Einzelhandel Neuer Preiskrieg bei Discountern


Seit Ende Mai liefern sich die beiden Discounter Aldi und Lidl mit immer neuen Preissenkungen einen heftigen Kampf um Marktanteile - und die Supermärkte leiden mit.

Gute Nachrichten für Verbraucher: Bei Deutschlands Discountern tobt ein neuer Preiskrieg. Die beiden Platzhirsche Aldi und Lidl liefern sich seit Wochen eine erbitterte Schlacht um Marktanteile. Und die klassischen Supermärkte müssen wohl oder übel - zumindest bei ihren Billigangeboten - mitziehen.

Abwechselnd an der Preisschraube gedreht

Begonnen hatte die Preisschlacht als Aldi im Mai auf einen Schlag die Preise für 30 Produkte senkte, um die Konkurrenten in die Schranken zu weisen. Seitdem drehen die Discounter abwechselnd an der Preisschraube und es gibt nur eine Richtung: nach unten. Mal lockt Lidl in doppelseitigen Zeitungsanzeigen mit der Überschrift "Schon wieder dauerhaft billiger" und reduziert etwa den Preis für Dosenaprikosen um 23 Prozent auf 99 Cent. Dann wieder wirbt Aldi mit dem Slogan "... und weiter geht's! Die große Preissenkung 2004" und verringert den Preis für Tiefkühlhähnchen um 7,5 Prozent auf 1,75 Euro. Auch Konkurrent Norma und die Drogeriemarktkette Schlecker locken mit Preissenkungen.

Der Hintergrund der Preisschlacht ist für den Sprecher des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels, Hubertus Pellengahr, offensichtlich. Nach Jahren mit zweistelligen Wachstumsraten sind die erfolgsverwöhnten deutschen Discounter in diesem Jahr erst einmal an die Grenzen des Wachstums gestoßen. Die Umsätze stagnieren. "Das heizt den Preiswettbewerb unter den Discountern an", meint Pellengahr.

"Das ist absolut verheerend"

Vor allem Aldi habe an Schwung verloren und sehe den Erz-Rivalen Lidl näher rücken, ergänzt der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Lebensmittelhandels, Gerd Härig. Deshalb habe der Marktführer den Rotstift gezückt. Noch drastischer beschreibt ein anderer Branchenkenner die Situation. "Aldi reklamiert die Preisführerschaft für sich. Wer sie herausfordert, riskiert, dass das Imperium zurückschlägt." Das Motto von Aldi sei: "Wir sind die billigsten, die anderen müssen das akzeptieren."

Während die Verbraucher sich freuen können, stöhnen die Supermärkte. Denn auch sie müssen, zumindest bei den Handelsmarken, den Preiskampf mitmachen - oft innerhalb von nur 24 Stunden. Der Kampf der Discount-Giganten dürfte allein den zweitgrößten deutschen Handelskonzern Rewe nach eigenen Angaben in diesem Jahr bis zu 50 Millionen Euro kosten. Doch bleibt dem Handelskonzern keine Wahl. "Wir werden keine Preiskämpfe anzetteln, aber selbstverständlich dafür Sorge tragen, dass unsere Kunden absolut wettbewerbsfähige Preise haben", sagte jüngst der neue Konzernchef, Dieter Berninghaus.

Ende ist nicht in Sicht

Insgesamt dürfte die Preisschlacht den ohnehin gewinnschwachen deutschen Einzelhandel nach Schätzungen Pellengahrs eine Summe im "mittleren dreistelligen Millionenbereich" kosten. "Das ist absolut verheerend", sagt der HDE-Sprecher. Ein Ende des Preiskampfes ist dennoch nicht in Sicht: "Das wird sich fortsetzen, wie eine Spirale, weil die übrigen Unternehmen da mitziehen müssen", meint etwa Härig. Und fügt bitter hinzu: "Es gib nur eine natürliche Grenze: Die Ware zu verschenken."

Erich Reimann, AP AP DPA

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