Vereinsamung ist ein großes Thema für die ältere Generation. Um den Kontakt zur Familie, Bekannten und Freunden zu halten, ist für diese Menschen vor allem das Telefon von großer Bedeutung. Doch altersbedingte Handicaps wie Sehschwäche, verringertes Fingerspitzengefühl und ein nicht mehr ganz so feines Gehör machen die Nutzung moderner Smartphones mit ihren vielfältigen Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten unangenehm kompliziert. Abhilfe versprechen die Hersteller sogenannter Seniorenhandys: Sie wollen Älteren das Kommunizieren mit kontrastreicher Darstellung, einfachen Menüs und verständlichen Routinen erleichtern. Der stern Kaufkosmos hat fünf gefragte Seniorenhandys ausprobiert. Hier lesen Sie, welche davon besonders gut abschneiden.
Seniorenhandy-Test: Diese Geräte haben wir getestet
Diese Seniorenhandys sind auch einen Klick wert
Folgende Seniorenhandys haben wir nicht selbst getestet. Sie sind uns aber bei der Recherche aufgefallen, und wir möchten sie an dieser Stelle auch kurz vorstellen:
Fazit: Dieses Seniorenhandy überzeugte im Test
Gutes hat seinen Preis, zumindest im Falle der von uns getesteten Seniorenhandys. Denn unser Testsieger, das Emporia Smart.7 lite, ist mit etwa 235 Euro ein Gerät am oberen Ende der untersuchten Preisskala. Dafür haben die Entwickelnden es in allen relevanten Details wohl durchdacht. Das geht schon mit den geduldigen Tutorials bei der Installation los. Die vier anwendungsspezifischen Funktionstasten der cleveren Schutzhülle überzeugen. Über die ausführliche und gedruckte Anleitung freuen wir uns, denn die ist in Zeiten von auf PDFs verlinkenden QR-Codes auf der Verpackung rar geworden. Auf der Soll-Seite notieren wir die wenig ambitionierte Garantie von nur sechs Monaten auf den Akku und das leicht milchige und ungenau beklebte Glas der zusätzlichen Hülle, was etwas billig wirkt. Aber auch so trauen wir diesem Seniorenhandy ohne Weiteres zu, dass Menschen mit altersbedingten Einschränkungen mit ihm gut klarkommen können.
Der Titel des Preis-Leistungs-Siegers geht an das Beafon SL645 LTE. Mit dem günstigsten Preis im Testfeld von rund 55 Euro (variiert recht stark nach Anbieter) bekommen Sie ein Seniorenhandy, das sich schnell und einfach einrichten lässt und mit ein wenig Übung die ältere Generation in die Lage versetzt, Telefonate zu führen. Verschachtelte Menüs und die in die Jahre gekommene Technik dürften aber in den meisten Fällen verhindern, dass Nutzende viele der weiteren Funktionen regelmäßig verwenden.
Alle Details, Eindrücke und Testergebnisse finden Sie in den Einzeltests unter der Tabelle.
Über den Tester
Technik in unserem Alltag ist nur dann gut, wenn sie das Leben leichter macht oder ein konkretes Problem löst. Durch meine beiden Eltern jenseits der 80 Jahre weiß ich ziemlich genau, von welchen Faktoren es abhängt, ob das in gutem Willen verschenkte Mobiltelefon in der untersten Schublade oder in der Jackentasche landet: Ist die Bedienung zu kompliziert oder die Schrift nicht gut zu lesen, hat es keinen Nutzen. Auf genau solche und weitere Punkte achte ich bei der Bewertung der fünf hier vorgestellten Seniorenhandys ganz besonders.
Weitere Informationen über Roland Kontny
Vergleichstabelle: Seniorenhandy-Test
| emporia Smart.7lite | Doro Aurora A30 | emporia Simplicity LTE | beafon SL645 LTE | Gigaset GL795 | Artfone C1+* | SPC Polaris* | Panasonic KX-TU446EX* | Uleway Seniorenhandy* | Sweetlink F1+* | |
| Gesamteindruck (max. 5 Sterne) | ⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ Testsieger | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️⭐️ | ⭐️⭐️⭐️ Preis-Leistungs-Sieger | ⭐️⭐️ | nicht in der Wertung | nicht in der Wertung | nicht in der Wertung | nicht in der Wertung | nicht in der Wertung |
| Abmessungen (ca. in mm) | 147 x 71 x 9 (ohne Hülle) | 170 x 75 x 11 | 125 x 58 x13 | 115 x 60 x 19 | 115 x 56 x 21 | 122 x 59 x 14 | 110 x 55 x 20 | 106 x 53 x 23 | 104 x 54 x 21 | 107 x 53 x21 |
| Gehäuseform | Barren | Barren | Barren | Klapphandy | Klapphandy | Barren | Klapphandy | Klapphandy | Klapphandy | Klapphandy |
| Mobilfunkstandard | 4G | 4G | 4G | 4G | 4G | 4G | 4G | 2G | 2G | 2G |
| Gewicht (g) | 173 | 207 | 90 | 120 | 142 | 98 | 105 | 110 | 104 | 100 |
| Displaygröße / Auflösung (Zoll / Pixel) | 5,45 / 720 x 1440 | 6,1 / 720 x 1560 | 2,0 / 176 x 220 | 2,8 + 1,77 / 320 x 240 + 160 x 128 | 2,8 + 1,7 / 240 x 320 + 128 x 160 | 1,77 Zoll / 320 x 240 | 1,4 und 2,8 / k. A. + 240 x 320 | 2,4 Zoll / 320 x 240 | 2,4 + 1,7 / 320 x 240 + k. A. | 2,4 / k. A. |
| Bedienkonzept | Touchscreen, seitliche Zusatztasten, individuell belegte Tasten i. d. Schutzhülle | Touchscreen, Zusatztasten auf der Front und an der Seite | Telefontastatur, 3 Kurzwahlen, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, 2 Kurzwahlen, Kamera-Taste, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, 2 Kurzwahlen, Taste für Audioboost, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, 3 Kurzwahlen, Kamera-Taste, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, 3 Kurzwahlen, Kamera-Taste, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, 3 Kurzwahlen, seitliche Zusatztasten | Telefontastatur, 3 Kurzwahlen, Kamera-Taste, seitliche Zusatztasten |
| Akku-Kapazität / austauschbar | 3500 mAh / ja, über Kundenservice oder Selbstreparatur | 5000 mAh / ja, über Kundenservice oder Selbstreparatur | 1200 mAh / ja | 1550 mAh / ja | 1400 mAh / ja | 1800 mAh / ja | 1400 mAh / ja | 1400 mAh / ja | 1000 mAh / ja | 1000 mAh / ja |
| Stand-by-Zeit / Gesprächszeit (ca. Tage / ca. Stunden) | 9 / 10 | k. A. | 10 / 4 | 10 / > 3 | 12 / 9 | 10 / k. A. | k. A. / 2,5 | 25 / 5 | 5 / 3-4 | 5 / 4 |
| Notruffunktion | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite | Taste auf der Rückseite |
| Hörgeräte-kompatibel / besonders lauter Klingelton / optisches Anrufsignal | k. A. / ja / auf Bildschirm | ja / ja / ja | ja / ja / ja | k. A. / ja / ja | ja / ja / ja | ja / ja / nein | ja / ja / k. A. | ja / ja / k. A. | k. A. / ja / k. A. | k. A. / ja / k. A. |
| Kamera / Auflösung (Megapixel) | ja, 2 / 13 und 8 | ja, 2 / 5 und 50 | nein / - | ja / 1,3 | ja / 2,0 | - / - | ja / k. A. | ja / 2 | ja / 0,3 | ja / k. A. |
| GPS / Bluetooth / WLAN | ja / ja / ja | ja / ja / ja | - / ja / - | - / ja / - | - / ja / - | - / ja / - | ja / ja / - | - / ja / - | - / k. A. / - | - / k. A. / - |
| Zusatzfunktionen und Zubehör | WLAN-Konnektivität, NFC, Fingerabdrucksensor, Ladeschale, Taschenlampe, Kalender etc. | WLAN-Konnektivität, WLAN, Remote-Zugriff, Taschenlampe, Kalender etc. | Ladeschale, Taschenlampe, Kopfhöreranschluss (3,5 mm Klinke), Wecker etc. | Ladeschale, Radio, Taschenlampe, Kopfhöreranschluss (3,5 mm Klinke), Wecker etc. | Ladeschale, Wecker, Taschenlampe, Lautsprecher | Radio, Taschenlampe, Wecker, Kalender | Kopfhöreranschluss (3,5 mm Klinke), Ladeschale, Radio, Taschenlampe, Freisprechen | Freisprechen, Taschenlampe, Taschenrechner etc. | Ladeschale, Taschenlampe, Radio, Wecker etc. | Ladeschale, 3,5 mm-Kopfhöreranschluss, Radio, Handschlaufe, Wecker etc. |
| gedruckte Anleitung | Umfangreich und gut lesbar | Nur eine Kurzversion; Download als PDF | Umfangreich, gut lesbar | Umfangreich, aber kleine Schrift und Grafiken | Geringer Umfang, winzige Schrift | gedruckt, auch auf Deutsch | Quick Guide | ja | ja, aber "evtl. nicht in deutscher Sprache" | ja |
| Ladekabelanschluss | USB-C | USB-C | USB-C | USB-C | USB-C | USB-C | USB-C | USB-C | k. A. | USB-C |
| Garantie (Jahre) | 2 (Akku: 6 Monate) | 3 (nur mit Registrierung) | 2 (Akku: 6 Monate) | 2 | 2 | k. A. | k. A. | 2 | 1 | 2 |
| Preis (UVP) | 249,99 Euro | 319,99 Euro | 89,99 Euro | 54,99 Euro | 69,99 Euro | 35 Euro | 99,90 Euro | 67,07 Euro | 45,88 Euro | 34,99 Euro |
* Herstellerangabe
So haben wir die Testprodukte ausgewählt
Nach diesen Kriterien haben wir die Produkte für den Seniorenhandy-Test ausgewählt:
- Anleitung: Wir haben darauf geachtet, dass eine explizite Beschreibung des Herstellers beiliegt. Es handelt sich um ein Handy speziell für Senioren, also muss ein Erstnutzer im höheren Alter die Einrichtung stemmen können.
- Ausstattung: Als Mindestanforderung erwarten wir eine vereinfachte Bedienung mit typischen Unterstützungsfunktionen wie großen Tasten, einem lauten Klingelton und einer großen Schrift auf dem Handy.
- Zubehör: Idealerweise sollte jedes Seniorenhandy mit allem Zubehör zum sofortigen Loslegen ausgestattet sein.
- Ruf: Wir haben darauf geachtet, dass der Hersteller einen guten Ruf genießt und das Produkt möglichst gute Rezensionen von Online-Einkäufern kassiert.
- Verfügbarkeit: Das Seniorenhandy sollte einfach zu bekommen und im Angebot von bekannten Onlineshops wie Amazon oder Otto sein.
So haben wir getestet
Wir starten mit dem obligatorischen Blick in die Verpackung und prüfen, ob der Inhalt vollzählig und funktionsfähig ist. Wir bewerten außerdem die verwendeten Materialien, die Verarbeitung sowie das Produktdesign. Als Nächstes bereiten wir die Seniorenhandys für den ersten Anruf vor. Dazu gehört in der Regel insbesondere das Einsetzen von Akku und SIM-Karte. Die Seniorenhandys auf Basis eines Smartphones verlangen außerdem noch weiteres Set-up, ehe wir den ersten Probeanruf tätigen können.
Wir machen uns mit allen Tasten und den über die Hardware gesteuerten Funktionen vertraut und laden die Telefone auf. In die Wertung fließt ein, wie einfach und schnell das alles geht und ob die Bedienungsanleitung im Zweifel unkompliziert weiterhilft. Wir überprüfen außerdem, ob die Seniorenhandys die von den Herstellern versprochenen Stand-by- und Gesprächszeiten einigermaßen erreichen, legen aber wegen der grundsätzlich stark vom Netzempfang und der individuellen Nutzung abhängigen Akkulaufzeit einen eher großzügigen Maßstab an.
Außerdem untersuchen wir die Talente der fünf Seniorenhandys: Sind die verwendeten Schriften und der Kontrast des Bildschirms ausreichend klar und deutlich? Wie intuitiv können wir Kontakte anrufen und speichern, Nachrichten schreiben oder wichtige Einstellungen vornehmen? Eine gute Bedienbarkeit ist der Schwerpunkt in unserer Bewertung. Außerdem werfen wir einen genauen Blick in die Tiefen der Einstellungsmöglichkeiten und unterstützenden Funktionen für ältere Menschen: Wie laut kann das Telefon klingeln, gibt es auch ein Lichtsignal bei einem Anruf oder andere Hilfen, die das mobile Telefonieren erleichtern?
Zu guter Letzt bewerten wir sinnvolle Zusatzfunktionen und deren Bedienbarkeit: Eine Taschenlampe ist fraglos praktisch, doch wenn sie sich irgendwo hinter einem Menüpunkt versteckt, nützt sie letztlich wenig. Wir finden: Gut gemeint reicht nicht, es muss auch gut gemacht sein. Unter diesem Aspekt fließen alle unsere Erkenntnisse in die Gesamtwertung ein.
1. Von vorn bis hinten durchdacht: Emporia Smart.7 lite
Material und Verarbeitung: Das zweitschwerste Seniorenhandy im Test heißt Emporia Smart.7 lite. Es hat ein leicht angerautes schwarzes Gehäuse und einen 5,5 Zoll großen Bildschirm, der sich fast über die gesamte Vorderseite erstreckt. Der österreichische Hersteller legt Wert auf die Entwicklung in Eigenregie und druckt darum „Designed in Europe“ auf der Rückseite zwischen Notrufknopf und der darüber liegenden Kamera. In unserer Wahrnehmung ein absolut hochwertig verarbeitetes Seniorenhandy, das zwar schwer, aber nicht zu schwer ist, gut in der Hand liegt und ganz in Schwarz edel wirkt. Auffällig solide ist außerdem die umfangreiche und gut lesbare gedruckte Anleitung. Das ist sicher für viele ältere Menschen die bevorzugte Lektüre gegenüber einem PDF auf dem Smartphone oder einem Computer.
Ersteinrichtung: Der Akku ist bei Lieferung im Gerät integriert, wir müssen also nur die SIM-Karte auf dem für sie vorgesehenen Platz in einem kleinen Schubfach an der Geräteseite unterbringen. Das dafür nötige Werkzeug, eine Art Nadel mit stumpfer Spitze und kleinem Griff, liegt dem Gerät bei. Mit dem ersten Start des Handys beginnt sogleich der Installationsassistent, uns durch alle nötigen und auf Wunsch auch optionalen Schritte zu führen. Emporia gelingt es unserer Ansicht nach sehr gut, die Vorteile des Android-Systems mit seinen vielen Einstellmöglichkeiten dank der Emporia-spezifischen Benutzerführung auszureizen, ohne den Nutzenden mit unverständlichen Dialogen oder Erklärungen zu piesacken. Es kostet uns etwa 15 nie überfordernde Minuten, ehe wir auf einen großen Button auf dem Bildschirm drücken dürfen, um das Telefon für den regulären Betrieb zu starten. Wichtig: Das Einrichten eines Google-Kontos ist mehr oder weniger unvermeidlich. Sie legen wahlweise ein neues an oder verwenden ein existierendes, das die Seniorin oder der Senior gegebenenfalls bereits nutzt.
Bedienung und Funktionalität: Als einziges Gerät in unserem Test können wir das Telefon mit dem Fingerabdruck entsperren. Das ist natürlich viel komfortabler, als immer einen Code einzugeben oder eine Tastensperre manuell zu entriegeln. Der Sensor ist auf der rechten Geräteseite, sodass unser Daumen fast automatisch darauf aufliegt, wenn wir das Seniorenhandy in der rechten Hand halten.
Als sehr durchdacht empfinden wir die beiliegende Schutzhülle, die noch mehr kann, als das Seniorenhandy vor Kratzern oder Verschmutzungen zu bewahren: Zugeklappt bleibt durch ein in der Vorderseite der magnetisch am Gerät gehaltenen Hülle eingelassenes Fenster etwa ein gutes Drittel des Bildschirms sichtbar. Darunter sind vier kreisrunde, transparente Knöpfe aus weichem Kunststoff eingelassen, die uns abhängig von der gewählten Funktion eine Auswahl von vier Optionen geben:
- Kamera öffnen
- Taschenlampe einschalten
- Gespräch annehmen
- Gespräch ablehnen oder beenden.
Wählen wir die Kamera aus, springen die vier Buttons um auf „Filmen“, „Blitz ein/aus“, „Foto auslösen“ und „auflegen“. Eine gute und zudem gut umgesetzte Idee, um die gerade wichtigsten Funktionen leicht auswählen zu können.
Klappen wir die Vorderseite der Hülle aus Kunstleder auf, springt der Bildschirm sofort in die Volldarstellung. Wir entriegeln mit dem Daumen und sehen das Hauptmenü, das eine große Uhr, auf Wunsch ein Foto sowie Shortcuts zur Telefonfunktion, Nachrichten, Bildern und Geräteinformationen bereithält. Nach einem Wischer nach links zeigt das Handy vier besonders häufig gewählte Kontakte an, ein Wisch nach rechts zeigt weitere Anwendungen, die ebenfalls mit nur einem Fingertipp zu erreichen sind. Alle Menüfelder sind groß und klar beschriftet, der Kontrast ist hoch.
Wegen der Android-Basis als Betriebssystem können Sie auch gewöhnliche Apps installieren und nutzen. Welche Apps bereits auf dem Telefon installiert sind, finden Sie unter dem Menüpunkt „Alle Apps“. Dort finden Sie beispielsweise auch einen Touchscreen-Trainer, mit dem Sie das Tippen, Wischen und weitere Finger-Skills üben können. An dem Klang des Smart.7 lite haben wir nicht viel auszusetzen. Gespräche hören sich ziemlich klar und deutlich an, die Hörerlautstärke können wir ebenso nach Geschmack verändern, wie die des Klingeltons – nötigenfalls ist letzterer auch aus einem anderen Raum zu hören.
Zu bemängeln haben wir nur das etwas milchige Glas in der Hülle, durch das der eigentlich sehr klare Bildschirm etwas schwammig erscheint, und die zu bestimmten Anlässen eingeblendete Tastatur, die recht schmale und nicht immer am gewohnten Ort befindliche Tasten anzeigt. Die Akkulaufzeit hängt zwar stark von der individuellen Nutzung und dem Netzempfang ab, unsere Testmessung aber legt nahe, dass dieses Seniorenhandy mehrere Tage auf Stand-by bleibt, ehe es wieder geladen werden muss. Positiv hervorzuheben ist außerdem, dass der Akku – und gegebenenfalls weitere Bauteile – von einigermaßen geschickten Personen auch selbst getauscht werden können. Eine ausführliche Ableitung stellt Emporia auf der Homepage zur Verfügung. Auf Wunsch übernimmt den Austausch aber auch der Kundendienst.
Zusatzfunktionen: Neben den gängigen Funktionen wie einer Taschenlampe überzeugt das Emporia Smart.7 lite mit einer guten Kamera-Ausstattung, netten Extras wie einer digitalen Lupe, dem Smartphone-Lernprogramm „EmporiaCoach“, der Auswahl zwischen einer einfachen und einer optionsreichen Kamera-App sowie einer Ladestation, in die das Seniorenhandy auch mit angebrachter Hülle passt. Ferner ist ein NFC an Bord, sodass Sie sogar das Bezahlen mit dem Handy einrichten. Die Ausstattung und die Option auf die Installation weiterer Apps aus dem Play Store erfüllen so gut wie jeden Wunsch.
Fazit: Das Emporia Smart.7 lite ist ein Seniorenhandy, das die Bezeichnung fraglos verdient: Die ersten Schritte sind verständlich erklärt, die Gestaltung ist übersichtlich und nicht zu kleinteilig. Dazu kommen nützliche Funktionen und ein dickes Handbuch, das verständlich geschrieben ist. Darum empfinden wir den Preis von 233 Euro (UVP) als angemessen. Die Macher dieses Seniorenhandys haben sich ausführlich damit beschäftigt, wie sie den Einstieg in die Smartphone-Welt für ältere Menschen einfach gestalten, ohne dabei die Vorteile eines Touchscreens und eines richtigen Betriebssystems unter den Teppich zu kehren. Gut gemacht!
2. Es fehlt nur die Ladeschale: Doro Aurora A30
Material und Verarbeitung: Das Doro Aurora A30 ist unserer Ansicht nach sehr gut verarbeitet. Das Kunststoffgehäuse macht einen sehr robusten Eindruck und ist griffig. Die seitlichen und auf der Vorderseite unten befindlichen Taster haben gute Druckpunkte und sind so weit erhaben, dass wir sie gut finden können, aber optisch unauffällig bleiben. Mit knapp über 200 Gramm ist es das Schwergewicht im Test, allerdings ist es auch das eindeutig größte.
Ersteinrichtung: Das Fach für die SIM können wir ohne Werkzeug öffnen und schließen. Optisch nicht sonderlich attraktiv aufbereitet, dafür aber mit hohem Kontrast und klaren Worten, leitet uns der Installationsassistent nach dem ersten Einschalten durch alle anfänglichen Erfordernisse. Als Erstes dürfen wir auswählen, ob wir Smartphone-Neulinge oder -Kenner sind oder ob wir das Gerät für eine Person einrichten. Das Telefon passt den dann folgenden Installationsprozess entsprechend an. Eine sehr hilfreiche Funktion, wie wir finden. Abhängig davon, in welcher Rolle wir uns anmelden, dauert die Installation des Android-basierten Systems von ein paar wenigen Minuten bis zu 30 Minuten, in denen wir aber niemals überfrachtet werden mit Infos oder Aufgaben. Wichtig: Das Einrichten eines Google-Kontos ist mehr oder weniger unvermeidlich.
Bedienung und Funktionalität: Doro verteilt die Funktionen und Apps des Telefons auf mehreren Reitern des Hauptmenüs. Es finden jeweils bis zu sechs Funktionen Platz, sodass jeder dieser Reiter übersichtlich bleibt. Die Positionen der Apps können wir ganz nach unserem Geschmack wählen. Auch innerhalb der einzelnen Funktionen wie Telefon bleiben die Anzeigen dank eines hohen Kontrasts bei den gewählten Farben und Schriftarten sofort und eindeutig zu erkennen. Das hat Doro sehr gut umgesetzt.
Hilfreich sind auch die zusätzlichen Tasten unten (Gespräch annehmen, ablehnen und Hauptmenü) und an den Geräteseiten, mit denen wir die Lautstärke einstellen oder direkt die Kamerafunktion aufrufen können. Das immer wieder eingeblendete Tastaturfeld ist ebenfalls klar gestaltet und einfach zu bedienen. Hier hat das Doro im Test eindeutig die Nase vorn.
Das Aurora A30 gibt uns bei allen Eingaben standardmäßig ein leichtes Vibrieren als taktile Rückmeldung. So ist stets klar, ob wir bereits eine Eingabe gemacht haben. Nicht nur für Anfänger ist das ein wichtiges Feedback, sondern auch beispielsweise bei der Eingabe einer Rufnummer. Der Klang des Doro Aurora A30 ist nicht überragend, aber völlig zweckmäßig. Den Klingelton können wir so laut einstellen, dass es wohl fast jeden aus dem Tiefschlaf reißt.
Nutzen Sie das Telefon nur sporadisch, hält dieses Seniorenhandy mehrere Tage im Stand-by-Modus durch. Das ist für Smartphones nicht unbedingt selbstverständlich. Handwerklich halbwegs begabte Personen können außerdem den Akku und gegebenenfalls weitere Bauteile selbst tauschen. Doro hat dafür auf seiner Homepage eine passende Anleitung parat. Sie können den Tausch aber auch dem Kundendienst überlassen.
Zusatzfunktionen: Die Kamera ist für Schnappschüsse mehr als solide und rückt den Enkel – und alle anderen Motive – dank Shortcut-Taste unten rechts am Gerät schnell ins richtige Licht. An Bord sind außerdem die gängigen Helferlein wie ein Taschenrechner und ein Kalender. Hervorzuheben möchten wir die Möglichkeit, aus der Ferne auf das Gerät zugreifen zu können: Beauftragen Sie also einfach die Enkel damit, den Systemadministrator für Oma und Opa zu spielen und deren Handy so einzurichten, um den digitalen Kontakt zur Familie optimal und einfach zu halten. Dafür setzt Doro die bereits vorinstallierte App TeamViewer ein. Über sie erhält eine Person des Vertrauens direkten Zugriff und kann über ein eigenes Smartphone oder ein Tablet die Steuerung des Seniorenhandys aus der Ferne übernehmen.
Fazit: Doro hat mit dem Aurora A30 ein wohldurchdachtes Seniorenhandy im Programm, das auch Anfänger gut an die Hand nimmt und dank des Android-Betriebssystems die Erweiterung hin bis zu ganz normalen Apps auch den erfahrenen Nutzenden keiner gewünschten Option beraubt. Der Preis ist mit 275 Euro (UVP) nicht unbedingt niedrig, aber wegen der angepassten Hardware und der eigenen Benutzeroberfläche angemessen. Doro verpasst aber die Höchstwertung von fünf Sternen, weil wir finden, dass eine Ladeschale für ein Seniorenhandy ebenso in den Lieferumfang gehört wie eine ausführliche, gedruckte Anleitung. Beides hat Doro aber nur gegen Aufpreis (Ladeschale) und als Download (Anleitung) im Angebot. Technisch haben wir aber nichts Maßgebliches am Doro Aurora A30 auszusetzen.
3. Das große Kleine: Emporia Simplicity LTE
Material und Verarbeitung: Kompakt, griffig und nicht zu leicht: Das Emporia Simplicity LTE liegt gut in unserer Hand, seine beschichtete Oberfläche bietet ordentlichen Grip, die Gestaltung im schwarz-silbernen Gehäuse ist unaufgeregt und wertig. Alle Kanten sind dezent, aber wirkungsvoll abgerundet, die seitlichen Zusatztasten für Menü, Taschenlampe, Wecker (rechts) sowie An/Aus, Tastensperre und Lautstärke (links) hat Emporia in die seitliche Grundlinie des Gehäuses integriert und deutlich erkennbar beschriftet. Unserer Meinung nach ein zweckmäßiges und insgesamt dennoch zurückhaltendes Design. An der Umsetzung, den Materialien und der Verarbeitung gibt es unserer Meinung nach nichts auszusetzen.
Ersteinrichtung: Wie für Handys diese Bauform üblich, müssen wir die eingeklippte Rückwand abnehmen, um SIM-Karte und Akku einsetzen zu können. Für diesen Schritt finden wir an der Oberseite eine Aussparung, in der wir die Rückwand mit dem Fingernagel abhebeln und dann nach unten abziehen können. Das Einlegen der SIM-Karte ist etwas kleinteilig, was aber nicht Emporia, sondern die Größe dieses recht kleinen Bauteils zu verantworten hat. Fummelig ist es aber trotzdem. Dann den Akku drauf und die Rückwand wieder angeklickt – fertig. Die einzelnen Druckpunkte der Rückwand sind etwas schwer zu finden und benötigen mitunter sehr viel Kraft. Aber: das müssen wir ja nur einmal machen. Das Emporia Simplicity LTE ist nach wenigen Handgriffen startklar.
Bedienung und Funktionalität: Wir freuen uns spontan über die echten Knöpfe an beiden Seiten des Seniorenhandys und drücken den Ein-Taster so lange, bis uns das Gerät mit einem kurzen, aber unüberhörbaren Jingle sowie einer kleinen Grafik begrüßt. Die seitlichen Tasten sind deutlich beschriftet, wir haben keine Fragen zu deren Funktion. Das ist in dieser Produktkategorie vorbildlich. Auch die übrigen Bedienelemente sagen uns zu. Das Tastenfeld ist ebenso eindeutig, der Bildschirm liefert einen guten Kontrast.
Das Entsperren der Tastatur mit dem zugehörigen seitlichen Knopf zaubert nach etwa zwei Sekunden eine kleine Melodie hervor. Versuchen wir uns an der Bedienung bei gesperrter Tastatur, zeigt uns das Gerät mit einer unmissverständlichen Grafik an, dass die Sperre noch aktiv ist und wie wir das ändern können. Hier kann sich niemand verlaufen.
Die Eingabe von Kontakten, das Abrufen von entgangenen Anrufen und die Auswahl anderer Funktionen gestalten sich unserer Meinung nach so gut, wie es die technische Grundlage zulässt: Längere Menüpunktbezeichnungen scrollen von rechts nach links durchs Bild, das geht bei einem kleinen Bildschirm nicht anders. Vor allem dann nicht, wenn die Schrift größer als gewöhnlich ist. Die Mehrfachbelegung der Tasten im Ziffernfeld verlangsamt das Eingeben von Text wie Namen oder einer ganzen Nachricht und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Eingabefehlern. Das dürfte einigen Nutzenden wenig Spaß machen.
Emporia verzichtet auf ein Übersichtsmenü und zeigt stattdessen in der ersten Ebene immer nur einen der Menüpunkte an. Durch Drücken der Hoch-Runter-Wippe unterhalb des Bildschirms gelangen wir nach und nach zu allen Optionen. Die Schrift bleibt dabei stets groß und kontrastreich. Wir sind insgesamt mit den von Emporia getroffenen Entscheidungen zur Lesbarkeit und Einfachheit der Bedienung des Simplicity LTE zufrieden.
Auch am Klang des Lautsprechers haben wir wenig auszusetzen. Sowohl die Klingeltöne als auch den Lautsprecher stellen wir auf Wunsch recht laut ein und ermöglichen so ein Gespräch in gewohnter Mobilfunkqualität: nicht überragend, aber zweckmäßig.
Zusatzfunktionen: Eine Taschenlampe auf Knopfdruck sollte in keinem Seniorenhandy fehlen. Auch gehört eine Ladestation, die das Einstecken und Abziehen des Ladekabels direkt am Telefon überflüssig macht, unserer Meinung nach zum Standard-Lieferumfang eines Seniorenhandys. Emporia denkt in diesen beiden Punkten genau wie wir, sehr schön. Wir gucken noch etwas tiefer in die Menüs: Das eingebaute FM-Radio ist zwar technisch simpel, aber funktional. Allerdings ist es nur durch Wandern im Menü zu finden, außerdem muss dafür ein Kopfhörer angeschlossen sein. Das geht sowohl über Bluetooth als auch über den klassischen 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss auf der Unterseite neben der Ladebuchse. Die Funktionen „Geburtstagserinnerung“, „Kalender“ und „Rechner“ können ebenfalls nützliche Helfer im Alltag sein. Aber auch sie verstecken sich hinter dem Menüpunkt „Werkzeuge“. Der Kalender stellt einen Monat auf dem kleinen Bildschirm dar. Das finden wir arg kleinteilig und dürfte Menschen mit eingeschränkter Sehkraft weiterhin zum gedruckten Kalender greifen lassen.
Fazit: An der Bedienbarkeit, dem Gesamtumfang, der Auswahl von Zusatzfunktionen und den praktischen Zusatztasten erkennen wir, dass sich die Entwickelnden im Hause Emporia genau die richtigen Gedanken gemacht und vieles weggelassen haben, das auch wirklich verzichtbar oder zu kompliziert ist. Die Stand-by-Zeit bleibt mit rund drei Tagen klar unterhalb der Herstellerangabe. Kein richtig starker Wert, der aber für die Praxis in unseren Augen als noch ausreichend durchgeht, zumal das Telefon ohnehin seinen gewöhnlichen Platz in der Ladestation haben wird. Wir finden das Gerät rundum gelungen – inklusive der umfangreichen, nicht zu klein gedruckten und gut erklärenden Anleitung. Emporia löst viele Versprechen ein, die sinnvollerweise in Zusammenhang mit altersbedingten Einschränkungen eingehalten werden sollten. Wegen der fehlenden Internet-Konnektivität ist der Funktionsumfang aber starr und nicht ausbaufähig. Sollten Sie das ohnehin nicht brauchen, finden Sie hier einen schönen Begleiter für den Alltag im Alter. Einziger echter Wermutstropfen sind die nur sechs Monate Garantie auf den Akku.
4. Der Grundversorger: Beafon SL645 LTE
Material und Verarbeitung: Die schwarze, samtige Oberfläche ist gerahmt von silbernem Kunststoff – das Klapphandy Beafon SL645 LTE ist recht hübsch anzusehen und rastet in seiner vollen Streckung deutlich und stabil ein, das Scharnier ist einigermaßen unauffällig im oberen Teil des Gehäuses integriert. Von der Seite ergibt sich ein durchlaufender Schwung. An der Optik gibt es unserer Meinung nach nicht wirklich etwas auszusetzen. Der für das Gehäuse verwendete Kunststoff macht auf uns einen soliden, aber eher zweckmäßigen als hochwertigen Eindruck. Mit einer zugegeben ungeschickten Bewegung schrammen wir mit dem Telefon entlang einer Kante und stellen fest, dass die Kunststoffscheibe über dem äußeren Bildschirm nicht sonderlich kratzfest ist. Aus anderen Tests wissen wir um die nicht immer unbeschränkte Lebensdauer von samtigen Oberflächen auf Kunststoffen. Unschöne Flächen mit Abrieb sind hier auf Dauer wahrscheinlich. Die Materialauswahl erscheint uns nicht optimal. Auffällig ist außerdem die etwas unscharfe Darstellung des kleinen Bildschirms auf der Front. Wer eine Sehhilfe nutzt, könnte das Gefühl bekommen, er müsse mal wieder zum Optiker.
Ersteinrichtung: Typisch für diese Bauform müssen wir die Rückseite öffnen. Der Deckel ist mit Clips am Hauptteil des Telefons befestigt, der Schlitz für das Trennen von Rückseite und Gerät ist recht schmal. Akku und SIM-Karte sind – bauartbedingt mit etwas Gefummel – mit etwas Geduld und Geschick gut untergebracht. Nach dem Einschalten begrüßt uns das Betriebssystem mit einer leicht unscharfen Grafik und springt recht schnell auf die klassische Anzeige von Uhrzeit und Netzstärke um. Wir können nach der Eingabe der SIM-PIN sofort telefonieren.
Bedienung und Funktionalität: Unser erster Blick gilt dem Menü. Mit der Hoch-Runter-Wippe schalten wir zwischen den sechs mit kleinen Symbolgrafiken dargestellten Hauptpunkten hin und her, wobei der jeweils ausgewählte Punkt noch einmal ganz groß auf der rechten Bildschirmseite erscheint. Das ist ein übersichtlicher Start, der aber ab der darunter liegenden Ebene zu Ende ist. Dort warten die gewöhnlichen Menübezeichnungen, die wegen ihrer Länge und der recht großen Schrift meist durchs Bild laufen wie die Bauchbinde beim Nachrichtensender. Wir können sie darum nur mit Geduld lesen. Außerdem sind den Menüpunkten Ziffern vorangestellt, die sich aber nicht über das Drücken der jeweiligen Ziffer erreichen lassen, sondern nur über die Hoch-Runter-Taster unterhalb des Bildschirms. Schade, denn eine Menü-Kurzwahl wäre für den ein oder anderen Nutzenden sicher eine gute Option gegenüber dem Hangeln mittels Wippe.
Die Eingabe von Kontakten oder gar eine Nachricht über den Ziffernblock und die dahinter versteckten Buchstaben macht genauso viel Spaß wie vor 30 Jahren: nicht so richtig viel. Der Kontrast des Hauptbildschirms ist aber hinreichend gut, ebenso fallen Mikrofon und Lautsprecher bei einem Telefonat nicht negativ auf, ohne dabei zu glänzen. Alle wichtigen Funktionen sind da und lassen sich mit Übung finden und bedienen. Mit rund vier Tagen Stand-by-Zeit sind wir mit der Leistung des Akkus zufrieden.
Zusatzfunktionen: Uns gefällt die seitliche Wippe mit ihren beschrifteten Tastern. Mit ihr können wir die Lautstärke regeln und vor allem die Taschenlampe direkt einschalten. Auch die Kamera schalten wir mit einem extra dafür vorgesehenen Taster im Ziffernblock direkt scharf. Das eingebaute FM-Radio ist etwas leise über den eingebauten Lautsprecher, dafür muss aber kein Kopfhörer über die seitliche 3,5-mm-Klinken-Buchse oder Bluetooth angeschlossen sein. Es ist unter dem Menüpunkt „Multimedia“ zu finden. Den Wecker, einen Kalender sowie die leider nicht sonderlich intuitiv bedienbaren Zusatzangebote „Taschenrechner“, „Notizen“ und „Weltzeituhr“ finden wir unter „Extras“. Sie alle sind gut gemeint, aber in der Praxis wahrscheinlich nur selten benutzt.
Fazit: Telefonieren und erreichbar sein: Ja, geht ganz gut mit dem Beafon. Das Seniorenhandy bietet einige gefällige Details, die das Leben leichter machen, wie etwa die gut erreichbare Taschenlampe oder die Direktwahl für die Kamera. Der Hauptbildschirm ist ausreichend kontrastiert, der vordere dagegen etwas unscharf. Wollen Sie sich selbst oder eine Ihnen nahestehende Person mit einem Seniorenhandy ausstatten, ohne tief in die Tasche greifen zu können oder zu wollen, haben Sie mit dem Beafon SL 645 LTE eine solide Kaufoption.
5. Etwas zu verschachtelt: Gigaset GL795
Material und Verarbeitung: Die gesamte Oberfläche des aus Hartplastik gearbeiteten Gigaset GL795 ist eher glatt. Das bedeutet keine maximale Griffigkeit, vor allem nicht bei feuchten Händen. Das Gehäuse in Anthrazit ist sauber gearbeitet und wohlgeformt, ohne Spitzen oder Kanten. Etwas wuchtig ist der Klappmechanismus an der oberen Kante. Das ginge unserer Auffassung nach auch etwas eleganter. Sowohl der äußere als auch der innenliegende Bildschirm sind hinter poliertem Plexiglas. Das Kunstglas über dem äußeren Bildschirm ist kratzempfindlich. Alles in allem kein Schrott, aber dem ersten Eindruck nach auch kein Gerät für die Ewigkeit.
Ersteinrichtung: Das ist beim Gigaset etwas fummelig. Damit wir SIM-Karte und Akku einsetzen können, entfernen wir zunächst die geklippte Rückwand des Telefons. Dafür gibt es eine kleine Aussparung an der Kante zwischen Rückwand und Gehäuse links unten. Üblicherweise erledigt das der Fingernagel. Allerdings müssen wir diese schmale Stelle erst finden. Das fällt jemandem mit einer Sehbeeinträchtigung sicher nicht leichter. Auch das Einsetzen der SIM in ihren Schlitz verlangt Fingerspitzengefühl, was aber eher den mittlerweile winzigen Abmessungen dieses Kartentyps geschuldet ist. Den Akku klemmen wir ebenso problemlos in seine Position wie den Deckel auf der Rückseite. Ein längerer Druck auf die rote „Auflegen“-Taste schaltet das Gigaset GL795 ein. Datum und Uhrzeit kommen vom Netzbetreiber – wir sind startklar.
Bedienung und Funktionalität: Der obere Teil des Gigaset GL795 rastet nach dem Aufklappen sicher und fest ein. Die Tasten haben einen guten Druckpunkt, der eine klare Rückmeldung gibt, aber nicht zu viel Kraft verlangt. Um eine Nummer direkt anzurufen, geben wir sie einfach ein und drücken den großen grünen Knopf – wie bei einem Telefon alter Schule. Da kann nicht viel schiefgehen. Auch das Menü gefällt uns auf den ersten Blick gut, denn es arbeitet mit großen Icons. Allerdings nur auf der ersten Ebene. Die Menüpunkte der dahinter liegenden Ebenen sind Texte, die zwar groß und kontrastreich dargestellt werden, jedoch wegen ihrer Länge nicht alle vollständig zu sehen sind, sondern stattdessen mit „…“ enden und erst durch Scrollen auftauchen, wenn wir auf den entsprechenden Menüpunkt gehen.
Wegen der etwas angestaubten Menüstruktur empfinden wir die Eingabe einer Kurznachricht als nicht besonders vergnüglich. Gleiches Bild bei einem neuen Kontakt: Diese Funktion bei Auswahl des Kontakt-Menüpunkts gleich ganz oben und darum gut zu finden. Es öffnet sich aber zunächst ein weiteres Menü, das dann abermals „Neu“ anbietet. Erst nach einer erneuten Bestätigung können wir den Kontakt anlegen. Hier und auch beim Verfassen einer Nachricht erfolgt die Eingabe über den Ziffernblock – willkommen zurück in den 90ern, als T9-Texterkennung das Höchste der Handy-Gefühle war. Auch das Einfügen des gewünschten Empfängers verlangt uns Menü-Geschiebe und einige zusätzliche Bestätigungen ab. Es würde uns nicht wundern, sollten Opa oder Oma diese Funktion nur ungern nutzen.
Die gesonderten Tasten für zwei Kurzwahlen A und B sowie das Einschalten des die Lautstärke verstärkenden Audio Boosts während eines Gesprächs finden wir dagegen ebenso praktisch wie die seitliche Wippe für die Lautstärke. Sie fällt allerdings sehr schmal und kaum erhaben aus, sodass sie für ältere Hände etwas schwer zu ertasten sein könnte. Recht gut zu erreichen ist dagegen der Notruf-Knopf auf der Rückseite, der so positioniert ist, dass eigentlich immer der Zeigefinger darauf liegt.
Neben extrem lauten Klingeltönen signalisiert das Gigaset eingehende Anrufe auf Wunsch auch mit der LED auf der Vorderseite des Gehäuses. Letzteres steht zum Laden in einer kleinen Station, sodass kein Kabel-Gefummel beim Aufladen nötig ist. So ist es recht: Kein nerviges Anstecken und Abziehen eines Ladekabels nötig.
Als äußerst hilfreich stufen wir die Kapazität des Akkus ein, der auch noch nach fünf Tagen Stand-by-Zeit Strom liefert und damit auch für hinreichend lange Gespräche taugt. Zusammen mit der praktischen Ladestation dürfte dem Gigaset GL 795 nur in absoluten Ausnahmen der Saft zum Telefonieren ausgehen. Weniger nützlich ist dagegen die dünne, winzig geschriebene und etwas lieblose Anleitung, die einem technisch wenig bewanderten Menschen definitiv nicht immer zu helfen weiß.
Zusatzfunktionen: An Bord des Gigaset GL795 sind noch eine Taschenlampe, eine technisch eher überholte Zwei-Megapixel-Kamera sowie einige weitere Spielereien wie ein Kalender und ein Wecker. Allesamt womöglich gelegentlich mal ganz nette Alltagshelfer, die sich aber im insgesamt komplizierten Menü verstecken und so nur schwer oder zumindest umständlich zu erreichen sind. Allein schon ein Taster exklusiv für die Taschenlampe wäre ein echter Gewinn für den Nutzenden.
Fazit: Mit dem kontrastreichen Hauptbildschirm, dem lauten und optional optischen Anrufsignal sowie den großen Tasten bringt das Gigaset GL795 die wichtigsten Funktionen mit, die es auch entsprechend eingeschränkten Menschen ermöglichen, jemanden anzurufen oder angerufen zu werden. Aber selbst einige dieser sowie viele der weiteren Funktionen sind nur mühsam zu finden. Wir bekommen insgesamt das Gefühl, ein etwas in die Jahre gekommenes Handy in der Hand zu halten, dem der Hersteller mit großer Schrift und SOS-Taster auf der Rückseite einen neuen Zweck einhauchen will. Technisch bietet das Gigaset alle nötigen Funktionen, deren Nutzung aber nicht so richtig Spaß macht.
Seniorenhandy: Die wichtigsten Fragen & Antworten
Wie unterscheiden sich Seniorenhandys von gewöhnlichen Handys?
Mit fortschreitendem Alter nehmen in aller Regel die Sehkraft, das Gehör und die Feinmotorik ab. Um diese potenziellen Nachteile auszugleichen, bietet ein gutes Seniorenhandy eine möglichst einfache Bedienung der Grundfunktionen, eine verstellbare Schriftgröße, einen möglichst hohen Kontrast bei der Anzeige, besonders laute Klingeltöne, eine griffige Oberfläche, deutliche taktile Rückmeldungen der Tasten, Sprachausgabe sowie ein robustes Gehäuse.
Sind Hörgeräte mit Seniorenhandys kompatibel?
Ja, die meisten Hersteller geben an, dass sich ihre Seniorenhandys mit Hörgeräten vertragen. Vertragen heißt in diesem Zusammenhang, dass es zu keinen Rückkopplungen zwischen Hörgerät und dem akustischen System im Handy kommen kann. Das ist aber keine Garantie, dass es bei bestimmten Handy-Hörgerät-Kombinationen und dem jeweiligen Set-up doch zu entsprechenden Problemen kommen kann. Idealerweise halten Sie vor einer Anschaffung eines Seniorenhandys Rücksprache mit Ihrem Hörgeräteakustiker. Der Standard für Kompatibilität heißt HAC und bewertet in den Stufen 1 (mäßig) bis 4 (hervorragend) die akustische (M) und induktive (T) Entkopplung. Finden Sie bei einem Seniorenhandy also die Angabe M4/T4, ist das die höchste Stufe.
Wie funktioniert die Notruffunktion?
Bei den meisten Seniorenhandys befindet sich auf der Rückseite des Geräts ein Taster. Drücken Sie ihn einige Sekunden (die genaue Dauer variiert leicht von Modell zu Modell), ruft das Telefon bis zu fünf Kontakte hintereinander an. Zudem verschickt es eine zuvor festgelegte Kurznachricht an diese Personengruppe. Einige Geräte übermitteln ferner den per GPS ermittelten aktuellen Standort des Telefons an ausgewählte Empfänger.
Wie kann ich ein normales Smartphone zu einem für Senioren umrüsten?
Aktuelle Smartphones bieten eine ganze Reihe von Funktionen, mit denen Sie altersbedingte Nachteile ausgleichen oder ganz allgemein die Bedienung einfacher gestalten können. Dazu gehören insbesondere große Schriften, Farb- und Kontrasteinstellungen, die Lautstärke von Lautsprecher und Klingelton sowie Sprachausgabe. Weitere Funktionen und vereinfachte Bedienung können Sie mit speziellen Apps erzielen, die sich über die eigentliche Benutzeroberfläche legen und für mehr Übersicht und einfache Erreichbarkeit der wichtigsten Funktionen sorgen. Zwei bekannte Vertreter sind Senior Launcher oder Simple Launcher (Android) beziehungsweise Dumb Phone oder Minimalist Launcher (iOS). Ebenfalls eine interessante Alternative können Angebote wie das von Asina sein: Ein Drittanbieter hilft bei der Installation und beim Betrieb eines Smartphones, auf dem eine spezielle Benutzeroberfläche läuft. Je nach gewähltem Abo bieten diese Angebote auch kostenlose Telefonhotlines. Einige Hersteller von Seniorenhandys wie z. B. Doro haben vergleichbare Angebote im Programm.
Hat Stiftung Warentest Seniorenhandys getestet?
Ja, sogar gleich zweimal in den Jahren 2017 und 2021. Beide Downloads sind über den entsprechenden Abschnitt im jüngeren der beiden Tests zu finden. Jeweils 15 Seniorenhandys nahmen sich die Testenden vor, von denen alle bis auf eine einzige Ausnahme ein „gut“ oder „befriedigend“ als Note erhielten. Die Hersteller wussten also bei den wichtigsten Funktionen zu überzeugen.