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La Gomera: Wandern und Whalewatching

Vor La Gomera tummeln sich Wale unter strahlend blauem Himmel um die Fischerboote. Und im Inselinneren warten auf Wanderer viele weitere Überraschungen. Doch auch dort die Badesachen nicht vergessen!

Langsam tuckert die "Ascención del Señor", ein ehemaliges Fischerboot, aus dem Hafen von Vueltas hinaus auf den Atlantik. Unter dem strahlend blauen Himmel glitzert das Meer vor der Küste von Gomera in der Sonne, der Wind hält sich zurück und so schaukelt das Boot sanft in einer leichten Dünung.

Beste Voraussetzungen für die Sichtung von Walen und Delfinen: Pilotwale, Große Tümmler, Streifendelfine und Rauhzahndelfine - die Liste der "Cetaceen" - wie sie in der Fachsprache heißen - die sich hier ein Stelldichein geben, ist lang. Aber eine Sichtungsgarantie gibt es von der Crew um Capitano Claudio trotzdem nicht.

Entspannt gespannt

Die Stimmung an Bord ist daher entspannt gespannt: Werden sie auftauchen? Nach einer Stunde kommt der erlösende Ausruf: "Auf 14.00 Uhr!" Vorne rechts vom Boot sind einige Finnen zu sehen - Pilotwale. In gebührendem Abstand wird der Motor abgeschaltet und dann sind sie auch zu hören: ihre Blasgeräusche, Walgesänge und Clicks, mit denen sie das Boot abtasten.

Wenig später surfen dann zur Freude aller noch mehrere Große Tümmler in der schäumenden Bugwelle: ein schöner Abschluss. Die "Ascención del Señor" hat wieder Kurs auf den Hafen und die großartige Kulisse des Valle Gran Rey genommen.

Von Bausünden verschont

Das Tal des Großen Königs ist wahrlich majestätisch. Eingerahmt von schroffen Felswänden zieht sich eine kunstvolle Terrassenlandschaft mit hunderten Dattelpalmen hinab zum Meer. Dörfer und Weiler machen dazwischen in leuchtendem Weiß auf sich aufmerksam.

Während weiter oben im Tal die Dinge größtenteils noch ihren altbewährten Gang gehen, hat man sich unten auf den Tourismus eingestellt. Am schönsten und ruhigsten ist La Calera mit seinen engen, autofreien Gassen am Hang.

Aber vor allem die Orte am Meer, La Playa, La Puntilla und Vueltas bieten fast alles, was das Touristenherz begehrt: Strand, Restaurants, Bars und in Vueltas sogar etwas Nightlife. Jedoch ist das Ganze weit entfernt von dem, was man vom kanarischen Massentourismus sonst so kennt.

Der hat es nämlich bisher nicht hierher nach Gomera geschafft. Und auch wenn so mancher Besucher bedauern wird, was in den vergangenen 20 Jahren aus den beschaulichen Dörfern am Meer geworden ist, blieben diese doch von den übelsten Bausünden verschont.

Verzauberter Märchenwald

Doch viele zieht es hier gar nicht primär auf oder an das Wasser, sondern zum Wandern ins Inselinnere. Gomera ist auch an Land ein Naturparadies. Zu einiger Berühmtheit hat es der Lorbeerwald im Zentrum der Insel gebracht.

Wenn Wolkenfetzen durch die Gipfel des "Bosque del Cedro" ziehen, wirkt er wie ein verzauberter Märchenwald. Moos hängt in Schleiern von knorrigen Ästen herab, nur das Rauschen des Windes und das Platschen von Wassertropfen auf ausladende Farnwedel unterbrechen die Stille.

Dieser Lorbeerwald ist ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten und jetzt nur noch auf den Kanarischen Inseln zu finden - vor allem hier auf La Gomera. Rund um den höchsten Gipfel der Insel, den Garajonay, ist er daher durch den gleichnamigen Nationalpark geschützt. Und seit 1986 Unesco-Weltnaturerbe.

Feuchter Norden, trockener Süden

Auch außerhalb des Nationalparks geizt Gomera nicht mit beeindruckenden Szenarien, von denen die Natur anscheinend möglichst viele auf der 373 Quadratkilometer großen Insel unterbringen wollte. Sanfte Hügellandschaften wie die zwischen Arure, Las Hayas und dem Töpferdorf El Cercado oberhalb vom Valle Gran Rey wechseln sich mit bizarren Felsformationen ab. Die zerklüfteten Berge sind von tiefen "Barrancos", Flusstälern, durchschnitten, die sternförmig vom Zentrum der Insel zum Meer hinunter führen.

An vielen Stellen finden sich die Überreste von Vulkanschloten wie der Roque Agando oder der Tafelberg Fortaleza de Chipude. Früher waren dies Kultstätten der kanarischen Ureinwohner, der Guanchen, heute sind es viel fotografierte Naturwunder.

Im feuchten Norden wuchert die Natur in den fruchtbaren Tälern von Vallehermoso und Hermigua in allen Farben, im sonnensicheren Süden, rund um den kleinen Urlaubsort Playa de Santiago, trotzt niedriges Buschwerk der Trockenheit.

Wanderschuhe und Badesachen

Und überall gibt es Wanderwege, auf denen sich diese faszinierenden Landschaften hautnah erleben lassen. Auch im Valle Gran Rey lohnt es sich, die Wanderschuhe anzuziehen.

Ein Tipp für Frühaufsteher: morgens mit dem Bus nach Arure hinauffahren und dann entlang des Bergrückens über die Hochebene La Mérica zurückwandern - atemberaubende Ausblicke inklusive. Vor dem steilen Abstieg nach La Calera breitet sich weit unten einladend das Meer aus. Gut, wenn man dann die Badesachen schon im Rucksack hat.

Elke Gersmann/DDP / DDP
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