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Mobbing in der Schule "Ich kann nicht ändern, wer ich bin"


Caine Smith ist elf Jahre alt. Kein einziger Tag vergeht, an dem er nicht geschlagen und gehänselt wird, weil er zwei Mütter hat, langes Haar trägt. Aber Caine kämpft - für sich und andere Opfer.
Von Katja Reith

Es ist schwerer, wenn es eine größere Gruppe ist ..." Er stockt, kann nicht weiter sprechen. Die Verletzungen, die Caine Smith in den letzten Jahren erleben musste, sind zu groß. Die Demütigungen. Die Schläge. Er reibt seine Finger, starrt auf einen Punkt, irgendwo im Raum. Sein Blick: leer.

Caine ist elf Jahre alt. Er wohnt in Texas, im Staat der Präsidentenfamilie Bush. Sowohl George W. als auch sein Vater starteten hier ihre politischen Karrieren, in dem stark konservativen Land, einer der Hochburgen der Republikaner. In dem kleinen Dorf Haltom City wird Caine von zwei Frauen großgezogen. Was in Metropolen wie New York und San Francisco immer mehr zur Normalität wird, polarisiert im Süden des Landes noch immer. Caine ist eher zierlich, alles andere als ein Draufgänger und trägt längeres Haar. Augenscheinlich ein gefundenes Fressen für seine Mitschüler.

"Sie wollen mich verändern, verändern, wer ich bin", sagt er. "Aber ich kann nicht ändern, wer ich bin." Kein Tag vergeht, an dem er nicht geschlagen und geschubst werde. Ein guter Tag für ihn sei es schon, wenn seine Mitschüler ihn in Ruhe ließen, ihn einfach nicht beachteten.

Caine wünscht sich eine andere, eine bessere Welt

"Ich wünschte, dass ich zaubern könnte. Ich würde die Lippen der Menschen verschließen, die Münder der gemeinen Menschen." Das wird leider ein Wunsch bleiben. Der einzige Ausweg für ihn: Cain flüchtet in eine andere Welt. In die Welt der Videospiele. Dort findet er Sicherheit und Ablenkung. Denn Freunde, denen er sich anvertrauen kann, hat er nicht mehr. Es gab mal ein paar; aber auch die haben sich von ihm abgewendet und auf die Seite der "Starken" gestellt - um sich selbst vor weiteren Drangsalierungen zu retten.

Caine erzählt seine Geschichte auf www.thebullyproject.com. Die amerikanische Website bietet eine Plattform für Kinder und Jugendliche, die Opfer von Mobbing waren oder sind.

Trotz seiner Erfahrungen kämpft Caine weiter um Anerkennung. Er will auch anderen Kindern helfen, die in einer ähnlichen Situation sind und sich nicht trauen, aufzubegehren. Er spricht vor dem Schulleiter und dem Supervisory Board, ruft die Lehrer auf, sich um die meist hilflosen Schüler zu kümmern. "Nicht alle haben das Glück, Unterstützung von ihrer Familie zu bekommen", sagt er; seine Mütter sitzen im Zuschauerraum und unterstützen ihn auf seinem Weg.

Caine Smith ist einer von 13 Millionen amerikanischen Schülern. Weltweit sind es einige viele Millionen mehr. Auch in Deutschland war und ist Mobbing ein Problem, das vor allem in den Schulen auftritt.

Auf der Homepage www.nummergegenkummer.de gibt es Hilfe für betroffene Kinder und Jugendliche. Auch Eltern, die sich Sorgen um ihre Kinder machen, finden auf dieser Seite Rat und Unterstützung.


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