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Fünf-Sterne-Skihütten im Zillertal: Das ist der Gipfel des Luxus

Aus ehemaligen Schutzhütten wurden kleine Luxushotels in den Bergen. Das war der Trend der vergangenen Jahre. Jetzt wird eine neue Stufe gezündet: Skihütten mit Wellness, Wein und Gourmetküche.

Von Joachim Rienhardt

Heute ist der Pfarrer Erwin Gerst extra vom Tal mit dem Schneemobil zur Kristallhütte am Öfelejoch heraufgekommen, 2147 Meter hoch in den Zillertaler Alpen. Auf dem Weg hat der beleibte Gottesmann bereits einen neuen Sessellift eingeweiht. Jetzt geht der Geistliche hinein in einen kantigen, glitzernden Würfel, in dem sich die Gipfel der umliegenden Berge spiegeln. Er schreitet hinauf in den zweiten Stock und umgehend zur Tat: "Allmächtiger Gott", predigt er, "halte Unfall und Gefahr fern und schenke allen in den Bergen Besinnung, neue Kraft und eine Ahnung deiner Herrlichkeit."

Pfarrer Gerst spricht seinen Segen mitten im neugebauten Saunabereich der Luxushütte, fernab der Zivilisation. Der Blick geht durch die bodentief verglaste Front, hinaus auf verschneite Bergketten. Weitblick ist angesagt, mit Natur zum Greifen nahe. Der Pfarrer nimmt seinen Weihwassersprenger in die Rechte, streicht mit der Linken über die Wand: "So schön", sagt er. "So viel Glas, so wunderbares Holz."

Die Kristallhütte als Trendsetter

Der kirchliche Segen zur Einweihung des Ausbaus der Kristallhütte im Zillertal markiert einen neuen Meilenstein in Sachen Komfort-Urlaub in der Abgeschiedenheit der Berge. Vor zehn Jahren noch legte die Kristallhütte das Fundament für den Trend, ehemalige Schutzhütten zu Luxushotels umzubauen. Die Kristallhütte ist die Urzelle jener Edel-Herbergen, die es inzwischen überall hoch droben in den Alpen gibt. Jetzt ist eine neue Stufe erreicht.

"Als wir damals anfingen, haben alle gestaunt", sagt der Wirt Stephan Eder, 35. Er hatte den Betreiber des Skigebiets mit seinem Konzept überzeugt. Lounge-Liegen mit Kuhfell auf der Terrasse, Whirlpool ebenso, im Gastraum ein offenes Feuer und coole Musik. "Viele haben uns kopiert", sagt Eder. "Und wir versuchen halt immer noch ein wenig besser zu werden."

Die neuen Suiten sind kühl und modern im Design. Überall Holz, Glas, dunkler Stein. Auch vom kuscheligen Doppelbett im Obergeschoss der Suiten geht der Blick hinaus aus einer Front aus Glas - auf die schneebedeckten Berge, die allmählich sämtlich in der Sonne liegen. Die begehbare Dusche ist Standard, ein Wärmeraum hinter Glas ebenso. Gerade wurde Eders Hütte von dem Portal Skiresort.de zum fünften Mal in Folge zur "weltbesten Skihütte" gekürt.

Weit weg vom Après-Ski-Halligalli

Das Bedürfnis der Skifahrer, jenseits vom Trubel zu urlauben, scheint jedenfalls ungebrochen. Die Sehnsucht nach Ruhe, wenn die Touristen abends in Tal abgefahren sind, und nach dem Genuss am Luxus, morgens einfach vor der Tür die Ski anzuschnallen und gleich die ersten Schwünge zu ziehen. Weg vom Straßenverkehr, weg vom Après-Ski-Halligalli, den Sternen ein Stückchen näher. Gerne auch den Sternen in der Küche.

Es ist auch bei Einheimischen vom Tal unten angesagt, schon morgens zum Frühstück heraufzukommen. Oder mal nur abends zum Essen. Im Tal müsste man weit fahren, um eine solche Küche zu finden. "Der Markt will Qualität", sagt Heinz Schultz, der Betreiber des Skigebiets Hochzillertal, der dem Markt für Luxus-Hütten als erster eine Chance gab, weil er die Lücke erkannt hatte.

Wedelhütte auf Fünf-Sterne-Niveau

So hat er auch drüben, nur ein Gipfel weiter und 200 Höhenmeter weiter droben, zwischen Wimbach- und Marchkopf, die Wedelhütte zum Hotel auf Fünf-Stern-Niveau ausgebaut. Sein Vater noch wollte dort ein Selbstbedienungsrestaurant einrichten. "Aber das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Schultz. Und setzte sich durch.

Im sogenannten Weingewölb stapeln sich edelste Tropfen bis unter die sechs Meter hohe Decke. Die besten Winzer Österreichs präsentieren hier bei Degustationen ihre edelsten Tropfen. Hier kann man sich auch einen Amaraone für 195 Euro entkorken lassen. Zahlungskräftige Klientel gibt es allemal.

Refugium für Promis

Bereits viel Prominenz weilte hier wie Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz. Österreichs Präsident feierte hier schon Silvester. Horst Köhler kam insgesamt fünf Mal auf die Kristallhütte, obwohl er immer nur schlechtes Wetter erwischt hat. Und bei einer Vernissage von Udo Lindenberg auf der Wedelhütte waren alle so in Stimmung, dass der Altrocker sämtliche Bilder verkauft hat. Kein Wunder, dass sich für morgen Bastian Schweinsteiger samt dem Herrn Papa angesagt hat - auch er ein Wiederholungstäter.

Den Wirtsleuten jedenfalls gefällt es so gut, dass sie bleiben wollen, obwohl der Sohn bereits zur Schule geht. Morgens geht es auf Ski ins Tal, abends mit Schneemobil wieder herauf. Beim Kollegen Stefan Eder von der Kristallhütte wird es mal ähnlich sein. Seine Tochter Sophia ist erst eineinhalb Jahre alt. Aber seine Eltern haben gerade den Pachtvertrag verlängert, auf 25 Jahre.

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