Karten-Notruf Die neue Sperrnummer ist da


Wem Bank- und Kreditkarte abhanden gekommen ist, kann jetzt aufatmen: Mit der leicht zu merkenden Telefonnummer 116 116 geht eine gebührenfreie Sperr-Hotline an den Start. Doch nicht alle Banken sind mit im Boot.
Von Karin Spitra

Das übliche Gedrängel an den üblichen Plätzen, ein kurzer Moment der Unachtsamkeit - und schon kann der kleine persönliche Alptraum eintreten: Langfinger haben einem unbemerkt die Brieftasche entwendet. Zum ganzen Ärger und Zeitaufwand, sich die persönlichen Dokumente wieder besorgen zu müssen, kommt auch noch der Frust über den Verlust von Bargeld und Geldkarten - und die Sorge, ob man die Karten auch schnell genug sperren kann. Immerhin kam es allein im letzten Jahr nach einer Zählung des Bundeskriminalamtes zu knapp 67.500 Missbrauchsfälle bei Bankkarten ohne PIN (36.000 Fälle bei Bankkarten mit PIN) und auch bei Kreditkarten wurden 2004 rund 17.000 missbräuchliche Verwendungen gezählt. Aber welcher Verbraucher weiß schon auf Anhieb, bei welcher Telefonnummer er anrufen muss, um seine Karten rechtzeitig sperren zu lassen?

116 116 startet ohne Privatbanken

Ab dem 1. Juli 2005 müssen sich die meisten Besitzer einer Bank- oder Kreditkarte dafür nur noch eine Telefonnummer merken: die 116 116. Zwar startet der neue Kartennotruf ohne die Privatbanken, doch mit den Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken sind trotzdem große Kundenstämme abgedeckt. Durch die Kundenmacht der beteilgten Geldhäuser können künftig fast drei Viertel der rund 110 Millionen in Deutschland umlaufenden Kredit- und Debitkarten (die früheren ec-Karten) über den neuartigen Service gesperrt werden. Michael Denck, Geschäftsführer der "Sperr-Notruf 116 116 GmbH" bleibt optimistisch: "In weiterer Folge sollen auch alle Privatbanken und Telefonprovider mitmachen." Diesbezügliche Gespräche laufen bereits.

Dencks Service baut darauf auf, dass sich niemand selten gebrauchte Nummern - wie beispielsweise die auch weiter bestehende Sperrnummer 0180 5021021 der Banken - merkt. "Da setzten wir mit unserer 116 116 an," so Denck. "Abgeguckt haben wir uns das bei der Feuerwehr. Man ruft die 112 an und schon ist man versorgt: Eine einprägsame Nummer wählen und dann spreche ich mit einem Menschen, der mir weiter hilft. Dieses Modell haben wir auf die Kartensperrung übertragen." Der neue Sperr-Notruf arbeitet wie eine Telefonvermittlung zu den verschiedenen Karten-Ausgebern.

Auch aus dem Ausland erreichbar

Die Anrufe werden von den Mitarbeitern zweier rund um die Uhr besetzten Callcenter in Wilhelmshaven und Magdeburg entgegengenommen. Danach sollen die Hilfesuchenden hintereinander mit den eigentlichen Sperrstellen verbunden werden. Und mit der National-Vorwahl +49 ist die 116 116 auch aus dem Ausland gebührenfrei erreichbar.

Anfangs wird vom Mitarbeiter am Telefon eine Ist-Analyse gemacht: Was fehlt alles, von welcher Bank ist die Karte? "Meldet jemand den Verlust einer Sparkassen-Karte können wir helfen. Dann nutzen wir die schon bestehende Sperrinstanz und vermitteln den Anrufer weiter," so Denck. "Wo wir aber noch nichts machen können, sind manche Kreditkarten und die Karten der Privatbanken, weil die sich unserem Service noch nicht angeschlossen haben." Verzweifelten Anrufern dieser Institute dürfen Dencks Mitarbeiter nicht einmal deren eigene Sperr-Nummern nennen: "Wir dürfen zwar eine gebührenfreie Sperrvermittlung betreiben, aber keine gebührenfreie telefonisch Weitervermittlung," bedauert Denck.

Auch für Handys und Notebooks denkbar

Der Notruf-Service könnte auch für die Sperrung verschwundener Handy- und Krankenkassenkarten oder Notebooks mit Remote-Access-Funktion verwendet werden - doch noch sind keinerlei Verträge unter Dach und Fach. Wie die wichtigsten Betreiber von Handynetzten halten sich jedoch die meisten Kreditkartenfirmen - bis auf American Express - noch vornehm zurück. "Vorreiter haben es schwer," zeigt Denck Verständnis. "Die wollen sich unseren Betrieb erst anschauen."

Das Sicherheitsdenken vieler Urlauber ließ auch andere Dienstleister in diese Marktlücke stoßen. So gibt es neuerdings bei privaten Anbietern wie der Firma Card Protection Plan (CPP) für Faule auch einen Voll-Service der anderen Art: Kunden hinterlegen die für eine zuverlässige Sperrung aller Karten benötigte Daten in der Firmen-eigenen Datenbank. Im Verlustfall wird mit einem schnellen Anruf von den Firmenmitarbeitern die Sperrung aller dort registrierten Karten veranlasst. So wird sichergestellt, dass im ersten Schock keine Karte vergessen wird. Für die Jahresgebühr von 20 Euro wird für CPP-Kunden aber noch mehr getan: Neben der Sperrung - auch von SIM- und Mitgliedskarten - werden die Ersatzkarten gleich mitgeordert. Kopien von Dokumenten wie Reisepässen, Personalausweisen oder Führerscheinen können nachgeschickt werden. Auch ein Schlüsselservice und Bargeldsoforthilfe gehört zum Paket dazu.

Alternative: Schutzbriefe der Autoclubs

Diese Leistungen decken aber teilweise auch die internationalen Schutzbriefe der Automobilclubs ab. Vor der Urlaubssaison empfiehlt es sich also, die Policen noch einmal sorgfältig durchzulesen. Michael Denck empfindet dies allerdings nicht als Konkurrenz: "Wir wollen in diesem Sektor einen gewissen Dienstleistungskomfort mit initiieren, aber nicht selber mitmachen." Für Denk ist die komplette Angabe aller Daten zu einem bestimmten Zeitpunkt ein Nachteil: "Wenn man nicht die Disziplin aufbringt, dort jede einzelne Änderung bekannt zu geben, hat man eigentlich verloren."


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker