Monaco Jetset für "Krethi und Plethi"


Statt auf den Adel des Geldes setzt Monaco heute auf den Massentourismus. Die Hautevolee muss lernen, mit "Krethi und Plethi" zu teilen.
Von Jens Maier

Monacos Publikum hat sich geändert. Das Fürstentum setzt auf Massentourismus statt auf Aristokratie und Geldadel. Dazu leistete sich der Stadtstaat jüngst für insgesamt 335 Millionen Euro einen modernisierten Hafen der Superlative, dessen Herzstück eine schwimmende Landungsbrücke ist. So sollen im Jahr mehr als 300 Kreuzfahrtschiffe mit einer Viertelmillion Passagiere direkt in Monaco Station machen können.Und wer erstmal dort angekommen ist, wird praktisch zum Geldausgeben gezwungen. Zahlreiche Nobelboutiquen - von Chanel bis Zermengilda- verführen gelangweilte Unternehmer-Gattinen mit Goldener Kreditkarte zum Kaufen. Die Männer vergnügen sich derweil lieber im Spielcasino bei Black Jack und Roulette und sorgen damit ebenfalls dafür, dass viel Geld in die Staatskassen fließt.

Vom verschuldeten Kleinstaat zur Steueroase

Bevor ihr Zwergstaat zum Refugium der Reichen und Eleganten wurde, hatten die Monegassen eigentlich gar nichts. Die Erde, auf der heute Palmen und tropische Pflanzen wachsen, musste erst mühsam mit Eselskarren auf diesen kahlen Felsen geschleppt werden. Fürst Rainier gelang es nach seinem Amtsantritt 1949 mit viel Geschick aus dem verschuldeten Kleinstaat ein Jetset-Refugium zu machen. Der Trick: Prominente wie Schauspieler, Sportler oder Modeschöpfer wurden mit Steuerfreiheit angelockt. Die ließen sich nicht zweimal bitten und griffen zu, besiedelten alsbald die Berge rund um die Bucht an der Côte d'Azur mit ihren schicken weißen Villen. Bis heute ist die Steueroase bei den Boris Beckers dieser Welt beliebt.Niemand schämt sich seines Reichtums. Die großen Juweliere und die Haute Couture siedeln dichter als in den Metropolen Paris oder New York. Sie sind sogar leichter zu finden als Supermärkte oder Bäcker. Und keiner rüttelt gern an den Säulen des goldenen Tempels, auch nicht jene, die nur Stehplätze haben. Im Gegenteil. Das Großbürgertum sonnt sich gerne im Glanz großer Namen, begibt sich unter die Schönen und Reichen und hofft, ein wenig Glamour würde abfärben.

Einer der sichersten Plätze der Welt

Dass der Reichtum nicht versteckt werden muss, dafür sorgen umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen. In keinem Staat der Welt kann man seinen Ferrari beruhigter an der Straße abstellen als in Monaco. "Es ist der einzige Ort, an dem eine Frau ihren Schmuck und ihren Pelz tragen kann, ohne angestarrt oder beraubt zu werden", sagte schon vor Jahren der belgische Baron Empain, nachdem er selber einmal in Paris entführt worden war. Über 33 000 Einwohner wachen 516 Polizisten. Hundert Kameras spähen von Kreuzungen, Aussichtspunkten und in die zahlreichen Tunnels. Seit Anfang der 90er Jahren die Umsätze der Société des bains de mer, die das Casino und die besten Hotels betreibt, stagnierten, begann ein Umdenken. Nicht mehr die "Großghopferten", sondern auf Touristen hatte es Monaco von da an abgesehen. Pittoreske Spieler wie Ägyptens Ex-König Faruk, der notorisch schummelte, sind nur noch Legende. Im Spielcasino ist der kleine Mann mittlerweile gern gesehener Gast, solange er nur Geld verspielt - die Menge macht's - und sich in Anzug und Krawatte blicken lässt. Der schöne Schein will schließlich gewahrt bleiben. Ansonsten pflegt das Fürstentum seinen Ruf als Veranstaltungsort für internationale Ereignisse von hohem Niveau. Ob es um Autorennen, Tennis- oder Golfturniere, Konzerte, Bälle, Kongresse oder Ausstellungen à la "China" geht, Monaco will Spitze sein.

Tourismus boomt

Die Rechnung scheint aufzugehen. Millionen von Tagesbesuchern werden jährlich durch den Stadtstaat geschleust. Für diejenigen, die auch über Nacht bleiben wollen, wurde die Hotelkapazität in den letzten beiden Jahren um ein Drittel aufgestockt. Bleibt abzuwarten, wie die Hautevolee auf die neue Klientel reagiert. Schließlich ist man es in diesen Kreisen nicht gewohnt zu teilen.


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