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Ex-Bankier Heinz Steinhart: Kein Vertrauen in den Bäderkönig

Seine Machenschaften als Privatbankier brachten Heinz Steinhart Anfang der 90er in den Knast. Inzwischen baut er Spaßbäder - und wieder interessieren sich Staatsanwälte für ihn.

Von Kerstin Herrnkind

Es ist die Geschichte einer wohl einzigartigen Karriere. Anfang der 80er Jahre eröffnete der Steuerberater Heinz Steinhart mit 39 in Pforzheim eine Privatbank. Die Presse feierte den Selfmademan – der mit Bauprojekten reich geworden war – damals als "an Dienstjahren jüngsten Privatbankier Deutschlands". Sechs Jahre später, mit 45, sorgte Steinhart wieder für Schlagzeilen. Diesmal als Drahtzieher einer der "größten Betrugsaffären der Nachkriegszeit" (ARD). Die Bankenaufsicht hatte sein Geldinstitut dicht gemacht. 263 Millionen Mark waren futsch.

Etwa 77 Millionen Mark hatte Steinhart von Anlegern gesammelt, angeblich, um mit ihrem Geld Spaßbäder in ganz Deutschland zu bauen. In Wirklichkeit steckte Steinhart die Millionen in sein verzwicktes Firmenimperium. Das Landgericht Mannheim verurteilte Steinhart im April 1990 wegen Untreue und Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Gefängnis. Steinhart schimpft noch heute über das "Schandurteil der Mannheimer Justiz". Er ist längst aus dem Gefängnis entlassen. Und baut nun tatsächlich Spaßbäder, unterstützt mit öffentlichen Zuschüssen, also vom Steuerzahler. Zuschüsse in mindestens zweistelliger Millionenhöhe hat er in den vergangenen Jahren von der öffentlichen Hand für seine Spaßbäder kassiert.

Steinhart gilt in der Branche inzwischen als "Bäderkönig von Deutschland". Zwölf Thermen betreibt die Kristall Bäder AG, deren Aufsichtsratsvorsitzender Steinhart ist, in ganz Deutschland. Dies könnte die Geschichte einer gelungenen Resozialisierung sein. Viele Städte und Gemeinden können sich keine Hallenbäder mehr leisten. Und sind froh, wenn ein privater Investor wie Steinhart, ihre Hallenbäder zu Thermen ausbaut. Gebe es nicht immer mehr Bürgermeister und Kommunalpolitiker, die inzwischen bereuen, dass sie Steinhart eine zweite Chance gegeben haben.

Bürgermeister wie José-Ricardo Castro Riemenschneider aus Fichtelberg bei Bayreuth zum Beispiel. Er hat den Bäderkönig jetzt wegen versuchten Betrugs bei der Staatsanwaltschaft Bayreuth angezeigt. Steinhart ist sich keiner Schuld bewusst. Man dürfe seine Erfolgsgeschichte nicht auf ein paar Thermen reduzieren, bei denen es Probleme gegeben habe, sagt er. Lesen Sie im neuen #link;www.stern.de/magazin;stern#, von der ungewöhnlichen Resozialisierung eines rechtskräftig verurteilen Millionenbetrügers auf Steuerzahlerkosten.