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"Tramway": Der neue Liebling der Pariser

In Paris dreht eine neue Straßenbahn ihre Runden - zum ersten Mal seit den dreißiger Jahren. Die "Tramway" sieht gut aus und ist gut fürs Geschäft. Damit hat sie die besten Voraussetzungen, der neue Liebling der Stadt zu werden.

In schlanker Gestalt dreht sie schon seit mehr als drei Wochen Proberunden. Nun kann sie auch das Publikum endlich benutzen. Denn seit Samstag öffnet in Paris erstmals seit den dreißiger Jahren wieder eine Straßenbahn ihre Türen für Fahrgäste. Die "Tramway", wie sie genannt wird, schlängelt sich die bekannten Pariser Boulevards des Maréchaux im Süden der Seine-Stadt entlang.

Die einen Ring schließenden Boulevards sind fast ausnahmslos nach Marschallen des napoleonischen Reiches benannt. In nur 24 Minuten fährt die elektrisch betriebene Straßenbahn den südlichen Halbkreis ab, vom Pont de Garigliano im Westen bis zur Ost-Porte d'Ivry.

Champs-Elysées des Südens

Das einst so beliebte öffentliche Verkehrsmittel erlebt schon seit zwei Jahrzehnten eine wahre Renaissance in Frankreich. Erst wurde sie von der Untergrundbahn, der Pariser Metro und den Bussen innerhalb der Stadt erfolgreich verdrängt - jetzt bietet die Straßenbahn sich auch der Metropole wieder als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel an.

Die Tramway soll in Paris die Popularität der öffentlichen Verkehrsmittel ankurbeln und so manchen Pariser dazu veranlassen, sein Auto zu Hause stehen zu lassen. Die Bahn erleichtert vor allem auch Bewohnern der Vorstädte den Anschluss zur Metro oder dem Bus. Das Wohngebiet um die Bahnlinie beherbergt immerhin 170.000 Menschen.

Ziel des Projektes war die urbane Umgestaltung des Lebensbereiches rund um die neue Bahn. Die Boulevards sollen ihren Charakter als Flaniermeile wiederbekommen und eine Art Champs-Elysées des Südens der Stadt werden. Paris finanzierte hierfür die Pflanzung von 1100 Bäumen entlang der Gleise. Viele neue Firmen haben sich schon dort angesiedelt. Die mehr als 310 Millionen Euro teure Linie, auch "T3" genannt, soll schon bald eine weitere Tram-Anbindung erhalten.

Im Design voll im Trend

Denn auch wirtschaftlich hat die neue Straßenbahn Auswirkungen auf die angrenzenden Gebiete. Einige Händler klagten zwar über einen Umsatzrückgang seit dem Baubeginn im Juli 2003. Aber die positiven Effekte der Straßenbahn sind kaum zu übersehen. "Während wir die einen überzeugen mussten, während der Bauarbeiten durchzuhalten, kamen neue Firmen, die schon vor dem Fertigstellen der Bahn einen neuen Standort suchten", erklärt Ghislaine Geoffroy, eine Mitarbeiterin der Stadt. Café- und Supermarktbetreiber versprechen sich einen Aufschwung ihres Geschäfts. Denn die 100.000 möglichen Nutzer der neuen Straßenbahn bedeuten genau so viele potenzielle Kunden.

Die Straßenbahn hat gute Chancen, der neue Liebling der Pariser zu werden, denn auch im Design liegt sie voll im Trend. Typische Pariser Bilder schmücken das Äußere der Wagen. Die Inneneinrichtung gibt es in vier verschiedenen Farben. Auch die Beleuchtung der T3-Strecke ist etwas Besonderes: Etwa 4000 kleine Lichter schmücken die gesamten acht Kilometer und leuchten hell auf, wenn die Bahn in eine Station einfährt - genau richtig für die Weihnachtszeit.

Elisabeth Brunmayr/DPA / DPA
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