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Geldalltag: Konto, Karten & Cash

Ihre Bank ist kein Wohltäter, sondern ein knallharter Geschäftspartner. Wie Sie mit simplen Regeln grobe Fehler vermeiden können.

Noch eine blaue oder grüne Kreditkarte gefällig? Ein Jahr ganz umsonst. Oder gleich in Gold. Wegen der vielen Zusatzleistungen. Oder noch schnell ein neues Konto eröffnen? Wegen der Super-Zinsen. Aber nur für Neukunden. Nur für drei Monate. Alltägliche Geldangebote, alltägliche Verführung. Zu schwierig? Zu kompliziert? Es muss für niemanden so bleiben. Im ersten Teil der stern-Serie "1x1 des Geldes" wird gezeigt, wie Fehler im Umgang mit Konten, Karten & Co vermieden werden können.

Regel Nummer 1:

Eine Bank oder Sparkasse ist nicht die Wohlfahrt. Sie will (und muss) Profit machen, wo sie nur kann - und zwar mit dem Geld ihrer Kunden. Alles andere ist Werbe-Säuselei. Andererseits: Für die Kunden ist ein Leben ohne Bankverbindung nicht möglich. Also muss man zusammenkommen zu einem ganz simplen Geschäft, zu Leistung und Gegenleistung. Genau wie beim Autohändler oder Handy-Anbieter.

Deshalb gilt Regel Nummer 2:

Wer sich von Banken und Sparkassen nicht gänzlich übertölpeln lassen will, muss sich ein paar Grundkenntnisse verschaffen.

Zum Beispiel über Konten. In aller Regel benötigt jeder normale Mensch exakt zwei: ein Girokonto, auf das seine regelmäßigen Einnahmen fließen und von dem sämtliche Zahlungen (Überweisungen, Lastschriften oder Einzüge) abgehen. Daneben ein verzinstes Guthabenkonto, also ein Tagesgeld- oder Sparkonto, auf dem Geld gesammelt werden kann.

Wichtig:

Ein Guthabenkonto ist in aller Regel kostenlos, nicht überziehbar, wirft aber Zinsen ab. Ein Girokonto kostet hingegen gewöhnlich Gebühren - manchmal pauschal, manchmal je Kontoaktion, manchmal als Mixtur aus beidem. Manche Girokonten verrechnen Gebühren (Kosten) mit Guthabenzinsen (Ertrag). Wird das Konto überzogen, müssen so genannte Dispo-Zinsen gezahlt werden. Ist ein vorher festgelegter Überziehungsbetrag (Dispo-Kreditrahmen) überschritten, steigen diese Sollzinsen drastisch - auf 17 Prozent und mehr.

Mit zwei Kniffen lassen sich sowohl das Überziehungsrisiko vermindern als auch die Gebühren auf null bringen:

1.

Auf dem verzinsten Konto genauso viel Geld parken, dass der Zinsertrag die pauschale Girokonto-Jahresgebühr deckt. Beispiel: Ein Konto, dass vier Euro monatlich kostet, ist ab einer Parksumme von 1600 Euro zu einem Jahreszins von drei Prozent kostenlos. Ganz nebenbei erkennt man daran eine kundenfreundliche Bank: Sind mehrere tausend Euro nötig, um mit Sparzinsen die Bankgebühren zu neutralisieren, dann sind entweder die Gebühren viel zu hoch oder das Zinsangebot des Hauses zu mickrig. Das wäre bestenfalls dann akzeptabel, wenn der sonstige Service der Bank extrem gut wäre.

Doch das ist zurzeit eher selten der Fall. Versuchen beispielsweise Banken und Sparkassen mit großen Filialnetzen penetrant, ihre Kunden zum Online-Banking zu überreden, und verlangen dennoch Gebühren, handelt es sich schlicht um Abzocke. Denn: Der Online-Modus spart der Bank oder Sparkasse enorme Kosten, das Fehlbuchungsrisiko liegt beim Kunden. Daher gilt: Wenn schon online, dann richtig, sprich bei einer Bank ohne Filialen. Deren Konditionen (Zinsen und Gebühren) sind nämlich in aller Regel wesentlich attraktiver.

2. Viele Rechnungen (Kfz-Steuer, GEZ-Gebühren, Versicherungen usw.) werden jährlich, halbjährlich oder je Quartal fällig. Wer den dafür fälligen Betrag monatlich vom Giro- auf das Guthabenkonto überweist, also "vorspart", schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen ist immer genug Geld da, um die Rechnungen zu bezahlen. Das spart den teuren Dispo-Zins, denn das Girokonto, auf das man zum jeweiligen Stichtag die nötige Summe zurückbucht, rutscht durch große Jahresrechnungen nicht mehr ins Minus. Zum anderen bringen die regelmäßigen Monatsraten Guthabenzinsen. Tipp: Viele Versicherungen (private Haftpflicht, Kfz usw.) werden sogar billiger, wenn man auf Jahreszahlung umstellt. So gewinnt man beim monatlichen Vorsparen nicht nur Zins, sondern verbilligt obendrein die Policen - Angebote von der Versicherung einholen!

Daraus folgt Regel Nummer 3:

Viel Bares im Geldbeutel oder auf einem Konto ohne Zinsen bringt nichts. Im Gegenteil: Es kostet sogar etwas. Zum Schluss schauen Sie doch mal in ihre Geldbörse und zählen Sie ihr Plastikgeld. Zwei Karten sollten Sie haben - mehr nicht. Eine EC-Karte gegen vergleichsweise geringe Ausgabegebühr, die wie Bargeldersatz auf das Girokonto zugreift. Und, je nach persönlichen Umständen, eine Kreditkarte, die in der Regel deutlich mehr kostet als das EC-Pendant, aber eine gängige Zahlungsmöglichkeit beispielsweise bei Internet-Einkäufen, Autovermietern oder auf USA-Reisen verschafft. Alle anderen Kartenverträge können die meisten Verbraucher getrost kündigen. Denn es gilt: Das Geschäft mit Karten macht - anders als beim cleveren Umgang mit zwei Konten - nur das Geldhaus. Der Kunde kauft sich mit dem Plastikgeld lediglich Flexibilität. Und die kostet extra.

Von Frank Donovitz

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