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Spendenaktion der Stiftung stern Unsere Leserinnen und Leser haben 600.000 Euro für die Flutopfer gespendet – diesen Menschen hilft das Geld

Aufräumarbeiten an der Ahr. Im Hintergrund ist das Kloster Calvarienberg zu sehen, das mit Hilfe von Spenden der stern-Leserinnen und -Leser zur Nutzung durch Schulklassen und Kindergärten umgebaut wird
Aufräumarbeiten an der Ahr. Im Hintergrund ist das Kloster Calvarienberg zu sehen, das mit Hilfe von Spenden der stern-Leserinnen und -Leser zur Nutzung durch Schulklassen und Kindergärten umgebaut wird
© Bodo Marks/ / Picture Alliance
Die Not nach der Flutkatastrophe ist groß. Die Hilfsbereitschaft unserer Leserinnen und Leser auch. Sie haben rund 600.000 Euro gespendet. Hier erzählen sie, warum sie die Stiftung stern unterstützen – wir berichten, wohin das Geld fließt.

Mehr als sieben Wochen sind vergangen, seit die Flut den Westen Deutschlands heimgesucht hat; sieben Wochen, in denen gepumpt, gebaggert, gebaut, in denen aufgeräumt und planiert wurde – doch von Normalität sind die Städte und Dörfer an Ahr oder Erft weit entfernt. Allein im Landkreis Ahrweiler wurden mindestens 3000 Häuser beschädigt oder zerstört. Etwa 42.000 Menschen sind von der Flut betroffen – die unsere Hilfe brauchen.

Rund 600.000 Euro haben Sie, liebe Leserinnen und Leser, schon an die Stiftung stern gespendet – eine beeindruckende Summe, ein Zeichen der Solidarität. Dafür sind wir und die Menschen in der Region Ihnen sehr dankbar.

Die Betroffenen in den Hochwassergebieten brauchen Hilfe. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug an vor Ort tätige Organisationen weiter. Hier können Sie spenden.
Die Betroffenen in den Hochwassergebieten brauchen Hilfe. Wir leiten Ihre Spende ohne Abzug an vor Ort tätige Organisationen weiter. Hier können Sie spenden.

Inzwischen hat die Stiftung stern  mehr als 200.000 Euro verteilt. Weitere Ausschüttungen werden gerade geplant. Wichtige Hinweise kommen auch von unseren Reportern, die in den Flutgebieten unterwegs sind und mit Menschen sprechen, die Unterstützung dringend brauchen. Einer von ihnen ist Frank Wirfs – sein Engagement ist typisch für das Anpackende hier. Gleich am Tag nach der Flut machte der 56-Jährige seine private Gulaschkanone wieder fit, kaufte ein – „und abends haben wir die ersten Portionen Spaghetti Bolo verteilt“, erzählt er. Aus dem improvisierten Stand in Ahrweiler ist inzwischen eine etablierte Feldküche geworden, die Helfer und Betroffene versorgt. Täglich geben Frank Wirfs, seine Familie und Freunde zwischen 600 und 1000 Essen raus, der Rekord liegt bei 3000. Das alles finanziert Wirfs zum Teil aus eigener Tasche – auch dank Ihrer Spenden kann er weitermachen, „solange es eben nötig ist“, sagt er.

Unterstützen konnten wir unter anderem bislang auch:

  • den Verein "Die Ahrche", der dabei ist, in Ahrweiler ein Containerdorf zu errichten. Hier erhalten Betroffene medizinische, psychologische oder praktische Hilfe und Essen.
  • zwei Häuser der Sozialtherapeutischen Kinder- und Jugendarbeit e. V. in Wuppertal, deren Keller geflutet wurde. Normalweise werden in den Räumen Kinder und junge Erwachsene in Wohngruppen betreut.
  • den Umbau des Klosters Calvarienberg in Ahrweiler zur Zwischennutzung, unter anderem für betroffene Kindergärten und Schulklassen.
  • die Lebenshilfe Sinzig. Hier starben zwölf Bewohner durch die Flut, das Gebäude ist schwer beschädigt.
  • die DLRG. Deren Helferinnen und Helfer haben viele Leben gerettet. Dabei gingen fünf Rettungsboote in der Ahr verloren, eine DLRG-Station wurde zerstört.

Das sagen unsere Leserinnen und Leser:

Sandra Zoll, Köln

Sandra Zoll
Sandra Zoll aus Köln sprach Kolleginnen und Kollegen im Betrieb an – mehr als 400 Euro kamen zusammen
© Sandra Stein

"Die Katastrophe geschah fast vor unserer Haustür. Ich lebe in Köln und arbeite bei Coca-Cola in der Produktion. Wir haben auch einen Standort in Ahrweiler. Viele Kolleginnen und Kollegen leben in der Eifel. Manche mussten wegen der Flut ihre Wohnungen verlassen. Und viele packten mit an und halfen mit beim großen Aufräumen. Für mich war klar: Auch du musst etwas tun. Ich habe deshalb meine Kollegen persönlich angesprochen und um etwas Geld gebeten. Viele hatten schon an andere Institutionen gespendet, aber netterweise haben sie auch meine kleine Aktion unterstützt. Hier ein Zehner, dort ein Zwanziger. So sind mehr als 400 Euro für die Stiftung stern zusammengekommen. Darüber freue ich mich sehr."

Astrid Trapp*, Hamburg

"Ich bin Jahrgang 1947. Hunger nach dem Krieg – das habe ich noch selbst miterlebt. Aber danach hat mich das Schicksal von schlimmen Schlägen verschont. Dafür bin ich dankbar. Natürlich habe ich Geld gespendet. Den Leuten ging und geht es dreckig. Jetzt schuften sie für ein neues Leben. Das imponiert mir, auch wenn ich selbst nicht, wie viele Freiwillige, mit anpacken kann. Ich müsste jetzt eigentlich auch für die Menschen in Afghanistan oder die Opfer der Erdbebenkatastrophe in Haiti spenden. Manchmal überfordert mich das Elend in der Welt."

Andreas Heß, Emmelshausen

"Unmittelbar nachdem die Flut hereingebrochen war, hielt sich meine Frau im Kloster Maria Laach im Kreis Ahrweiler auf. Sie wollte dort ein paar Tage Abstand zum Trubel des Alltags finden. Das Kloster bot an, Menschen aufzunehmen, denen die Katastrophe das Zuhause genommen hatte. Unter ihnen war eine 86-jährige Frau. Sie wurde nachts von einem Hubschrauber aus dem Dachfenster gerettet, da das Wasser bis weit in den ersten Stock stand. Die Kleidung, die sie trug, stammte aus Spenden. Zu einer anderen Familie haben wir noch Kontakt und freuen uns mit ihr, wenn es in kleinen Schritten aufwärts geht. Wir leben im Hunsrück und sind von Extremwetter bis jetzt verschont worden. Wir haben der Stiftung stern gespendet, weil wir das Geld einer seriösen Organisation geben wollten, die weiß, wer wirklich bedürftig ist. Es gibt bei solchen Unglücken ja leider auch Trittbrettfahrer, denen man nicht vertrauen sollte. Wir hoffen, dass unser Geld ein wenig helfen kann, die Not zu lindern. Wir denken aber auch: Wären die Menschen früher und besser gewarnt worden, wäre ihnen so viel Leid erspart geblieben. Keine Spende bringt den Opfern Freunde oder Verwandte wieder, die sterben mussten."

Esther Rodríguez
Esther Rodríguez: "Ich habe die Hoffnung, dass auch kleine Beträge ankommen und das Leid etwas lindern“

Esther Rodríguez, Melle

"Katastrophen und Unglücksfälle gehen mir nahe. Ich bin da ziemlich sensibel. Es macht mich traurig, dass so viele Menschen wieder bei null beginnen müssen. Ich stamme aus Spanien. Als ich vor acht Jahren nach Deutschland kam, bin ich freundlich aufgenommen worden. Dafür bin ich dankbar. Jetzt wollte ich mich solidarisch zeigen und etwas zurückgeben. Ich bin keine Heldin. Ich habe nicht viel gespendet. Aber mehr konnte ich nicht geben. Ich habe die Hoffnung, dass auch kleine Beträge ankommen und das Leid etwas lindern."

Michael Ecker
Michael Ecker hat für die Flutopfer gespendet

Michael Ecker, Bargfeld

"Die Bilder der Zerstörung taten mir weh. Sie waren für mich schwerer anzusehen als mancher Kriegsbericht aus den Krisenregionen dieser Welt. Einfach, weil das Unglück so nahe war. Ich sah die Spuren der Katastrophe, aber ich konnte das, was passiert war, einfach nicht begreifen. Ich sah auch Aufnahmen aus der Südeifel, wo der Fluss Sauer zu einem reißenden Strom angeschwollen war. Genau dort hatte zehn Jahre lang unser Wohnwagen auf einem Campingplatz gestanden. Alles war überflutet. Unser Wagen wäre weg gewesen. Eine Lappalie verglichen mit dem, was die Menschen dort tatsächlich erleben mussten."

Bernhard und Lukas Eggs
Bernhard und Lukas Eggs wissen aus eigener Erfahrung, was Menschen ein Zuhause bedeutet

Bernhard und Lukas Eggs, Lörrach

"Unsere Firma baut seit mehr als 30 Jahren Häuser. Wir wissen also ziemlich gut, was ein Zuhause für Menschen bedeutet. Wie viele Hoffnungen und Sehnsüchte die Menschen in ihre eigenen vier Wände legen. In der Pandemie hat sich dieses Gefühl noch einmal verstärkt. Das Haus ist ein Schutzraum, etwas, wo man sich sicher fühlt. Umso erschütternder war es für uns, zu erfahren, wie viele Menschen genau diese Räume durch die Flut verloren haben. Es dürfte Zeit brauchen, um all das zu verarbeiten. Vielleicht kann unsere Spende Menschen dabei helfen, den Neustart zu wagen."

Wolfgang Wahlicht, Euskirchen

"Ich lebe in Euskirchen. Meine Familie und ich haben Glück gehabt. Unser Mietshaus blieb trocken. Aber wir haben ein Stück Urvertrauen in die Natur und in die Politik verloren. Ich habe 200 Exemplare des "Flut"-Sonderheftes des stern gekauft und lasse sie als symbolische Geste der Solidarität in der Stadt verteilen. Außerdem habe ich für jedes Druckexemplar des stern einen symbolischen Betrag gespendet. Vielleicht kann ich so auch meine eigene Hilflosigkeit in etwas Sinnvolles verwandeln."

Cover Sonderheft Die Flut
Mit dem Sonderheft ("Die Flut – Chronik einer angekündigten Katastrophe", seit 2. August zum Preis von 6,50 Euro im Handel) sammelt der stern weiter Hilfsgelder, und er engagiert sich finanziell: Für jedes im Handel verkaufte Sonderheft-Exemplar fließt ein Euro über die Stiftung stern an Projekte und ausgewählte Hilfsorganisationen vor Ort, die den Betroffenen direkt helfen. 

Mary Buggert, Gerswalde

"Es ist nicht viel, was ich spenden konnte. Aber mir war es wichtig,überhaupt etwas zu tun. Ich bin selbst Mutter zweier Kinder, und die Vorstellung, dass viele, viele Familien durch die Flut obdachlos wurden, finde ich schwer zu ertragen. Grausam, was da geschehen ist. Mit Geld kann man Gefühle, geliebte Menschen und verlorene Erinnerungen nicht zurückholen. Aber vielleicht wieder etwas aufbauen."

Inge Euringer, Uetze

"Ich war in Tränen aufgelöst, als ich die Bilder sah. Ich dachte an die Menschen. Ihr ganzes Leben: einfach weg. Ihre ganze Vergangenheit: fortgerissen. Das hat mich sehr berührt. Jetzt hoffe ich nur, dass unsere Regierung ihr Versprechen einhält und den Betroffenen wirklich hilft."

*Name von der Redaktion geändert

Erschienen in stern 36/2021

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