? Das Kinderhotel gibt es wirklich. Und nicht nur in Berlin. Die "Kinderinsel" ist natürlich kein richtiges Hotel, sondern eine 300 Quadratmeter große Erdgeschossfläche mit Kuschel-, Spiel- und Schlafräumen in einem sanierten Altbau in Berlin-Mitte. Hier haben tagsüber 20 Kinder ausreichend Platz, 14 in der Nacht. Hier gibt es nicht nur eine Verköstigung, die aus der eigenen Küche kommt und auch auf speziellste Wünsche zugeschnitten werden kann, hier gibt es auch bestens ausgebildetes Personal.

Schlechtes Gewissen gegenüber dem Nachwuchs

Gründerin und Geschäftsführerin des ersten deutschen Kinderhotels ist Anita Drews. Die Mutter eines heute 18-jährigen Sohnes war allein erziehend und beruflich mehr als eingespannt als Köchin, Sängerin und Veranstaltungskauffrau. "Wenn ich einen Auftrag hatte, musste ich zusehen, wo und wie ich meinen Sohn unterbrachte", sagt sie heute, "ohne den Druck, ihn nach drei oder vier Stunden wieder pünktlich abholen zu müssen." Ihrem Sohn gegenüber hatte sie deshalb immer ein schlechtes Gewissen. Die resolute Berlinerin machte deshalb einfach aus der Not eine Tugend und entwickelte die Idee für ihr Kinderhotel "Kinderinsel". Und gewann damit sogar den Businessplan-Wettbewerb für Existenzgründer der Investitionsbank Berlin.

Die vor etwas über sieben Jahren eröffnete "Kinderinsel" beschäftigt heute fünf feste und 40 freie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die insgesamt 14 Sprachen sprechen. Demnächst kommt wohl noch Drews junior dazu, der hier seinen Zivildienst machen will. Die Geschäftsidee der "Kinderinsel"-Chefin Anita Drews funktioniert so: Das finanzielle Standbein ist die Kindertagesstätte "Inselnest", in der Kleinkinder von 6 Monaten bis drei Jahre tagsüber betreut werden - zu den üblichen Sätzen, die einkommensabhängig sind, plus 100 Euro Förderbeitrag für den eingetragenen Verein. Die Mehrkosten werden offenbar gern gezahlt, weil die Betreuung und Förderung im "Inselnest" weit über das hinausgeht, was andere Kitas bieten. "90 Eltern", sagt Anita Drews, "stehen derzeit auf unserer Warteliste." Der zweite Geschäftsbereich ist die "Kinderinsel mobil" - mit Abhol- und Bringservice, Erlebnistouren und Kindersightseeing, Gruppenbetreuung bei Tagungen, Messen und Kongressen, Kinderpartys und unkompliziertem Babysitter-Service, der auch nach Hause oder ins Hotel kommt.

"Silvester sind wir immer ausgebucht"

Und das dritte Standbein ist das Kinderhotel, das kleine Gäste bis 14 Jahre nicht nur über Nacht aufnimmt, sondern vor allem auch stundenweise. Sechs bis acht Kinder übernachten normalerweise pro Woche in der "Kinderinsel". "Nur Silvester", sagt Anita Drews, "sind wir immer ausgebucht - fast alles Stammgäste." Mit Kindern, die für ein paar Tage über die Jahreswechsel mit ihren Eltern in die Stadt kommen, und deren Väter und Mütter dann allein und unbeschwert ins neue Jahr feiern wollen.

Viele Firmen stehen auf Anita Drews' Referenzliste, Firmen, die für die Betreuung des Nachwuchses ihrer Angestellten aufkommen, wenn die mal Überstunden oder Sonderschichten fahren müssen. Sogar Parteien und Ministerien sind in der Kundenkartei, weil die nach Berlin mitgebrachten Kinder während Kongressen und Veranstaltungen in die Obhut der "Kinderinsel" gegeben werden. Selbst das Auswärtige Amt schätzt die Einrichtung. "Unsere Betreuer sind nicht nur pädagogisch extrem gut ausgebildet", sagt Geschäftsführerin Drews, "sie verfügen auch fast alle über Fremdsprachenkenntnisse - ein chinesisches Kind wird sich bei uns genauso geborgen fühlen wie das französische, russische oder niederländische Kind."

Überall Schränke voller Spielsachen

Kleine Hotelgäste checken in der Regel am frühen Abend ein - wenn es geht, natürlich mit Papa und Mama. Zunächst gibt es einen fruchtigen Begrüßungscocktail und anschließend eine kleine Führung durch die verschiedenen Räume. Durch das große Zimmer mit der Hochebene und der Rutsche und dem Atelier für Kinderkunst, durch das Schlafzimmer mit den vielen frisch bezogenen Matratzen, durch Badezimmer und Toiletten, durch den Theater- und Veranstaltungsraum, auf dessen Bühne ein Klavier steht. Überall Schränke voller Spielsachen. Bis man schließlich in die Küche kommt, wo gleich besprochen wird, was zum Abendessen auf den Tisch kommt. Da wird dann in Ruhe mit den Betreuern überlegt, wie der Abend ausklingen kann, wo man sein Bettchen findet und aus welchem Buch noch vorgelesen wird. Mama und Papa haben inzwischen die Formalitäten erledigt und sich verabschiedet. "Wir haben in den vergangenen sieben Jahren rund 1000 Übernachtungsgäste gehabt", sagt Anita Drews stolz, "und nur ein einziges Kind musste wieder abgeholt werden."

Noch hat die Idee des Kinderhotels einen elitären Beigeschmack. "Viele Eltern glauben, dass die Kosten für eine auswärtige Erlebnisnacht mit denen eines Luxushotels vergleichbar sind", sagt die "Kinderinsel"-Chefin, "was natürlich Blödsinn ist." Denn die Kosten sind tatsächlich überschaubar: Eine "Nachtbetreuung" über 14 Stunden kostet hier 69 Euro pro Kind, ein "24-Stunden-Spezial" (all inclusive mit kleinen Ausflügen) 99 Euro. Wer seine Kleinen nur stundenweise auf die "Kinderinsel" schicken will, zahlt 13 Euro pro Stunde (mit einem Geschwisterrabatt von 25 Prozent) - durchaus auch eine Alternative zum Babysitter, wenn der mal nicht kann.

Geführt von staatlich anerkannte Pädagogen

Die Kinderpension "Kleine Vagabunden" im Berliner Stadtbezirk Pankow bietet Betreuung über den Tag noch günstiger an - bis zu 12 Stunden 45,50 Euro pro Kind, 73 Euro für zwei Geschwisterkinder. Auch hier kann selbstverständlich übernachtet werden - zwischen 20 Uhr und 6 Uhr pro Stunde und Kind für 10 Euro (16 Euro für zwei Geschwisterkinder). Auch hier ist eine Kita ("Villa Sternenschiff") angeschlossen, auch hier arbeiten nur staatlich anerkannte Pädagogen. Wie in fast allen anderen Kinderhotels auch.

Die Kindertagsstätte im Haus garantiert automatisch, dass alles seine behördlich überwachte Ordnung hat. Neulich erst war eine kleine Delegation des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) in der "Kinderinsel", um sich über das Konzept Kinderhotel im Sinne weiterer flexibler Betreuungsmöglichkeiten zu informieren. DKSB-Mann Ralf Wiesner zu stern.de: "Grundsätzlich befürworten wir die Idee einer flexiblen Kinderbetreuung vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Allerdings dürfe ein Kind durch die Unterbringung keinen Schaden nehmen - was eine zeitliche Begrenzung der Betreuung voraussetze. Und es gebe durchaus Kinder, für die ein solches Angebot verfrüht oder gar nicht in Frage komme: "Hier könnte eine mobile Betreuung vor Ort im vertrauten Umfeld des Kindes eine Alternative sein." Auch die bietet Anita Drews ja an - mit der "Kinderinsel mobil".

"Ich bin richtig stolz auf das, was ich erreicht habe", sagt sie, "und ich habe das ehrgeizige Ziel vor Augen, in den kommenden Jahren Filialen in ganz Deutschland zu eröffnen - ich will expandieren." Das werden viele Eltern gern hören? Und Sie? Haben inzwischen schon für Ihre beiden Kinder gebucht und sich Theaterkarten besorgt? Schön. Dann viel Spaß und viel Vergnügen. Ihnen und Ihren Kindern.

Themen in diesem Artikel
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
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