Finanzkrise Was tun, wenn die Bank bankrott ist?


Mit der Weserbank ist nach Ausbruch der Finanzkrise das erste deutsche Kreditinstitut geschlossen worden. Was geschieht in solchen Fällen mit dem Geld der Kunden? Lesen Sie hier, was Sie wissen müssen, wenn Ihre Bank Pleite macht.

Die Nachricht schlug völlig überraschend ein - eine kleine Bremerhavener Privatbank bricht zusammen und zieht die Schlagzeilen auf sich: Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gab Mitte der Woche die Schließung der überschuldeten Weserbank AG bekannt. Kunden, die sich um ihr Geld sorgen, stehen seitdem in Bremerhafen vor verrammelten Türen und müssen feststellen, dass die internationale Bankenkrise vor der Haustür angekommen ist.

Als die britische Hypothekenbank Northern Rock im vergangenen Jahr kriselte, bildeten sich sogar lange Schlangen von Kunden vor den Filialen, die ihr Geld zurückhaben wollen. Das ist bei der nun von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht geschlossenen Bremerhavener Weserbank indes nicht zu befürchten - allein deshalb, weil das Institut mit einer Bilanzsumme von 120,4 Millionen Euro vergleichsweise klein ist. Lesen Sie hier, was Kunden wissen müssen, deren Bank in Zahlungsschwierigkeiten ist.

Komme ich gleich an mein Geld?

Nein. Hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Institut geschlossen, ist ihm der Verkehr mit den Kunden grundsätzlich untersagt. Wer an sein Geld will, muss sich gedulden: Zunächst muss ein Insolvenzverfahren eingeleitet und ein Insolvenzverwalter eingesetzt werden. Erst der entscheidet, wann die Kunden ihr Geld ausgezahlt bekommen.

Sind meine Einlagen geschützt?

Zum Großteil: ja. Gesetzlich abgesichert sind 90 Prozent der Einlagen, maximal jedoch 20.000 Euro. Dazu muss die BaFin aber zunächst offiziell den Entschädigungsfall feststellen. Die restlichen zehn Prozent muss der Kunde selbst tragen.

Bei darüberhinaus gehenden Summen greift bei Privatbanken der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken (BDB). Er sichert Einlagen von 30 Prozent des haftenden Eigenkapitals des betroffenen Geldhauses ab. Im aktuellen Fall Weserbank ergäbe sich daraus laut BDB eine Summe von bis zu 1,832 Mio. Euro je Einleger.

Noch besser ist der Schutz der Sparer bei genossenschaftlichen Banken, die gemeinsam für die komplette Einlagesumme haften. Bei den öffentlich-rechtlichen Sparkassen werden Pleiten grundsätzlich dadurch verhindert, dass Schwesterinstitute mit Zuschüssen und Darlehen zur Hilfe kommen. Reichen sie nicht aus, greift ein Sicherungsfonds der Landesbanken und Girozentralen, um die Pleite abzuwenden.

Was passiert mit meinem Wertpapierdepot?

Ein Wertpapierdepot ist keine Einlage des Kunden, sondern wird von Bank nur für ihn verwahrt. Eine Übertragung des Depots auf ein anderes Institut ist daher kein Problem - zumindest theoretisch. In der Praxis haben sich solche Bankwechseln nach einer Pleite jedoch häufig als problematisch herausgestellt. Zudem ist die Übertragung nach dem Einschreiten der BaFin nur möglich, solange sie nicht als Sicherheit für Forderungen der Bank gegenüber dem Kunden hinterlegt worden sind, also etwa als Sicherheit für einen Kredit.

Was ist mit Krediten, die ich bei der Bank aufgenommen habe?

Wenn ein Darlehen bei einer Bank aufgenommen wurde, hat das Institut dem Kunden gegenüber Ansprüche. Sie bleiben auch bei einer drohenden Pleite und einer Schließung durch die BaFin erhalten. Die Weserbank etwa darf nach Anweisung der Behörde zwar nichts mehr auszahlen, aber noch immer Zahlungen entgegennehmen, die der Tilgung eigener Verbindlichkeiten dienen. Zins und Tilgung müssen die Kunden also weiterhin überweisen. Sie fließen den Gläubigern der betroffenen Bank zu. Die Kreditverträge können vom insolventen Institut möglicherweise auch zur Begleichung eigener Schulden an Dritte weiterveräußert werden - auch dann ändert sich für den Kunden erst einmal nichts.

FTD

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