Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
mein Name ist Eugen Epp, ich bin Redakteur im Team Aktuelles des stern. Hier im Morgenstern löse ich meine Kollegin Alexandra Kraft ab und darf Sie in den nächsten Wochen aus Tokio in den Tag begleiten. Bald dann hoffentlich auch ohne Jetlag …
Mein Flug nach Japan verlief glücklicherweise ohne Probleme. Das ist in diesen Zeiten keine Selbstverständlichkeit mehr. Denn Fernreisen kommen mittlerweile mit jeder Menge Unsicherheitsfaktoren daher. So was ist immer unangenehm – vor allem aber dann, wenn für viele Menschen demnächst der Sommerurlaub ansteht.
Sommerurlaub in Gefahr
Knackpunkt ist natürlich der Irankrieg, der mittlerweile nun auch schon mehr als zehn Wochen andauert. Seit der Iran auf die Angriffe der USA und Israels mit Vergeltungsschlägen gegen US-Verbündete in der Golfregion geantwortet hat, hat sich die Sicherheitslage spürbar verändert. Die Instabilität in der geopolitisch sensiblen Region hatte unter anderem zur Schließung der Flughäfen in Dubai und Abu Dhabi geführt, wichtigen Drehkreuzen im Flugverkehr. Zehntausende Reisende saßen fest, viele Flüge konnten nicht wie geplant stattfinden. Zwar haben die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Luftraum wieder freigegeben, doch Normalität kehrt noch nicht ein. Einige große Airlines bauen ihren Flugrhythmus in die Region wieder auf, doch etwa die Lufthansa hat alle Flüge nach Dubai bis Ende Mai ausgesetzt. Andere Fluggesellschaften wollen sogar noch länger warten.
Und selbst wenn die Verbindungen auf dem Flugplan stehen – ob sie wirklich stattfinden, ist derzeit ebenfalls nicht garantiert. Der Krieg und die Sperrung der Straße von Hormuz haben zu einer weltweiten Energiekrise geführt. Das führt unter anderem dazu, dass der Flugzeugtreibstoff Kerosin knapp und teuer wird. Mitte April warnte der Chef der Internationalen Energieagentur, das Kerosin werde nur noch für wenige Wochen reichen. Ende Mai könnte Europa die Auswirkungen der Knappheit spüren.
Schon jetzt streichen Airlines aus Kostengründen zahlreiche Flüge, 20.000 waren es bei der Lufthansa. Der US-Billigflieger Spirit musste auch wegen der hohen Kerosinpreise den Flugbetrieb einstellen – zahlreiche Passagiere blieben auf ihren Buchungen sitzen. Selbst bei einer baldigen Öffnung der Straße von Hormus würde es laut einer Branchenstudie des Kreditversicherers Allianz Trade drei bis sechs Monate dauern, bis Förderung und Raffinerieauslastung im Mittleren Osten wieder weitgehend normalisiert sind.
Für alle, die jetzt noch buchen möchten, wird es richtig teuer. Die Airline-Gruppe Air France-KLM beispielsweise schlägt bei Langstrecken 100 Euro pro Hin- und Rückflug drauf. Besonders bitter kommt es für Kunden der spanischen Billigfluggesellschaft Volotea. Die erhöht sogar bei schon gebuchten Flügen noch die Preise.
Die Probleme lauern bei der Reiseplanung derzeit also überall. Immerhin haben die Piloten nach den jüngsten Streiks wieder zuverlässig ihre Arbeit aufgenommen, doch ob das von Dauer ist, bleibt fraglich. Der Tarifstreit zwischen Lufthansa und der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit ist noch längst nicht gelöst, weitere Arbeitsniederlegungen im Laufe des Sommers nicht ausgeschlossen.
Vielleicht bietet sich in diesem Jahr also doch eher ein Urlaub in Deutschland oder den Nachbarländern an. Da wären wir dann aber wieder schnell beim derzeit allgegenwärtigen Thema Benzinpreise. Oder man müsste sich auf die Bahn verlassen ...
Wie es zur Prämien-Blamage der Bundesregierung kam
Da hat die Bundesregierung kein gutes Bild abgegeben – wieder einmal, muss man sagen. 1000 Euro steuerfreie Prämie sollte es geben für die Arbeitnehmer, bezahlt allerdings von den Arbeitgebern. Das fanden diese wiederum gar nicht gut, und auch aus den Ländern gab es Kritik. Das Ende vom Lied: Der Bundesrat ließ das Gesetz am Freitag durchfallen.
Die nächste Blamage für die Regierung um Bundeskanzler Friedrich Merz. Unsere Politikredakteure haben rekonstruiert, wie es zu diesem Debakel kommen konnte – und sind auf eine Reihe einfacher, handwerklicher Fehler gestoßen.
5-Minuten-Talk: Schröder als Vermittler?
Gerhard Schröder hält immer noch an seinen Kontakten zu Wladimir Putin fest – mit der Hoffnung, ihn zum Frieden mit der Ukraine bewegen zu können, wie er stets betont. Der russische Präsident wünscht sich den Altkanzler jetzt selbst als Vermittler. Das mag albern sein. Aber der Vorstoß könnte auch eine Gelegenheit sein.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Montag, dem 11. Mai 2026
- Der neugewählte Münchner Stadtrat diskutiert in seiner ersten Sitzung unter anderem verschärfte Sicherheitsmaßnahmen für das Oktoberfest
- In Istanbul beginnt der Prozess gegen den abgesetzten Bürgermeister und Erdogan-Gegner Imamoglu. Ihm wird politische Spionage vorgeworfen.
- Grüne und CDU in Baden-Württemberg unterzeichnen den Koalitionsvertrag
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Die Sucht, starke Muskeln haben zu wollen, heißt Bigorexie. Feuerwehrmann Markus Tinz leidet an dieser Krankheit und wäre beinahe gestorben. Über seinen Weg zurück ins Leben.
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Eugen Epp