Preisbewusste sind es inzwischen gewohnt, für alles Vergleichsportale anzusteuern. Auch für den Urlaubsflug bieten sich jede Menge Portale an, dazu kommen noch Online-Reisebüros. Was hier was ist, ist auf den ersten Blick oft nicht zu erkennen. Und überhaupt hat es so seine Tücken, will man Flüge günstig buchen.
Erstens sind solche Buchungen oft teurer. Und wer später Ärger mit der Airline hat, sein Ticket aber bei einem Reisebüro gekauft hatte, hat für die Reklamation zwei Ansprechpartner – und die schicken Urlauber gerne hin und her, so die Erfahrung von Verbraucherschützern. Drittens – und das ist aktuell besonders relevant – zeigte die Insolvenz von Air Berlin vor neun Jahren, dass Urlauber in vielen Fällen ihr Geld nur dann vollständig zurückbekamen, wenn sie direkt bei der Airline gebucht und per Kreditkarte bezahlt hatten. Nun muss man nicht immer mit dem Schlimmsten rechnen, aktuell aber haben es die Fluggesellschaften schwerer als sonst, denn der Irankrieg ist noch nicht ausgestanden.
Völlig andere Preise für Extras als bei der Airline
Fangen wir mit dem Preis an. Wer in dieser Woche einen Flug auf dem Vergleichsportal Kayak sucht, zwei Wochen im Juli mit Lufthansa-Tochter Eurowings von Berlin nach Heraklion für eine Person mit einem Gepäckstück, bekommt vom Vergleichsportal eine Liste verschiedener Preise ab 443 Euro. Auch Eurowings selbst steht drin, davor aber, fünf Euro billiger: Booking.com. Wenn man dann durch die Buchungsstrecken geht, kann man noch Sitzplätze, weitere Gepäckstücke oder zum Beispiel flexible Umbuchungsoptionen dazuwählen.
Dabei fällt auf: Die Preise auf Booking sind ganz andere als bei Eurowings und zudem ziemlich krumm. Wählt man ein Handgepäckstück dazu und bucht durchschnittliche Sitze, landet man am Ende bei Booking bei 582,64 Euro, bei Eurowings bei nur 541,98 Euro, deutlich billiger. Der Grund ist unter anderem, dass Eurowings, wie viele andere Fluglinien, Rabatte gewährt, wenn man Kombinationen von Zusatzleistungen bucht. Diese sind bei den Reisebüros wie Booking oft nicht anzuwählen.
Auf Kayak poppten zwischendurch Anzeigen von Opodo auf, einem großen Online-Reisebüro. Auch dort lässt sich der Flug suchen. Und wieder: ganz andere Preise für Zusatzleistungen als bei der Fluggesellschaft. Ergebnis: 622,37 Euro. Das ist kurios, denn Opodo gibt eine „Bestpreisgarantie“. Liest man die Bedingungen genau, stellt man fest, dass das nur im Vergleich zu Preisen gilt, die man auf Opodo selbst findet.
Dasselbe Bild zeigt sich bei einer zweiten Testbuchung für dasselbe Urlaubsziel, diesmal hin mit Ryanair und zurück mit Eurowings. Ergebnis über Booking: Bei beiden Airlines kostet der Flug 409 Euro. Über Booking kostet der Flug 13 Euro mehr, und das, obwohl Booking großzügig 8,83 Euro Rabatt gewährt. Das Ergebnis dieser Mini-Stichprobe ist natürlich nicht verallgemeinerbar, aber auch das Verbraucherportal Finanztip weist nach seinen Stichproben seit Jahren immer wieder auf das Problem hin, dass die Online-Reisebüros oft nur auf den ersten Blick auf den Vergleichsportalen günstiger sind als die Fluglinien.
Kerosinmangel könnte den Luftverkehr durchschütteln
Der Preis ist ja nicht das einzige Kriterium. Im Urlaub wünscht man sich schnelle Abhilfe, falls was schiefläuft. Gerade diesen Sommer schwebt über der Urlaubssaison der anhaltende Konflikt zwischen Israel, den USA und dem Iran. Solange die Straße von Hormus blockiert bleibt, droht ein Kerosinmangel. Viele Fluglinien haben bereits vorsorglich Flüge gestrichen, weitere könnten folgen. In einer Analyse der Lage der Airlines für die britische Zeitung „Daily Mail“ stellten Luftfahrtexperten Mitte Mai fest, dass etwa die Fluglinie Wizz Air nur 57 Prozent ihres Kerosinbedarfs bis April 2026 preislich abgesichert hat, Turkish Airlines nur zu etwa 50 Prozent. Da die Fluglinien jetzt teuer Kerosin einkaufen müssen, haben sie entsprechende Verluste zu verkraften. Das gilt abgemildert für alle Airlines. Zudem sind einige besonders stark durch Flugstreichungen im Zusammenhang mit dem Irankrieg betroffen.
Es könnte also deutlich mehr Änderungen und Einschränkungen in diesem Jahr im Flugverkehr geben. Wenn das passiert, ist es für Urlauber viel einfacher zu reagieren, wenn sie direkt bei der Fluggesellschaft gebucht haben. Das Europäische Verbraucherzentrum (EVZ) kann ein Lied davon singen. Das EVZ hilft Urlaubern, die mit Fluglinien oder Reiseportalen mit Sitz im EU-Ausland Ärger haben. „Viele Verbraucher denken, weil sie über das Portal gebucht haben, ist dieses der alleinige Verantwortliche“, berichtet EVZ-Juristin Mareike Boguet. „Die Portale sehen sich aber bezüglich der Buchung als reine Vermittler zwischen Airline und Verbraucher.“
Eigentlich ist klar: Das Portal haftet für Buchungsfehler, die Airline für Annullierungen und Verspätungen. In der Praxis aber läuft es häufig so: „Wenden sich die Verbraucher direkt an die Airline, verweist diese die Verbraucher wieder an das Portal. Denn damit die Fluggesellschaft zum Beispiel den Flugpreis erstattet, muss erst das Portal die Ansprüche bei ihr geltend machen. Dort weist man die Betroffenen jedoch wieder ab, weil die Airline angeblich noch keine Zahlung an das Portal geleistet hat“, sagt Boguet. Selbst wer sich an beide wende, bekomme oft den Hinweis, der andere sei verantwortlich.
Warum die Kreditkarte beim Flüge buchen Vorteile hat
Besonders ärgerlich ist die Situation im Fall einer Insolvenz, wenn die Airline also zahlungsunfähig ist. Wer dann mit der Kreditkarte bei der Airline gebucht hat, kann sein Geld von der Bank der Fluggesellschaft zurückfordern, die ja nicht insolvent ist. Über das Reisebüro ist man darauf angewiesen, dass das erstens aktiv wird – und zweitens auch eine Handhabe gegen die Airline hat.
Natürlich ist es besser, sich auf Vergleichsportalen einen Überblick zu verschaffen, welche Airlines günstige Flüge anbieten – und dann erst bei der Airline zu buchen. Besonders eignen sich dann die, bei denen man schon bei der Suche das Gepäck berücksichtigen kann und bei denen man zur Not einen Filter setzen kann, der dann nur die Airlines zeigt. Sonst kann es mühsam sein, die Airlines zwischen den vielen Reisebüros auch zu finden. Geeignet sind da laut Finanztip Portale wie Kayak, Momondo und Swoodoo.
Natürlich kann man auf den Reiseportalen auch Schnäppchen finden, manchmal auch Flüge, die bei der Airline selbst ausgebucht sind. Man sollte aber stets bei der Fluggesellschaft kontrollieren, ob man auch wirklich ein Schnäppchen erwischt hat.