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Der Euro: Eine heimliche Erfolgsgeschichte

Das ungeliebte Bargeld von über 300 Millionen Menschen hatte wahrlich keinen guten Start, die Mär vom "Teuro" führte rasch zu einer anhaltenden Ernüchterung. Doch Experten sehen das anders: Für sie ist der Euro ein Gewinner.

Es war keine Liebe auf den ersten Blick. Vor genau fünf Jahren machten die Deutschen Bekanntschaft mit dem Euro, der im Portemonnaie die geliebte D-Mark ablöste. Nach der stürmischen Begrüßung setzte rasch Ernüchterung ein: der Euro wird bis heute als "Teuro" verdammt - obwohl er stabiler ist als die Mark. Aus den Reihen der Experten ist die Kritik dagegen weitgehend verstummt. Die große Mehrheit der Ökonomen und Politiker stellt der jungen Währung fünf Jahre nach der Bargeldeinführung am 1. Januar 2002 ein gutes Zeugnis aus. Deutschland hat vom Euro wirtschaftlich profitiert. Dennoch flackern regelmäßig Debatten über ein mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion auf.

Euro war gut für den Handel

"Der Euro ist eine Erfolgsgeschichte", bilanziert der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber. "Der Euro ist eine stabile Währung, er hat den innereuropäischen Handel und das Zusammenwachsen der Finanzmärkte befördert." Die Europäische Zentralbank (EZB) spricht gar von einem historischen Erfolg. Seinen anfänglichen Ruf als "Weichwährung" hat der Euro längst widerlegt. Zwar hat die EZB ihr Inflationsziel von zwei Prozent in allen Jahren seit 1999 knapp verfehlt. Angesichts explodierender Ölpreise und Schocks wie die Terroranschläge von 2001 gelten die Raten aber als Erfolg. In der Euro-Zone sind die Preise seit Jahren stabiler als zu Mark-Zeiten. Grund dafür ist der schärfere Wettbewerb innerhalb des Währungsraums, der die Firmen zu Preisdisziplin zwingt.

Dennoch hält sich das Märchen vom "Teuro", obwohl die Statistik es längst widerlegt hat. Das Statistische Bundesamt kommt nach mehreren Studien seit 2002 zu dem Schluss: "Unser Geld hat durch die Währungsumstellung nicht an Wert verloren." Der scheinbare Widerspruch zur "gefühlten Teuerung" erkläre sich dadurch, dass die Preise vor allem für solche Waren stiegen, die häufig gekauft werden. Reinigungen, Friseure, Restaurants, Hotels und Kinos nutzten die Umstellung für Preisaufschläge bis zu sechs Prozent. Computer, Fernseher und Staubsauger sind dagegen immer günstiger zu haben.

60 Prozent trauern der Mark hinterher

Laut aktuellen Umfragen trauern immer noch 60 Prozent der Deutschen der D-Mark hinterher. Bei Beträgen über 100 Euro rechnen fast drei Viertel der Menschen in die vertraute alte Währung um. Und mehr als 14 Milliarden D-Mark sind laut Bundesbank noch im Umlauf. Der Abschied von der stabilen Mark fiel so schwer, weil sie für den wirtschaftlichen Wiederaufbau nach 1945 stand. Mittlerweise schätzen die Deutschen aber die Vorteile beim Reisen ins Euro-Ausland, wenn der lästige und zum Teil teure Geldtausch entfällt.

Auch nach außen ist der Euro stabil. Die Schwankungen zum US-Dollar sind nicht stärker ausgeprägt als zu D-Mark Zeiten. Anfängliche Befürchtungen kamen auf, als der Euro im Oktober 2000 auf ein Rekordtief von 0,82 Dollar fiel. Doch die Währung hat sich seitdem stabilisiert und liegt heute bei 1,30 Dollar. Als Reservewährung der Zentralbanken stellt der Euro die Mark inzwischen weit in den Schatten. Die Notenbanken der Welt halten heute bereits 25 Prozent ihrer Währungsreserven in Euro - 1999 waren es erst 17 Prozent. Der Euro ist im Gegensatz zur Mark eine Weltwährung; 12 Länder mit 314 Millionen Einwohnern haben ihn eingeführt, Slowenien kommt Anfang 2007 als 13. Nation dazu.

Besonders deutsche Exporte profitieren

Insbesondere die exportstarke deutsche Wirtschaft hat vom Euro profitiert. Grenzüberschreitende Geschäfte wurden einfacher und billiger, was den Außenhandel beflügelte. "Länder wie Italien besitzen heutzutage keine Geheimwaffe mehr, um deutsche Exporte durch die Abwertung der Lira gegenüber der Mark zu verteuern", sagt DekaBank-Volkswirt Andreas Scheuerle. Darunter habe in den 90er Jahren vor allem der deutsche Maschinenbau gelitten.

Doch es gibt Probleme. Die Schere zwischen den Euro-Ländern in punkto Wirtschaftswachstum und Inflation geht auseinander. Die EZB kann aber nur einen einheitlichen Zins für alle Länder setzen, was Unterschiede zu verschärfen droht. Die EU-Kommission sorgt sich daher in einem Bericht um den langfristigen Zusammenhalt der Währungsunion. Französische Politiker attackieren derzeit im Präsidentschaftswahlkampf die Geldpolitik der EZB. "Politiker machen immer wieder den Euro zum Sündenbock für Strukturprobleme der Mitgliedstaaten", sagt Thomas Mayer, Europa-Chefvolkswirt der Deutschen Bank. "Das Wichtigste aber ist ein politischer Wille zum Euro." Experten fordern daher eine Vertiefung der politischen Union.

Marion Trimborn/DPA / DPA