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Mallorca in der Krise Droht bald ein Ende des Ballermanns? Doch das Partyvolk hat Stehvermögen

Nik Hopfen
Dominik Allwardt alias Nik Hopfen bei einem Auftritt auf Mallorca. 
© Privat/Daniela Allwardt / DPA
Die besonders bei Deutschen beliebte Feiermeile auf Mallorca stört Politiker und Geschäftsleute der Insel schon seit Jahren. Aber so leicht wird sich das bierselige Partyvolk nicht vertreiben lassen.

Die Platja de Palma ist der wohl deutscheste Ort außerhalb Deutschlands. Millionen Touristen, die dort jährlich feiern und ordentlich einen drauf machen, schwören auf den Kultstatus des berüchtigten Ballermanns. Doch den Politikern auf Mallorca ist der gut 500 Meter lange Strandabschnitt schon lange ein Dorn im Auge.

Regelmäßig verschärft die Regierung die sogenannten Benimm-Regeln, um dem lautstarken Treiben ein Ende zu bereiten. Der Erfolg hielt sich in Grenzen. Aber was die Gesetze nicht schafften, erreichte Corona. Die Partyhochburg war zeitweise durch die Pandemie lahmgelegt. Und die Zukunft ist ungewiss.

"Für die Sauftouristen ist auf unserer Insel kein Platz mehr", sagt Regierungssprecher Iago Negueruela. "Wir wollen den Ballermann komplett renovieren. Wir wollen keine Leute mehr sehen, die sich auf der Straße betrinken. Die Qualität muss steigen, dafür können wir auch auf Fördermittel der EU zurückgreifen." Die derzeitige Inselregierung habe sich das Ende des Party-Rummels von Anfang an auf die Fahnen geschrieben.

Unterstützt wird die Politik von Hoteliers und Restaurant-Inhabern der Gegend, die sich zur Qualitätsoffensive "Palma Beach" zusammengeschlossen haben. Meist handelt es sich dabei um Anbieter im Luxussektor. "Das Hotel- und Gastrowesen hat an der Platja de Palma viel Geld investiert, um einen qualitativ hochwertigen Tourismus anbieten zu können. Das wird durch die bierseligen Partygänger gefährdet", sagt Negueruela.

So eröffneten bereits in den vergangenen Jahren mehrere Fünf-Sterne-Hotels und teure Restaurants. Doch billigen Alkohol gibt es für die fröhlichen Zecher auch weiterhin. "Allein mit Champagner lassen sich die Kassen nicht füllen. Die Partytouristen bringen Geld", meint der Musiker Dominik Allwardt.

Konkurrenz für den "Bierkönig"

Der 34-Jährige aus Dülmen im Münsterland, der unter dem Künstlernamen Nik Hopfen auftritt, gehört zu den Neuzugängen in der Szene. Vor einem Jahr nahm er seine erste Single auf. "Durch die Pandemie haben die bekannten Künstler abgewartet und lange keine neuen Lieder herausgebracht. Das war die Chance für Newcomer wie mich."

Der Sänger träumt von Auftritten in den großen Partytempeln. Erste Bühnenerfahrung an der Platja de Palma konnte der Krankenpfleger Anfang des Jahres im Münchner Kindl sammeln. Die Wirtin Gerlinde Weininger möchte in der kommenden Saison mit dem Ballermann-Sänger Stefan Stürmer die "Stürmer-Arena" eröffnen. Die Diskothek soll den Branchenriesen "Bierkönig" und "Megapark" Konkurrenz machen.

Mallorca in der Krise: Droht bald ein Ende des Ballermanns? Doch das Partyvolk hat Stehvermögen

Wie die "Mallorca Zeitung" berichtete, planen die beiden Partytempel für die kommende Saison ebenfalls eine Qualitätsoffensive und wollen nicht länger die klassischen Sauflieder spielen. Das wäre ein gewagter Schritt - viele Hits handeln vom exzessiven Alkoholkonsum.

Auch Nik Hopfen hat sich mit Zeilen wie "Man darf die Hopfnung nie verlieren" darauf spezialisiert. "Zum Glück gibt es die Stürmer-Arena, wo die Songs dann noch erlaubt sind. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass der "Bierkönig" die Lieder wirklich verbietet", sagt der Partysänger. "Diese Lieder werden auch in Deutschland gefeiert.

Jeder Mensch ist für sich selbst verantwortlich. Nur weil die Musik vom Trinken handelt, animiert das nicht automatisch zum Saufen." Das Feiern will sich niemand verbieten lassen.

Feiern nur im Sitzen

Dabei ist noch abzuwarten, wie die Saison im kommenden Jahr aussehen wird. Mancher Künstler wirft der Regierung vor, die Pandemie als Vorwand genutzt zu haben, um dem Ballermann ein Ende zu bereiten. Wegen der strikten Auflagen für Bars und Diskotheken war der "Megapark" das ganze Jahr geschlossen. Im "Bierkönig" durfte nur im Sitzen gefeiert werden, was zu einer Biergartenatmosphäre führte. Die erinnerte nur entfernt an die feuchtfröhlichen Feiern von früher.

Das Stehvermögen des Partyvolks sollte aber nicht unterschätzt werden. Als die nächtliche Ausgangssperre im Juni endete, strömten Tausende Urlauber und Einheimische an die Platja de Palma, um die Sau rauszulassen. Die Polizei konnte angesichts der Menschenmassen meist nur hilflos zugucken.

Die nähere Zukunft des Ballermanns ist aber erstmal eng an den Verlauf der Corona-Kurve geknüpft. Derzeit steigen auch auf Mallorca die Zahlen wieder - die Sieben-Tage-Inzidenz lag Ende Dezember bei über 220 mit steigender Tendenz. Ein Plus ist die hohe Impfquote von 85 Prozent. "Es wird auf jeden Fall eine Saison geben", meint Hopfen.

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Ralf Petzold/DPA

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