HOME

Firmenkultur: US-Großkonzerne holen Rentner an die Spitze

Einige US-Großkonzerne haben ihre Rentner aktiviert und an die Spitze der Unternehmen gestellt. Bei der Neubesetzung einiger Chefsessel blieb den in den Startlöchern sitzenden Führungskräften aus der zweiten Reihe nur das Nachsehen.

Einige US-Großkonzerne haben ihre Rentner aktiviert und an die Spitze der Unternehmen gestellt. Als es um die Neubesetzung der Chefsessel ging, blieb den in den Startlöchern sitzenden Führungskräften aus der zweiten Reihe nur das Nachsehen. Beispiele dafür sind Coca-Cola, McDonald's und Boeing. Die altbewährten Kräfte sollen bei den Aktionären für Ruhe sorgen, verunsicherte Mitarbeiter motivieren und die Unternehmen wieder auf Wachstumskurs bringen.

CocaCola reaktivierte Ex-Mitarbeiter

Der weltgrößte Getränkekonzern Coca-Cola hat gerade überraschend E. Nevill Isdell (60) aus dem Ruhestand geholt und hat ihm die Nachfolge von Doug Daft (62) als Konzernchef übertragen. Isdell hatte 1966 bei Coca-Cola begonnen und war seit 2001 Rentner.

Die alte Garde im Coca-Cola-Verwaltungsrat, zu der auch der Multimilliardär und Coca-Cola-Großaktionär Warren Buffett (73) gehört, hatte erstmals in der langen Geschichte des Getränkeherstellers auch außerhalb einem Nachfolger gesucht. Geeignete Fremdmanager waren jedoch nicht für den Job zu gewinnen. Coca-Cola-Präsident Steven Heyer (51), der die Tagesgeschäfte führt, war der einzige firmeninterne Kandidat für die Führungsposition gewesen. Er wurde übergangen.

Wenig Zeit für neuen Kurs

Coca-Cola hat mit Isdell nach Darstellung von Analysten einen der international erfahrenen Getränkefachleute an die Spitze der Gesellschaft geholt. Isdell hat aber im Alter von 60 Jahren nur noch einige Jahre Zeit, um Coca-Cola auf einen stärkeren Wachstumskurs zu bringen, die Gewinne zu stärken und den Aktienkurs dauerhaft in die Höhe zu treiben. Gleichzeitig muss er für seine eigene Nachfolge sorgen.

Boeing-Chef Phil Condit (62) war vor nicht allzu langer Zeit nach der Verwicklung des Luftfahrtriesen in mehrere Skandale zurückgetreten. Nachfolger wurde der 67-jährige ehemalige Boeing-Präsident Harry C. Stonecipher. Boeing hatte unter Kontroversen im Zusammenhang mit der Einstellung einer ehemaligen Beschaffungsbeamtin der US-Luftwaffe und anderen Skandalen gelitten. Stonecipher befand sich seit 2002 im Ruhestand. Er hatte den großen US-Rüstungskonzern McDonnell Douglas geleitet, der 1997 von Boeing übernommen worden war. Stonecipher war dann lange Boeing-Mann Nummer zwei gewesen.

Cantalupo führte McDonald's zum Gewinn

Die weltgrößte Schnellrestaurantkette McDonald's hatte ebenfalls auf einen Rentner und langjährigen Erfolgsmann im eigenen Spitzenmanagement gesetzt. Jim Cantalupo (60) war Anfang 2003 aus dem Ruhestand gekommen und hatte die Firmenspitze übernommen. Er war jedoch vor wenigen Tagen an einem Herzanfall gestorben. Cantalupo hatte das angeschlagene Unternehmen wieder rasch auf Wachstumskurs gebracht. Die Umstellung auf gesündere Gerichte, neue Werbekampagnen und strikte Kostenkontrolle belebten das Geschäft stark und bewirkten einen Höhenflug der McDonald's-Aktien. Sie waren seit dem Amtsantritt Cantalupos bis zu seinem Tod um 71 Prozent in die Höhe geschossen.

Der McDonald's-Verwaltungsrat hatte noch am Todestag Cantalupos Charlie Bell (43) zum Unternehmenschef gemacht. Bell war zuvor für die McDonald's-Tagesgeschäfte zuständig gewesen. McDonald's teilte am Mittwoch mit, dass Bell an Darmkrebs operierte worden sei. Er bleibe auch während seiner wahrscheinlich kurzen Erholungsphase Präsident und Unternehmenschef.

Peter Bauer, dpa / DPA