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Irland: Fette Weiden, Burgruinen und sympathische Tiere

Irland ist keineswegs nur grün, sondern leuchtet im Sommer in vielen Farben. Mit dem Fahrrad kann man das Land der Wikinger und Normannen am besten erkunden.

Wer glaubt, in Irland sei wirklich alles nur Grün, der irrt. Wenn man so durch den County Cork radelt, leuchtet zwar viel, aber nicht alles in den unzähligen Grüntönen, den "forty shades of green" für die das Land berühmt ist. Der Rest hingegen ist bunt. Dafür sorgt zum einen das milde Klima: Palmen und Fuchsien, die zu riesigen Hecken heranwuchern, lassen deutsche Hobbygärtner neidvoll erblassen.

Dabei liegt Cork auf dem gleichen Breitengrad wie Hessen. Der Golfstrom lässt grüßen. Zum anderen macht aber auch die offensichtliche Vorliebe vieler Iren für farbige Häuserfassaden besonders die kleinen Städte bunt: knallrot, quietschgelb und - da ist es nun doch wieder - giftgrün reihen sich die Häuser an den Hauptstraßen aneinander. Wie auf einer Kinderzeichnung.

Immer wieder neue Radwanderwege

Das Radfahren ist in Irland sehr beliebt. Allerdings vor allem bei ausländischen Gästen, die Iren wandern lieber. Trotzdem kommen sie den Wünschen ihrer Gäste nach und entwickeln immer wieder neue Radwanderwege. Wie zum Beispiel die neue Blackwater Valley Cycle Route, die nördlich der Stadt Cork in Rathmore startet und über Mallow, Fermoy und Youghal nach Midleton führt. 191 Kilometer ist diese Strecke lang, und je nach Kondition und Rahmenprogramm kann man drei Tage oder auch eine Woche darauf unterwegs sein.

Benannt wurde diese Region nach dem Fluss Blackwater, der in den Bergen Kerrys entspringt und nach 120 Kilometern bei Youghal ins Meer mündet. Er ist einer der längsten Flüsse Irlands und wurde in früheren Zeiten immer wieder von Eindringlingen für ihre Eroberungsfeldzüge genutzt. Von den Wikingern zum Beispiel, die sich an der Mündung niederließen und später dann von den Normannen. Viele mittelalterliche Burgruinen zeugen von der wilden Zeit - in fast jedem Ort sind sie zu bestaunen. Und so gibt es immer wieder genügend Gelegenheiten, vom Fahrrad einmal abzusteigen.

Fette Weiden, Landhäuser und nette alte Herren

Sehr ländlich zeigt sich Irland hier in der Grafschaft Cork. Auf kleinen, schmalen und nur wenig befahrenen Straßen radelt man vorbei an fetten Weiden, auf denen Pferde und Kühe grasen. Vor den typisch irischen Landhäusern stehen nette alte Herren an den Zäunen, als würden sie nur darauf warten, einem den Weg zu zeigen. Hier hat man Zeit, keine Spur von Hektik und Lärm.

Die Ruhe wirkt entspannend, der Wind weht einem beim Radfahren um die Nase. Ganz ordentlich sogar - ist er nicht ein bisschen stärker geworden? Und die sanften Hügel, werden die nicht gerade etwas weniger sanft? Ganz untrainiert sollte man sich auch auf der Blackwater Cycle Route nicht aufs Fahrrad schwingen.

In wie viele Etappen die Tour aufteilt wird, sollte schon vorher festgelegt werden. Denn am Ende des Tages hat man erfahrungsgemäß wenig Lust, noch eine Unterkunft zu suchen, sondern belohnt sich lieber im nächsten Pub mit einem Beamish, Murphy's oder Guiness. Und es gibt bei der Planung so einiges zu berücksichtigen.

Gärten, Burgruinen und ein Eselpark

Im Country Park in Millstreet, rund 15 Kilometer vom Startpunkt Rathmore entfernt, mit seinen Gärten, dem vogelreichen Feuchtgebiet und den archäologischen Stätten, kann man schon mal länger hängen bleiben. Und dann die vielen großen und kleinen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand, wie die Burgruine in Kanturk, mit deren Erbauung um 1600 begonnen wurde, die aber nie fertig gestellt wurde. Oder das Highlight für Esel-Fans, das Donkey Sanctuary im kleinen Ort Liscarroll, wo die sympathischen Tiere ein neues Zuhause finden.

In Doneraile lohnt sich ein kurzer Abstecher in den Wildlife Park, der eigentlich ein Garten ist und im 18. Jahrhundert angelegt wurde. Und in Glanworth gibt es eine 400 Jahre alte Brücke, eine Abtei, eine Burg aus dem 13. Jahrhundert und eine Wassermühle zu bestaunen.

Nur vier Kilometer und einen kleinen Hügel entfernt geht es noch weiter in die Vergangenheit zurück: Labacallee ist ein Steingrab, das vor 3500 Jahren angelegt wurde. Nicht zu vergessen der Stadtbummel durch Mallow und Fermoy. Einen Vorwand für eine Pause muss sich also niemand suchen.

Vom letzten Hügel Richtung Meer hinabrollen

Am anstrengendsten ist die Strecke zwischen Fermoy und Youghal, "Yawl" gesprochen. Irgendwie scheint es ständig bergauf zu gehen. Daher ist so mancher froh, wenn er sich vom letzten Hügel Richtung Meer hinabrollen lassen kann. Youghal kommt vom irischen "Echaill", was Eibe bedeutet. Vor dem Bau der Stadt durch die Wikinger im 9. Jahrhundert stand hier ein Eibenwald.

1954 war in Youghal einiges los: Moby Dick wurde gedreht. Auch heute noch geht es hinaus aufs Meer. Allerdings nicht zum Walfang sondern zur Wal- und Delfinbeobachtung. Ein schönes Städtchen, voll von historischen Zeugnissen und mit einem schönen Sandstrand. Hier lässt es sich auch zwei Tage aushalten.

Nicht zuviel irischen Whiskey

Gemütlich geht es weiter zum Endpunkt nach Midleton. Durch kleine Dörfer und Hügellandschaften, die auch hier vom bäuerlichen Leben geprägt sind. Kein Fast Food, keine Supermärkte - keine Verpflegung. Die Pubs haben mittags geschlossen, und so wird in Ladybridge der Imbiss eines Gartencenters angesteuert: Zwischen Rosen und Terracottatöpfen schmeckt das Sandwich ausgezeichnet.

In Midleton wartet dann noch eine besondere Touristenattraktion: die Old Midleton Distillery. Hier kann man mal sehen, wie so ein echter Irischer Whiskey, der Jameson, hergestellt wird. Probieren sollte man aber vielleicht direkt nach der Radtour lieber nicht so viel.

Elke Gersmann/DDP / DDP
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