Norwegen Ganz t(r)oll Skifahren


Wen es nach Wintersport jenseits der altbekannten Alpen dürstet, findet sicheres Schneevergnügen in Trysil, dem Skiparadies Norwegens. Neben Wedeln und Carven locken dort auch ganz tierische Attraktionen.

Nur zweieinhalb Stunden nördlich von Oslo, nahe der Grenze zu Schweden, befindet sich die größte Skianlage Norwegens. Obwohl von der Höhe her nicht mit den Alpen vergleichbar, sind Winterferien in Trysil so, wie man sie sich erträumt, mit viel Schnee bis in den April hinein. Ein einsamer Berg, der Trysilfjell, ragt aus einer hügeligen Landschaft hervor. Von drei Seiten durchschneiden Pisten und Lifte die Wälder, die den Berg umschließen in einem Netz von 65 Kilometern mit 62 Abfahrten von sanften Pisten bis zu schwarzen Buckelpisten für Könner. Trysil liegt in Süd-Ostnorwegen an der Grenze zu Schweden.

"Schneesicher! Wir öffnen als Erste! Wir schließen als Letzte!" So wirbt die Region. Es ist jedoch nicht nur die Schneesicherheit, die Besucher aus Deutschland anlockt, sondern, wie überall in Norwegen, die Kinderfreundlichkeit. Kinder bis zu sieben Jahren fahren gratis, Bedingung ist jedoch das Tragen eines Schutzhelmes. Die Kleinsten werden zum Teil kostenlos in einem Skikindergarten betreut. Am Skicenter Høyfjellssenteret befindet sich der Kinder- und Aktivitätstreffpunkt Gammelgård, wo die lokalen Kindermaskottchen "Smotten" sich um die Kleinen kümmern. Die tapsigen Trollfiguren, von den Kindern heiß geliebt, präsentieren das Angebot vom Mini-Snowboardland über den Zauberteppich bis hin zur Märchenstunde bei der Berghexe Isiz.

Wurzeln und Engpässe werden ignoriert

Während der Nachwuchs bestens versorgt ist, können Eltern auf Entdeckungstour gehen. Ein aufregendes Erlebnis ist eine Huskiefahrt mit Tor Arne Myrheim. Der ehemalige Journalist wechselte den Schreibtisch gegen Zelte und Hundehütten. Als es ans Anspannen der Hunde geht, warnt Tor Arne: "Bindet den Schlitten am Baum gut fest bevor ihr die Hunde vorspannt, sonst hauen sie mitsamt Schlitten ab." Kaum sind die Hunde aus dem Auto, beginnen sie wie wild zu bellen. Ungeduldig ertragen sie das Anschnallen vor die Schlitten, sie wollen los, denn Laufen ist ihr Leben. Dann ist es endlich so weit, Nora setzt sich in den Schlitten, bedeckt mit Fellen gegen die Kälte. Jacob steht dahinter auf den Kufen und steuert, indem er sein Gewicht verlagert. Das Bellen und Heulen hört auf, die Hunde rennen los. Jacob muss höllisch aufpassen, denn Wurzeln, Engpässe und andere Hindernisse werden von den Tieren ignoriert. Vor jedem Schlitten sind vier Hunde gespannt, ganz unterschiedlich in ihrem Rennverhalten. Soraya und Rudolf sind die Tempomacher, sie sind besonders ungestüm und nur schwer zu bremsen. Es sind fünf Schlitten, die durch die Schneelandschaft hinter einander her gleiten. Alle folgen dem Leithund Günther, der ruhig und souverän die hechelnden Hunde anführt.

Gemütlichkeit im Pferdeschlitten

Der Tagesausflug ist ein großes Abenteuer, denn das Ziel ist eine Hütte auf der anderen Seite eines riesigen, gefrorenen Sees. Die Fahrt geht vorbei an knorrigen Bäumen, deren gefrorenen Äste wie Scherenschnitte sich gegen den stahlblauen Himmel abheben. Es ist ein überwältigendes Gefühl auf dem See lautlos zu gleiten, kein Baum, kein Strauch ist mehr zu sehen, nur eine weite weiße, stille Landschaft. Das Hecheln der Hunde ist das einzige vernehmbare Geräusch. Die Antarktis kann schöner nicht sein!

Wer es gemütlicher liebt, der wende sich an Hans. Der Mann, von Kopf bis Fuß in einem Wolfspelz gehüllt, holt die Gäste mit Per, dem Pferd, zu einer Fahrt mit dem Pferdeschlitten ab. In Decken gehüllt, begleitet von Glockengeläut, geht die Fahrt durch die prächtige Schneelandschaft zum Fageråsen.

Das Motto von Trysil: "Ski-in - Ski-out"

Nach einem aufregenden Tag lädt die Knettsetra-Hütte dienstags und freitags zum Fondue-Essen ein. Mit dem letzten Lift geht es hoch hinauf zu dem historischen Hof von 1790. Bei Kerzenschein wird geschlemmt, bevor es mit Fackeln auf Skiern wieder bergab zu den Hütten geht, die meistens direkt von den Pisten erreichbar sind. "Ski-in - Ski-out" ist das Motto von Trysil. Man steigt morgens vor der Haustür in die Skier und schnallt sie abends dort erst wieder ab - neben der Schneesicherheit ein weiterer Pluspunkt.

Beliebt ist auch die "Early-Morning-Skifahrt". Um sieben Uhr, wenn die meisten Feriengäste noch im Bett liegen, lassen sich die ersten Skifahrer mit dem Sindretekketlift den Berg ins frisch gewalzte Skigebiet hinauf ziehen. Dann geht es auf frischer Piste, ohne auf andere Skifahrer zu achten, im Licht der aufgehenden Sonne hinab ins Tal, wo im Café "Kringla" das Frühstück mit duftendem Kaffee wartet. Während Snowboarder auf Halfpipes ihr Können zeigen, kommen auch die Langläufer in Trysil auf ihre Kosten und zwar auf einer 100 km langen Langlaufloipe durch herrliche Natur. Dabei hilft Skilehrer Olle mit Rat und Tat. Mit einer Engelsgeduld erklärt er selbst den größten Sportmuffeln die Tricks und Freuden des Langlaufs. Der Schwede muss es wissen, denn schließlich ist er regelmäßig Teilnehmer von Vasaloppet, einem berühmten 90 km langen Langlaufrennen.Und selbst mit eigener Prominenz kann Trysil aufwarten. Denn nicht nur der Star des Langlaufs Bjørn Daehlie hat hier sein Feriendomizil, auch Michael Schumacher besitzt in der Nachbarschaft eine Winterresidenz.

Gesine Unverzagt

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