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Tourismus in der Krise: Leere Betten befürchtet

Erstmals seit fünf Jahren könnten 2009 weniger Touristen ihre Koffer packen. Ursache ist, so die Welttourismusorganisation, die weltweite Finanzkrise. Den europäischen Reisemarkt trifft es am härtesten. Dabei hat der schon im vergangenen Jahr geschwächelt.

Die globale Wirtschaftskrise trifft jetzt bereits den Tourismus. Im vergangenen Jahr urlaubten weltweit laut Welttourismusorganisation (UNWTO) zwar 924 Millionen Menschen und damit zwei Prozent mehr als 2007. Als Touristen werden in den Statistiken der Organisation nur ausländische Besucher gezählt, die mindestens eine Nacht im jeweiligen Reiseland verbringen. Die inländischen Urlaubsziele seien aber ebenso, wenn nicht noch schwerer, betroffen.

Erster Rückgang seit 2003

Angesichts der wirtschaftlichen Lage und der zeitweisen Rekordölpreise erlebte die Branche aber im zweiten Halbjahr einen Rückgang um einen Prozent. Dabei hatte das Jahr gut angefangen: Fünf Prozent mehr Touristen in den ersten sechs Monaten. "Für 2009 ist bestenfalls eine Stagnation zu erwarten und schlimmstenfalls ein Minus von rund zwei Prozent", sagte der designierte UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai. Dies wäre der erste Rückgang seit 2003.

Von 2004 bis 2007 hatte sich der internationale Tourismus mit jährlichen Zuwächsen der Urlauber-Zahl von durchschnittlich 7 Prozent noch auf einem Rekordniveau bewegt. Anfangs habe der Tourismus der Krise auch besser standgehalten als etwa der Bau- und der Immobiliensektor oder der Automarkt. Inzwischen herrsche aber auch in der Reisebranche eine große Sorge. "Diese Krise ist schlimmer als die vorherige, denn die Unsicherheit über die weitere Entwicklung ist größer", sagte Rifai.

Sitzgurte enger schnallen

Auch der Luftfahrtverband IATA liefert eindeutige Zahlen. 1,6 Prozent weniger Passagiere beförderten die 230 Fluggesellschaften im vergangenen Jahr. Im Dezember zeigten sich die Auswirkungen der Finanzkrise erstmals deultich: 4,6 Prozent Passagiere weniger als im Dezember 2007. Und bereits im November war das Luxussegment eingebrochen. "Die Airlines müssen ihre Sitzgurte festschnallen und sich für einen unruhigen Flug und eine harte Landung rüsten", so Giovanni Bisignani, Vorsitzender der IATA. "Das Jahr 2009 wird eines der schwersten für die weltweite Luftfahrtindustrie", sagt Bisignani. Der Frachtverkehr zeigt es noch deutlicher: 22,6 Prozent weniger im Dezember. Schon jetzt hätten die meisten Airlines Flüge gestrichen.

Europa ist laut UNWTO Worten zusammen mit Amerika eine der weltweit am meisten betroffenen Regionen, weil viele der Länder, aus denen traditionell die Touristen kommen, inzwischen in der Rezession stecken. So kamen im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres drei Prozent weniger Urlauber nach Europa. In Asien ist das Wachstum erheblich gebremst. Nur der Nahe und Mittlere Osten hat in der Krise nichts von seiner Anziehungskraft verloren: Elf Prozent Zuwachs verbuchten Ziele wie Dubai, Ägypten, Indien, Marokko, Jordanien und der Libanon. Auch Länder wie Korea, Honduras und Uruguay konnten ihren Tourismus ausbauen. Als wichtigstes Reiseland gilt nach wie vor Frankreich, gefolgt von Spanien und den USA.

Rifai gab sich zuversichtlich: "Wir werden diese Krise überwinden, denn der Tourismus hat sich als recht widerstandsfähig erwiesen." Die UNWTO erwartet, dass die Lage sich in vier Jahren wieder normalisiert und setzt auf nachhaltigen Tourismus, der klimaneutral ist und nicht nur Touristen, sondern auch die Belange der Einheimischen im Blick hat. Im Jahr 2020 sei dann sogar mit weltweit 1,6 Milliarden Urlaubern zu rechnen.

swd/dpa / DPA
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