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Geldanlage: Harte Zeiten für Zinsjäger

Die Zinsen sind auf einem Rekord-Tief und sollen nicht vor Anfang 2006 wieder steigen. Eigentlich ein prima Klima für Zinsjäger, doch die attraktiven Angebote sind meist mit Bedingungen verknüpft.

Egal ob Häuslebauer oder Autokäufer: Verbraucher in Deutschland können derzeit von historisch niedrigen Zinsen für ihre Anschaffungen profitieren. Baudarlehen, Raten- und Überziehungskredite sind in den vergangenen Monaten günstiger geworden. Langfristige Hypothekenzinsen liegen mit unter 4 Prozent extrem niedrig. Auch Unternehmen können nach Angaben der Deutschen Bundesbank für Investitionen auf sehr billiges Geld zurückgreifen. Die meisten Experten rechnen damit, dass Zinsen und Renditen bis Jahresende so niedrig bleiben. "Es gibt einen eindeutigen Zinstrend nach unten", sagt Volkswirt Michael Schubert von der Commerzbank.

Banken geben Zinsen nur langsam an Kunden weiter

In der Praxis geben Banken gesunkene Zinsen aber nur teilweise an ihre Kunden weiter: Nach einer Untersuchung der Finanzberatung FMH hat seit der Leitzinssenkung im Sommer 2003 nur die Hälfte der 50 größten deutschen Banken die Zinsen für Dispo-Kredite gesenkt. "Für die Banken besteht einfach keine Notwendigkeit", sagt Finanzberater Max Herbst von FMH. "Der Kunde wechselt nicht die Bank, nur weil er für seinen Dispo-Kredit mehr zahlen muss. Das wissen die Banken." Niedrige Notenbankzinsen nutzten die Institute zum Aufbessern der eigenen Gewinnspanne.

Bei Sparbüchern haben dagegen seit Juni 2003 knapp 70 Prozent der Banken die Anleger nur mit noch niedrigeren Zinsen belohnt. Die größten deutschen Banken verzinsen Spareinlagen derzeit mit durchschnittlich 0,99 Prozent - das ist nur halb so viel wie die Inflationsrate. Falls die EZB 2006 die Leitzinsen erhöht, werden die Banken nach Expertenmeinung aber bald nachziehen. "Die Schelte aus dem Jahr 2003, als die Banken wegen ihres Abwartens an den Pranger gestellt wurden, können sie sich nicht noch mal leisten", sagt Herbst.

Kreditstandards gelockert

Aufatmen können insbesondere Firmen, die noch vor einem Jahr Probleme hatten, an Kredite zu kommen. Einer Bundesbank-Umfrage zufolge haben die deutschen Banken in den vergangenen Monaten ihre Kreditstandards gelockert. Sie gingen nicht mehr übervorsichtig zu Werke und setzten geringere Ansprüche bei der Kreditwürdigkeit an. "Grund dafür ist der zunehmende Wettbewerbsdruck", schreibt die Bundesbank in ihrer Juli-Umfrage. Dennoch sei die Nachfrage gesunken, die Unternehmen investierten zu wenig. Für das dritte Quartal erwartet die Notenbank eine weitere Lockerung der Kreditstandards.

Doch auch Normalverbraucher und Renditejäger können in der aktuellen Niedrigzinsphase so manches Zinsschnäppchen machen. Allerdings wird es immer schwieriger, attraktive Renditen zu erzielen. Das spüren vor allem die Anleger, die ihr Geld auf Tagesgeldkonten angelegt haben. Denn zahlreiche Institute kürzen ihre Zinssätze bei Kurzfristanlagen, wie die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (VZ) jetzt ermittelt hat. "Auch die Anbieter mit überdurchschnittlichen Zinsen reduzieren die Prozente", sagt VZ-Finanzexperte Thomas Bieler.

Tagesgeldzinsen sinken

Den Anfang machte Mitte Juli eine große Direktbank, als sie ihren Zinssatz für Tagesgeld von 2,5 auf 2,25 Prozent reduzierte. "Fast im Gleichschritt haben die Konkurrenten rasch nachgezogen", sagt Bieler. So kappte eine Bank den Zinssatz von 2,6 auf 2,3 Prozent, und auch eine große Autobank hat den Rückwärtsgang eingelegt und zahlt für das Sparbuch bei Online-Kontoführung statt bisher 2,75 jetzt 2,6 Prozent. Dennoch liegen die genannten Angebote deutlich über dem Marktdurchschnitt, und auch in der aktuellen Niedrigzinsphase lohnt sich ein Zinsvergleich.

"Während einige Anbieter oft weniger als ein Prozent Jahreszins zahlen, haben einige Konkurrenten immerhin noch die Zwei vor dem Komma", sagt Bieler. Allerdings gelten dabei immer häufiger Einschränkungen. So zahlt eine Bank ihren 2,6-prozentigen Tagesgeldzins nur ab einer Mindestanlage von 3.000 Euro. Fällt das Guthaben unter diese Grenze, werden nur 0,5 Prozent geboten. Manche Institute bieten zwar attraktive Angebote bis zu fünf Prozent, die gelten aber entweder lediglich für Neukunden oder werden nur bei der gleichzeitigen Eröffnung eines Wertpapierdepots gewährt, das vielfach mehrere Tausend Euro umfassen muss.

Oft an Bedingungen geknüpft

Zahlreiche attraktive Angebote würden bei genauem Hinsehen ihren Reiz verlieren, denn die genauen Konditionen seien oft im Kleingedruckten versteckt, sagt Marion Weitemeier vom Magazin "Finanztest" der Stiftung Warentest. "Grundsätzlich sollten Anleger nur Angebote nutzen, bei denen keine Nebenbedingungen gelten und keine zusätzlichen Kosten anfallen", betont die Expertin.

Die höchsten Renditen gibt es derzeit für Sparangebote ohne Kündigungsmöglichkeit. So bietet ein österreichisches Kreditinstitut für Einmalanlagen mit fünfjähriger Laufzeit vier Prozent Zinsen. Beim besten vorzeitig kündbaren Angebot sind es bei ebenfalls fünfjähriger Anlage 3,5 Prozent. Auch Sparbücher können attraktiv sein und bringen bis zu 2,8 Prozent Zinsen. Allerdings gilt hier meist eine dreimonatige Kündigungsfrist, wenn man über das gesamte Sparguthaben verfügen will. Ansonsten ist üblicherweise eine Abhebung von monatlich 2.000 Euro möglich, ohne dass die Zinsen gekürzt werden. Wer sich Zinsschnäppchen sichern will, der sollte beachten, dass einige Angebote nur online verfügbar sind und es bei der Kontoeröffnung zu Wartezeiten kommen kann. "Kunden haben uns von Problemen berichtet, untersucht haben wir die Verfügbarkeit der Angebote aber nicht", sagt Weitemeier.

Nie mehr als 20.000 Euro pro Bank

Zudem seien die Angebote von Direktbanken für manche Anleger nicht geeignet. Wer einen persönlichen Ansprechpartner brauche, der sei hier an der falschen Adresse. Auch bei der Sicherheit der Anlage gibt es Unterschiede. Während die Anlagen bei inländischen Kreditinstituten nahezu unbegrenzt abgesichert sind, gilt bei niederländischen oder österreichischen Banken eine Obergrenze von 20.000 Euro. "Höhere Summen sollte man pro Person und Bank nicht anlegen", betont Weitemeier.

AP, DPA / AP / DPA