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Stierhatz in Pamplona: Morgens jagen, abends sterben

Horden von Männern rennen durch die Gassen und werden von donnernden Stieren verfolgt. Gelegentlich endet die Suche nach dem Nervenkitzel blutig, und ein Mensch wird von einem Stier aufgespießt.

Zu den "204 Stunden Fiesta nonstop" werden bis zu eine Million Besucher aus aller Welt im nordspanischen Pamplona erwartet. Das ist das Fünffache der Einwohnerzahl der Stadt. Bei der Stierhatz ("encierro") werden von Mittwoch an jeden Morgen je sechs Kampfstiere durch die Gassen der Altstadt bis in die Arena getrieben, wo sie abends von den Toreros getötet werden. Hunderte junge Männer, die "mozos", rennen auf der 825 Meter langen Strecke vor den Tieren her.

Das alljährliche Stierrennen im spanischen Pamplona hat Tradition und ist dank US-Autor Ernest Hemingway international bekannt. Doch in diesem Jahr wird das Fest, das alljährlich vom 6. bis zum 14. Juli stattfindet, von einem geplanten regionalen Stierkampf-Verbot und den Sparkursen der örtlichen Regierungen überschattet. Landesweit ist die Zahl der Stierkämpfe in den vergangenen Jahren gesunken. Gab es 2008 noch 1000 Kämpfe, werden es in diesem Jahr nur noch etwa 800 sein. Grund dafür sind geringere Steuereinnahmen, die örtliche Regierungen dazu veranlassen, die Subventionen für Stierkämpfe in Kleinstädten zu kürzen.

Hemingway widmete dem Stierrennen in Pamplona einen ganzen Roman, "Fiesta" aus dem Jahr 1926. Darin beschrieb er, wie amerikanische und britische Touristen das Festival in Nordspanien ausgiebig zelebrieren, während die Emotionen der Protagonisten hochkochen. Mehr als 80 Jahre später könnte die Stimmung beim diesjährigen Festival gedämpft sein. "Du kannst noch immer ein hochwertiges Hotelzimmer für um die 100 Euro finden, sogar die Hotels der oberen Klasse haben noch freie Zimmer", berichtete Nacho Calvo von der Restaurant- und Hotelgesellschaft der Region Navarra nur wenige Tage vor dem Stierrennen. Dies wäre noch vor vier Jahren undenkbar gewesen.

tib/DPA/APN / DPA
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