Die EU-Länder sollten nach Einschätzung von Verteidigungskommissar Andrius Kubilius die Gründung einer gemeinsamen Armee in Betracht ziehen. In einer Rede in Schweden schlug er am Sonntag die Schaffung einer "stehenden europäischen Streitmacht mit 100.000 Soldaten" vor, um den Kontinent im Falle eines Rückzugs der USA zu schützen. Es gehe um die Frage, wie "die 100.000 Mann starke US-Truppe" ersetzt werden könnte, die eine tragende militärische Kraft in Europa sei.
Die USA drängen ihre europäischen Verbündeten dazu, zunehmend Verantwortung für ihre eigene Sicherheit zu übernehmen. Die US-Regierung hat die Möglichkeit ins Spiel gebracht, Truppen aus Europa abzuziehen, um sich auf China zu konzentrieren. "In solchen Zeiten sollten wir uns nicht vor den drängendsten Fragen zu unserer institutionellen Verteidigungsbereitschaft drücken", sagte Kubilius.
Die Nato wird zum fragilen Bündnis
Zweifel an der Haltung von US-Präsident Donald Trump zur Nato und den europäischen Verbündeten lösten zuletzt auch seine Äußerungen zu Grönland aus. Trump droht damit, die rohstoffreiche und geostrategisch wichtige Arktis-Insel, die zu Dänemark gehört, notfalls mit Gewalt zu übernehmen.
Vorschläge zur Schaffung einer gemeinsamen europäischen Armee kursieren schon seit Jahren, sie werden von den jeweiligen Regierungen aber skeptisch beurteilt, da sie nicht gewillt sind, die Kontrolle über ihr Militär abzugeben.