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Luxusstrände: "Die Ferien eines Paschas leben!"

Das gewöhnliche Strandleben in Italien ist nichts für schwache Nerven: plärrende Kinder, bimmelnde Handys, schreiende Händler. Wohl dem, der sich eine Auszeit an einem der luxuriösen Privatstrände leisten kann.

Die Wellen rauschen sanft, die Sonne strahlt vom knallblauen Himmel und es ist erstaunlich ruhig. Kreischende Kinder und bimmelnde Handys fehlen, stattdessen räkeln sich junge Frauen unter weißen Baldachinen, Männer lassen in Hängematten die Seele baumeln, während ein Kellner exotische Cocktails serviert. Die Szenerie schmückt nicht etwa eine Karibikinsel - sondern die bisher eher für Überfüllung und Krach bekannten Hausstrände Roms in Ostia und Fregene. Luxusstrände sind in "Bella Italia" stark im Kommen. Dabei gehören bequeme Strand-Betten, Südsee-Flair mit dicken weißen Kissen und Bequemlichkeiten jeder Art zum Standard.

Etwa am Nobelstrand "Ondanomala" in Ostia. Dort können Italiener und Touristen in aller Ruhe Cocktails schlürfen, das Meer genießen und sich über eine Gegensprechanlage kühle Drinks bestellen. Im "Shilling" gibt es für die Gäste sogar Fernseher und ein edles Gourmet-Restaurant. Und in Fregene werden am Abend am Luxusstrand "Singita" Kerzen angezündet. "Eine Atmosphäre wie aus 1001 Nacht", schrieb ein italienischer Journalist. Die Zeitung "Il Messagero" titelte: "Die Ferien eines Paschas leben!"

Auch für Normalverdiener erschwinglich

Die noble Auszeit ist - zumindest teilweise - auch für Normalverdiener erschwinglich. In Fregenes "Gilda on the beach" kostet das eigene "Strandzimmer" mit Dusche, WC und Couch rund 45 Euro am Tag. Am Top-Luxusstrand "Singita" kann der Tourist für knapp 20 Euro auf einem Bett ausspannen. Teuer wird erst der zusätzliche Service: Kellner, Getränke, Essen, Parkplatz und Fitnessangebote. Zu zweit ist man hier schnell bei mehreren hundert Euro für einen luxuriösen Tag am Strand angelangt.

Trotzdem sind die neuen Luxusstrände so gefragt, dass es bereits Wartelisten gibt. Dabei geht es nicht nur um Entspannung und Ruhe, sondern auch um Sport und Wellness. Gepflegte Pools, individuelle Massagen und ein Kellner, der jeden Wunsch erfüllt - das klingt nach Paradies. "Il dolce far niente" (das süße Nichtstun) gefällt dennoch nicht allen. "Das könnte ich doch auch in Deutschland haben. Das ist nicht Italien", klagt der 25-jährige Bielefelder Mario Ohnezorg, der lieber an einen kostenlosen Strand geht.

Sehen und gesehen werden

Dort sieht es allerdings ganz anders aus: Großfamilien, Jugend- Cliquen und passionierte Sonnenanbeter tummeln sich hier auf engstem Raum. Am Wochenende "fliehen" bis zu 250.000 Römer ans etwa 30 Kilometer entfernte Meer. Wenn dann die "Mamma" mit den fünf Kindern kommt, ist Nervenstärke gefragt - vor allem, wenn sich die Krach machende Familie direkt neben dem eigenen Handtuch ausbreitet. Ob das ständig klingelnde Handy, plärrende Radios oder wilde Verhandlungen mit Händlern - nach Ruhe sucht man hier vergeblich.

Allerdings legen es die meisten Italiener sowieso nicht auf Entspannung und Privatsphäre an. "Ich will doch gesehen werden!", erklärt die 22-jährige Floriana, die in Ostia ausspannt. Und im Grunde geht es beim Ausflug ans Meer tatsächlich nur um eins: Ums Sehen und Gesehen werden und darum, "bella figura" zu machen. Die Männer schauen den Frauen hinterher und loben die weiblichen Formen mit heißen Liebesschwüren. "Schrecklich, diese Anmache", klagt eine 40-jährige Britin. Deswegen gibt es seit Juni in Rimini auch einen "rosa Strand". Hier dürfen nur Frauen ans Meer - ohne glotzende Männer, dafür mit Wellness- und Wohlfühlprogramm. Aber auch an der luxuriösen "Spiaggia rosa" gilt: Ohne Geld kommt man nicht weit.

Claudia Reineke/DPA / DPA
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