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Reisen nach Kiruna Trotz Corona-Pandemie: Nordschwedischer Ort will mehr als 2000 Touristen empfangen

Zwei Camper schauen sich im Schnee in Kiruna das Nordlicht (Aurora Borealis) an
Zwei Camper schauen sich im Schnee in Kiruna das Nordlicht (Aurora Borealis) an
© Roberto Moiola/ / Picture Alliance
In diesem Winter zu verreisen ist wegen Corona einerseits sehr schwer und andererseits auch keine gute Idee. Im Norden Schwedens will man dennoch 2200 Touristen aus Belgien beherbergen, um die Tourismusbranche zu unterstützen. Die Bewohner sehen es gelassen.

Wer weiße Weihnachten erleben will, der muss in den Norden reisen. Zum Beispiel in den Norden Schwedens, nach Lannavaara in der Gemeinde Kiruna. Hier kann man auch die berühmten Polarlichter bestaunen. Doch Schweden befindet sich – wie der Rest der Welt auch – in der Corona-Pandemie. Das internationale Reisen ist deutlich erschwert, Experten raten von solchen Reisen ab, warnen sogar davor, um die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen.

Trotz alle dem will man in Lannavaara und Umgebung 2200 Touristinnen und Touristen aus Belgien empfangen und beherbergen. Das berichtet der schwedische öffentlich-rechtliche Fernsehsender SVT. Dreizehn Wochen lang sollen dreizehn Charterflüge die belgischen Besucher in die Region Tornedalen bringen. Sie sollen von Brüssel direkt nach Kiruna fliegen. Mit Bussen gehe es dann weiter in die Unterkünfte. 

Touristen sollen "in einer Blase" leben

Die Gäste sollen für eine Woche bleiben, sagt Johan Väisänen von der Tourismusagentur "Explore the North" dem Sender. Zu den Aktivitäten für die Besucherinnen und Besucher sollen Hundeschlitten- und Schneemobilsafaris gehören. "Sie werden die Anlagen also während ihres Aufenthalts hier nicht verlassen. Sie leben in einer eigenen Blase", so Väisänen. Während der Aufenthalte sollen die Corona-Maßnahmen und Ratschläge der Gesundheitsbehörde eingehalten werden, um eine Ausbreitung des Virus möglichst zu vermeiden.

Die Tourismusbranche im Norden des skandinavischen Landes leidet unter der Corona-Pandemie. Im Vergleich zu einem normalen Jahr sei der Umsatz von Väisänens Unternehmen bisher um 70 bis 80 Prozent gesunken. Die festangestellten Mitarbeiter seien im Frühjahr und Sommer kurzfristig beurlaubt worden, während diejenigen mit befristeter Beschäftigung oder Saisonarbeit hätten abreisen müssen. Laut dem Unternehmer könnten in der Wintersaison weitere 100 Saisonarbeiterinnen und -arbeiter keinen Job bekommen, im schlimmsten Fall müssten Anlagen geschlossen und feste Mitarbeiter entlassen werden.

"Wir haben eine Verantwortung, auch wenn es extrem schwierig ist. Wir sind uns nicht sicher, welche Unterstützung kommen wird. Aber wir können nicht aufgeben. Wir tun es für unsere Mitarbeiter. Wir haben auch viele Tiere. Und wir tun es für unsere Partner und Gäste, dass wir versuchen, offenzubleiben, diese Saison zu überstehen und in eine hellere Zukunft zu gehen", sagte Väisänen. 

Bewohner sehen Touristen nicht kritisch

In Lannavaara selbst sehen nicht alle Bewohnerinnen und Bewohner den Touristenansturm kritisch. "Es ist nur gut, dass sie hier sind, damit sich bei uns im Dorf etwas rührt", sagt eine Anwohnerin. Ein anderer sagt, für ihn sei es auch in Ordnung, sofern die Touristinnen und Touristen nicht ansteckend seien. "Die Unternehmen müssen auch leben", sagt ein weiterer Anwohner. Große Sorgen, dass sich das Coronavirus im Dorf oder in der Region ausbreitet, hat keiner.

Im örtlichen Lebensmittelgeschäft sind die belgischen Winterurlauber wegen des Infektionsrisikos aber nicht willkommen – zumindest nicht während der regulären Öffnungszeiten, sagte Ladenbesitzerin Wandee Thunchangya SVT. Gleiches gelte auch für das Personal in den touristischen Anlagen.

Sowohl Schweden als auch Belgien sind von der Corona-Pandemie hart getroffen. Bislang hat Schweden laut Gesundheitsbehörde mehr als 396.000 Infektionen registriert, mehr als 8200 Menschen sind in dem Zehn-Millionen-Einwohner-Land an den Folgen von Covid-19 gestorben. Besonders jetzt im Winter hat Schweden mit der Pandemie zu kämpfen. In Belgien sind nach Angaben der Johns-Hopkins-Universität in den USA knapp 630.000 Infektionen registriert worden und mehr als 18.800 Menschen verstorben.

Quellen: SVT, Folkhälsomyndigheten, Johns-Hopkins-Universität

rw

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