Das „EcoClassic Mundpflegeset“ – Zahnbürste, Fünf-Gramm-Zahnpastatube plus Plastikbox – kostet 1,04 Euro im Hotel-Großhandel, Mindestabnahme 100 Sets. Sehr lange wird es diese Amenities nicht mehr geben, wie solche Gaben für die Gäste im Fachjargon genannt werden. Genauso wenig wie Shampoo-Fläschchen im Bad oder die Zahnstocherbriefchen auf den Tischen – zumindest, wenn sie aus (Einweg-)Plastik sind.
Die EU-Verordnung 2025/40 beschert den in den meisten Hotels üblichen Waschgels, Seifen, Nagel- und Rasiersets das Aus. Auch wenn es nicht wenige Gäste geben wird, die die oft hübsch verpackten Kosmetikartikel gar nicht vor Ort nutzen, sondern sie mitnehmen – für alle Fälle.
Kosmetikdöschen müssen bis 2030 aus den Hotelbädern weichen
Bis es aber so weit ist, bleibt noch etwas Zeit. Die „Packaging and Packaging Waste Regulation“ (PPWR) ist EU-weit seit einem Jahr in Kraft und soll ihre volle Wucht nach und nach bis 2030 entfalten. Spätestens dann werden die Minifläschchen aus den Hotelzimmern verschwunden sein.
Ziel der neuen Verpackungsrichtlinie ist, die gigantischen Berge an Plastikmüll zu reduzieren, die anfallen. Allein im weltweiten Hotelgewerbe, so Schätzungen des Branchenverbandes Dehoga, landen täglich mehr als fünf Millionen feste Hotelseifen im Müll – da sind Einwegshampoos und Gesichtscremes noch nicht mitgezählt.
Rechnet man rund zwei bis drei Euro, die die Hygiene-Amenities pro Gast kosten, kommen Tag für Tag ordentliche Summen zusammen. Deswegen bieten auch immer mehr Hotels ihr Haarwaschmittel und Duschgel aus festinstallierten Spendern an. Dass das Gastgewerbe aus Umweltgründen ganz auf Kosmetik auf den Zimmern verzichtet, hält der Hotelverband Dehoga für sehr unwahrscheinlich.
Ab August dieses Jahres ersetzt die PPWR in ganz Europa die bis dahin geltenden nationalen Regelungen. Ab 2030 sind nur noch recyclingfähige Verpackungen erlaubt, außerdem muss Plastik einen Mindestanteil von recyceltem Material enthalten. Bestimmte Kombinationen, etwa kunststoffbeschichtetes Papier oder Mischkunststoffe, dürfen ebenfalls nicht mehr verwendet werden.
Was vielen Restaurants und Imbissen vermutlich nicht gefallen wird: Im Zuge der neuen Verpackungsverordnung wird Mehrweg für viele Anbieter verpflichtend, darunter die Gastronomie, die dann wiederverwendbare Behälter für Essen to go anbieten muss.
Ironischerweise bedeutet das Aus für die Hotel-Shampoos übrigens nicht, dass auch die beliebten Mini-Verpackungen von DM, Rossmann und Co. verschwinden. Nach jetzigem Stand jedenfalls sind nur Fläschchen „für die Nutzung im Beherbergungssektor“ betroffen. Wer also übers Wochenende an die See oder in die Berge fährt, muss erst einmal nicht auf große Kosmetikbeutel umstellen.