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Mallorca: Wo sind sie geblieben?

Es war ihre Lieblingsinsel - doch in letzter Zeit verschmähen deutsche Urlauber Mallorca. Vielen ist es dort zu teuer geworden. Die Gastgeber sind beunruhigt.

Und jetzt was fürs Herz", säuselt Kai am DJ-Pult und schiebt den Arenal-Hit der vergangenen Saison ein: "Baby, du darfst nicht mehr weinen." Am riesigen Tresen im "Coco‘s" nuckeln drei reife Pistengängerinnen an ihren Cocktail-Strohhalmen. "Du bist nicht allein mit all deinen Träumen", summt Kais heisere Raucherstimme mit. Schräg gegenüber prosten ihm zwei Blondinen mit Warsteiner Pils zu, über die Köpfe ihrer Männer hinweg. Der stämmige Discjockey mit Minipferdeschwanz zeigt sein schönstes Lächeln. "Nur ordentliches Publikum hier", stellt er stolz fest. "Nach 20 Uhr kommt mir keiner mehr in Badehose rein."

Kai Büssow, vor 37 Jahren in Frankfurt geboren und seit 17 Jahren auf Mallorca, gehört zur ersten Generation der Amüsierszene. Anfangs betrieb er einen Piratensender, später enthemmte er als Star-DJ die grölenden Massen im "Bierkönig" von Arenal. Als der Lokalbesitzer Manfred Meisel im Herbst 1997 ermordet wurde, zog Kai mit seinen CD-Koffern ein Lokal weiter ins "Coco‘s". Dort dudelt er nun zu vorgerückter Stunde Songs wie "Wir wollen Klopapier und noch ‘n Bier" und "Alle steigen auf die Stühle und stürzen ins Gewühle". Da komme garantiert Stimmung auf. Noch aber schunkeln die Hinterteile nur auf den Barhockern. Drauáen gähnen afrikanische Nutten mangels Nachfrage. Frühlingsstimmung auf Mallorca.

Vor der Strandkneipe "Balneario 6", dem berüchtigten Ballermann, wo einst abgefüllte Draufmacher in ihre SangriaEimer pinkelten und fürs Fernsehen die Hosen runterlieáen, fotografiert sich eine schwäbische Frauengruppe. "Hoscht a die 6 druff?" Und auf der verrufenen Schinkenstraáe schwanken die Herren vom Wuppertaler Kegelverein zwischen dem "Musikladen" und dem "Bierkönig", aus dem gerade ein herziges "Gildo hat euch lieb" schallt. "Da geh’n ma wat trinken", trifft der Dickste die Entscheidung für den Bierkönig. "Hier is’ noch viel frei."Und das wird wohl so bleiben. Rund 700 000 deutsche Gäste hat die gröáte Baleareninsel in den vergangenen zwei Jahren verloren. Auch für diese Saison hält die Baisse an. Miguel Vicens, Chef des Tourismusverbandes, hofft allerdings noch auf ein Krisenwunder, das ängstliche Deutsche "wieder auf unsere sichere Insel lenkt".Die derzeitige Leere ist hausgemacht. Die Mallorquiner nutzten die Euroumstellung zu satten Aufschlägen. Ein groáes Bier kostet statt ein paar Peseten jetzt fünf Euro, eine Paella mindestens zehn Euro und ein Fischgericht 17 Euro. Wenn eine Familie unter einem Sonnenschirm auf drei Liegen Platz nimmt, zahlt sie 27 Euro am Tag. Für Inselausflüge sind statt 40 Mark nun 40 Euro zu berappen, was Rundfahrtenfans "ein bisschen happig" finden. Zusätzlich kassiert die Regierung eine ™kosteuer von 1,03 bis 2,05 Euro pro Gast und Tag.Treue Mallorca-Fans, die dennoch mit den neuen Billigfliegern nach Palma jetten wollten, schreckten die Inselpräsidentin Maria Munar und ihr Tourismusminister Celestí Alomar mit gezielter Arroganz ab. Man wolle in Zukunft statt der Prolo-Invasion nur Besserverdienende. Senora Munar: "Der beste Tourist ist der Golf- und Yachttourist." Den deutschen Pitchern und Puttern stehen schon jetzt 18 Plätze gegen stattliche Greenfees von 60 bis 72 Euro offen. Weitere dieser wasserschluckenden Schlagstätten sind geplant. Und noch für diese Saison eröffnen fünf neue Fünf-Sterne-Hotels.

Wer die 100 000 Betten in den alten, weniger edlen Etablissements belegen soll, ist Touristikboss Miguel Vicens unklar. Bei den groáen deutschen Ferienkonzernen TUI und Thomas Cook gilt das 17. deutsche Bundesland als ziemlich out. "Im Vorjahr hatten wir ein Minus von 27 Prozent für Mallorca, und für diese Saison sieht es auch düster aus", sagt Cook-Sprecher Rolf-Dieter Grass. Die Urlauber bevorzugen die billigeren Betten-Pauschalen in Bulgarien und der Türkei. Einzig der Flugreiseveranstalter Alltours meldet für seine preisgünstigen All-Inclusive-Hotels mit Kinderfestpreisen ab 149 Euro und Frühbucherrabatten ein Nachfrageplus. "Die Leute erwarten gerade heutzutage faire Leistung für ihr Geld", analysiert Alltours-Chefreiseleiter Peter Gutjahr in Palma.Nervös geworden rudern die ersten Preistreiber bereits zurück. Im "Münchner Kindl" in Arenal verteilt der Türsteher Zettel mit "Superangeboten": Einen Almdudler oder ein Bitburger Pils gibt’s wieder für einen Euro. Frikadellen mit Rotkohl und Bratkartoffeln für 3,50 Euro.Die Edelgäste, die anstelle des Pöbels kommen sollten, halten sich jedoch zurück. Wer 300 bis 500 Euro pro Nacht für ein Himmelbett mit eigenem Whirlpool ausgeben will, drängt nicht unbedingt auf eine Insel, die ihre schönsten Buchten zubetoniert und den letzten Eselstall als Finca teuer verscherbelt hat. Weil inzwischen Originalruinen rar sind, breiten sich so genannte Neubau-Fincas aus.Im Mastenwald des schicken Palma-Hafens Port de Portals, 20 Kilometer von der Hauptstadt entfernt, wo selbst die "Fortuna" von König Juan Carlos gelegentlich vor Anker geht, hängt an vielen Yachten ein Schild "Zu verkaufen". Und in den noblen Traditionshäusern sind die Schläfer so knapp, dass Empfangschef Martin in der Fünf-Sterne-Residenz "Villa Italia" in Port d’Andratx eine neue "Aktionspreisliste" über den Marmortresen schiebt. Die Suite Royal mit handgeschnitztem Himmelbett und Whirlpool kostet nur noch 259 statt 373 Euro. "Auch die feine Kundschaft spart", klagt er. "Die Herrschaften kommen statt zehn nur noch vier Tage." Nicht mal im "Villa"-Restaurant, wo immerhin schon Claudia Schiffer im Carpaccio vom Steinbutt und getrüffelten Wirsing gestochert hat, boomen die Tischreservierungen."Uns Claudia" wohnt übrigens gleich nebenan: am naturgeschützten Cap Andritxol Richtung Camp de Mar. Paparazzi erhaschen aber nur vom Meer aus ein Stück Fassade ihres Domizils. Das lohnt das Rauspaddeln nicht. Nachdem das Supermodel einen bröckelnden Wachturm am Cap auf eigene Kosten renoviert hat, ist Frau Schiffer selbst bei der teutonenkritischen Inselregierung beliebt, die gerade an Boris Becker ein Exempel statuiert. Der Tennisstar soll 420 000 Euro Buáe für einen zu groá geratenen Flügel seiner Finca bei Artà zahlen und den Anbau auch noch auf eigene Kosten abreiáen.Grundsätzlich schätzen die Mallorquiner ihre Promis, schon aus Werbegründen. Und wenn sie spendabel sind. Wie der US-Schauspieler Michael Douglas, der in dem Palast S’Estaca an der Steilküste von Valldemossa residiert und der Berggemeinde gleich die Kulturstiftung Costa Nord mit Freilufttheater schenkte. Auf der täglichen Costa-Nord-Sightseeingtour zu 7,50 Euro ist er aber nicht zu sehen, wie Touristen enttäuscht feststellen. Ohnehin kann man Mister Douglas rein zufällig in Valldemossa nur von Januar bis Juni treffen. In der zweiten Jahreshälfte hat seine geschiedene Frau das Nutzungsrecht fürs Haus.

Solcher Starklatsch ist auf den neuen "Entdecker-Ausflügen zu den geheimen Flecken im Inselinnern" zu erfahren, die als Alternative zu den Alk-Partys am Strand angeboten werden. Da ruckelt das wissbegierige Publikum dann im Minibus über steinmauergesäumte Sträáchen durch Olivenhaine und Pinienlandschaften. Ein deutscher Reiseleiter namens Marcos, einst Kunstglaser, führt seine Gruppe in das Dorf Orient, 95 Stufen hoch zu einer Pilgerstätte, und weiter zur Finca von Oma Franziska. Da darf sich jeder kostenlos Orangen von den Bäumen pflücken. Mittags treffen sich die Minibusse des Unternehmers in einem neuen Insellokal, wo das Dreigängemenü (Schwein mit Kohl) neun Euro kostet. Daran gibt’s nichts zu meckern, finden vier Dresdner, nachdem sie sich schon Taschen und Schals mit Orangen voll gestopft haben. Individualisten starten im Mietauto zum privaten Buchtenbummel. Wobei die Suche nach Badeidyllen vom FKK-Strand Es Trenc an der Westküste der Südspitze über die Beton-Flanier-Meile von Cala Millor im Osten bis zum Bettenmoloch Alcudia im Norden mühselig ist. Die letzten verträumten Buchten werden gerade zugebaut. Wie die Cala Mandía bei Portocristo. "SOS Mallorca" haben Umweltschützer auf die Mauer einer neuen 2000-Betten-Clubanlage geschrieben, die breiartig über einen Uferhügel zum Meer flieát. Die enge Zweifingerbucht Cala Figuera im Süden bei Santanyí gehört zu den wenigen alten Fischerorten, die mangels Sandstrand vom Bauwahn halbwegs verschont blieben.Trainierte Wanderer und Mountainbiker zieht es mehr zu den Steilküsten des Tramuntana-Gebirges im Westen. Sie schwärmen nach der Rückkehr von der sensationellen Aussicht aufs Meer, von den fotogenen Künstlerdörfern Fornalutx und Deià und den Zitrushainen auf Terrassen-Hängen. Lange waren die Gebirgsorte eine abgeschiedene Welt. Der vor fünf Jahren eröffnete Tunnel, der die ätzende Haarnadel-Kurverei auf der Strecke Palma-Sóller erspart, wirkte als touristischer Dosenöffner."Da kommen die merkwürdigsten Leute. Neureich und wichtig. Sogar im Lamborghini", amüsiert sich die deutsche Auswanderin Sabine in Sóller. Die Eckmauern der engen Straáen schillern bereits in allen Kotflügelfarben. Wer sein Auto liebt, fährt besser mit der Bimmelbahn "Roter Blitz".Der bringt Ausflügler auch ohne Stau zurück nach Palma. Noch flitzen auf der Strandpromenade im Pulk papageibunte Zabels und Ullrichs am kärglich belegten Sonnenschirmareal vorbei. 165 Kilometer habe er gestern geschafft, erzählt ein Radler aus dem Ruhrgebiet. Japsend nimmt er einen Schluck aus der Energiepulle und strampelt weiter. Fürs Nachtleben, das hier in wenigen Stunden losgeht, hat er ohnehin nichts übrig. Mit anderen Urlaubern füllt sich gegen Mitternacht die Groáraumdisco "Tito’s". Der Laden ist "trotz Krise bumsvoll", sagt Josh Boshek, deutscher Vergnügungsdirektor des traditionsreichen Nightlife-Imperiums. "Die 15 bis 18 Euro Eintritt zahlen unsere Gäste locker."Der Präsident der Hoteliersvereinigung, Pere Canellas, ist weniger vergnügt. Nicht mal die Osterferien bringen den ersehnten Besucherstrom. "Zur Saison machen 30 Hotels gar nicht erst auf." Nun hofft er, dass eine neue millionenteure Werbeaktion mit knackigen Wanderwaden, muskelgestähltem Männerrücken und golfverrücktem Bauchnabel Wirkung zeigt und die Mallorcamüden wieder auf die Insel holt.

Wissenscommunity

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(