Viele Möglichkeiten hat Russland derzeit nicht, sich abseits der Kriegsnachrichten als Kulturnation zu präsentieren. Anfang Mai ergab sich nach langer Zeit eine Gelegenheit, als das Land zur Kunstbiennale in Venedig eingeladen war – unter großem Protest, wie zu erwarten war.
Seitdem die Truppen des Kremls das Nachbarland Ukraine überfallen haben und dort einen harten Abnutzungskrieg führen, sind Russen zumindest im Westen nicht sonderlich willkommen. Und mittlerweile haben sie auch erhebliche Schwierigkeiten, überhaupt dorthin zu kommen. Denn nur noch 30 Staaten werden von Russland direkt angeflogen, wie der Moskauer Reiseveranstalterverband Atorus jetzt bekannt gegeben hat.
Selbst zu Sowjetzeiten gab es mehr Direktflüge
Das ist gerade einmal ein Drittel der Zahl an Direktverbindungen, die es zu Sowjetzeiten gab, als der eiserne Vorhang die Welt noch in Ost und West teilte und rund 90 Staaten angeflogen wurden. Selbst mittelgroße deutsche Flughäfen wie Hamburg oder Düsseldorf steuern mehr Ziele an als das größte Land der Welt.
Schon seit sieben Jahren nimmt die Zahl der Direktverbindungen ab: 2019 steuerte die russische Aeroflot-Gruppe noch Ziele in 57 anderen Staaten an. Drei Jahre später hatte der Angriffskrieg gegen die Ukraine Russland vor allem im Westen vom internationalen Luftverkehr abgeschnitten. Im Sommer 2023 waren noch Verbindungen in 36 Länder übrig.
Zu den 30 Staaten, die per Direktflug von und nach Russland erreichbar sind, gehören unter anderem Ägypten, Aserbaidschan, China, Indien, Iran, Katar, Serbien, Thailand, die Türkei, die Vereinigten Arabischen Emirate und Vietnam. Ebenso wie Abchasien, das völkerrechtlich zu Georgien zählt, faktisch aber eigenständig verwaltet wird und von Russland unterstützt wird.
Warum der russische Flugverkehr ins Abseits gerät
Als Gründe für den Rückgang der Verbindungen nennt der Reiseveranstalterverband Atorus die schwankende Nachfrage, höhere Treibstoffkosten, geopolitische Spannungen und die Lage im Nahen Osten.
Damit nicht genug: Selbst Verbindungen zu Russlands alten Alliierten Kuba und Venezuela sind aus politischen Gründen gestrichen worden. Aus nicht näher erläuterten Gründen ist Algerien vom Flugplan verschwunden. Eine geplante Strecke mit Air Tanzania nach Dar es Salaam war zwar für Ende Mai angekündigt, wurde aber nun auf unbestimmte Zeit verschoben.