"Der Fernsehfilm der Woche" am Montagabend im ZDF ist gleichzeitig der Auftakt einer neuen Krimireihe, und bereits der Titel "Im Grunde Mord – Blutsbande" (Buch: Stefan Rogall, Regie: Bruno Grass) verrät einiges über sie. Denn nicht nur in den Ermittlungen geht es um familiäre Beziehungen, sondern auch innerhalb des Ermittlergefüges. Kommissarin Paula Schäfer (Hanna Plaß), die in ihre Heimat Detmold am Rande des Teutoburger Waldes zurückkehrt, und Kommissar Leon Schäfer (Jakob Benkhofer) sind Geschwister. Die zuständige Staatsanwältin Britta Everslage (Ann-Kathrin Kramer) ist eine Freundin der Familie.
Ihr erster gemeinsamer Fall führt sie zu einer der Sehenswürdigkeiten der Region: den imposanten Externsteinen. Am Fuß der Felsformation liegt die Leiche von Ole Wellenkamp. Er war in die Tiefe gestürzt, weist jedoch auch eine tödliche Stichverletzung auf. In seinem Auto findet sich Düngemittel, wie es zum Bau von Sprengsätzen verwendet wird. Mit solchen wurde in Bremen ein Anschlag auf einen Journalisten verübt, der einen Zusammenhang mit politisch motivierten Anschlägen in der Gegend um Detmold vermutet. In Verdacht steht eine rechtsextreme Gruppe.
Ihre Ziele richten sich unter anderem gegen Migranten und Abtreibungsbefürworter wie die Gynäkologin Yvonne Hoffmann (Julika Jenkins). Paulas Kontaktperson, bis vor Kurzem offenbar auch privater Natur, Ramir Janssen (Mohamed Achour) weiß zudem: Ziel der Gruppe ist es, "extremen Parteien Zuspruch zu verschaffen, insbesondere wenn gerade Wahlen anstehen". Und das tun sie: Staatsanwältin Everslage und der skrupellose Unternehmer Torsten Brokämper (Bernhard Schir) konkurrieren um das Bürgermeisteramt.
Familien mit Konfliktpotential
Dessen Sohn Matteo, der ihm nichts recht machen kann, verhält sich ebenso verdächtig wie David (David Richter), der den Toten fand, und seine Freundin Annika (Philine Schmölzer), die Tochter der strengen Restaurantbesitzer Jens (Patrick Joswig) und Kerstin Lorenz (Helene Grass). Sie alle scheinen etwas zu verbergen – aber haben sie auch etwas mit dem Mord zu tun? Liegt das Motiv in familiären Konflikten statt in Politik?
Paula und Leon müssen viele Fäden zusammenführen in ihrem ersten gemeinsamen Fall, der durchaus spannend ist, aber bisweilen auch verwirrend angesichts der vielen Figuren und angerissenen Themen. Zugleich nimmt er sich Zeit, die Protagonisten und ihren Hintergrund einzuführen: den dementen Vater, einst Kriminalrat, um den sich Leon kümmerte, während Paula die Heimat mied. Die an Krebs verstorbene Mutter, um die sich ein Geheimnis rankt, das die befreundete Staatsanwältin kennt, den Geschwistern aber nicht verrät – weshalb?
Der Auftaktfilm macht vor allem wegen seiner interessanten Grundkonstellation neugierig und Lust auf mehr. "Genau aus diesen dramatischen Spannungsgefügen der von zwischenmenschlichen Beziehungen motivierten Konflikte und Gewalttaten speist sich die Erzählwelt von 'Im Grunde Mord", sagt auch Produzent Bernd von Fehrn. Eben nicht nur auf Täter-Opfer-Seite, sondern auch bei den Ermittlern. "Und für deren Probleme, Konflikte und auch innerfamiliär bedingten Zipperlein lässt die Erzählung ebenso viel Raum, was ich persönlich sehr mag." Die Zuschauerinnen und Zuschauer sicher ebenso.
"Im Grunde Mord – Blutsbande" – Mo. 20.04. – ZDF: 20.15 Uhr