Strandsünden Du sollst nicht nerven


Am Strand zeigen sich die Menschen nicht immer von ihrer schönen braungebrannten Seite. Ein italienischer Verbraucherverband prangert nun die schlimmsten Strandsünder an, darunter Schreihälse, Dauertelefonierer und Arschbomber.

Addio sanftes Wellenwogen in Bella Italia: Rap dröhnt aus einem Kofferradio, während ein Beachvolleyball auf das Handtuch rollt und eine "Mamma italiana" ihren über und über mit Sand beschmutzten Sohn anbrüllt. Strandleben auf Italienisch. Wer am Meeresufer Ruhe und Erholung sucht, sollte auf die Malediven oder in die Karibik fahren - nicht nach Rimini, Riccione oder Rocco Camogli.

Zu diesem Schluss ist jetzt auch der italienische Verbraucherschutzverband Codacons gekommen, der sich bei Badegästen umgehört und die häufigsten Beschwerden gesammelt hat. Herausgekommen ist ein Zehn-Punkte-Katalog mit den schlimmsten Vergehen am Strand. Spitzenreiter bei den "Top Ten des schlechten Benehmens": Das Handy.

"Scheinbar können die Italiener nicht mal im Urlaub ohne ihr heiß geliebtes Mobiltelefon leben", schrieben Kommentatoren. "Aber Euer Sonnenschirm-Nachbar, der eigentlich ein Nickerchen machen möchte, ist vielleicht gar nicht interessiert daran, alles über Euer Privatleben zu erfahren." Deshalb der Codacons-Ratschlag: "Schaltet den Klingelton aus und sprecht zumindest leise!"

"Bronzemedaille" für Spritzer

Erfahrene Italien-Urlauber kennen das: Kaum hat man ein kuscheliges Plätzchen im Sand gefunden und den Sonnenschirm aufgespannt, kommt garantiert schon die nächste Großfamilie, die in nicht einmal zehn Zentimeter Entfernung Campingstühle, Handtücher und Kühltasche platziert. Der fehlende Respekt für den persönlichen "Lebensraum" am Strand liegt auf Platz 2 der Rangliste.

Die "Bronzemedaille" geht Codacons zufolge hingegen an die "kalten Spritzer": "Während wir gerade versuchen, uns an die eisige Wassertemperatur zu gewöhnen, kommt schon einer wie ein Bulldozer angerannt, stürzt sich gleich nebenan in die Fluten und macht uns nass." So etwas kann kältescheue Freizeitschwimmer ganz schön in Rage bringen.

Viele gute Ratschläge

Weiter geht es in der Liste: Angefangen bei den langen Wartezeiten an den Strand-Duschen (Platz 4: - "Wenn ihr dreckig seid, dann wascht Euch im Hotel", meint Codacons) über lautstarkes Geschreie und Gezetere auf dem Handtuch (Platz 5) über rücksichtsloses Fußball- und Beachvolley-Spiel am Ufer (Platz 6) und plärrende Radios (Platz 7). Ebenfalls in die "Top Ten" schafften es dröhnende Acquascooter, Umweltverschmutzer, die ihren Müll beim Baden im Meer abladen und lautstarke Verhandlungen mit fliegenden Händlern, die alle fünf Minuten eine falsche Rolex oder eine nachgemachte Gucci-Tasche anpreisen.

Ob die Codacons-Initiative und die vielen guten Ratschläge etwas bringen, ist fraglich. Denn so sind sie nun mal die Italiener: Laut, ausladend und manchmal etwas rücksichtslos - aber vielleicht macht gerade das das wahre Strandleben im Bel Paese aus. Wer Ruhe und Erholung sucht kann ja immer noch auf die Malediven fahren.

Carola Frentzen/DPA DPA

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