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Kriminalität: Das Geschäft mit den Geld-Taxen

Überall in Deutschland türmen sich Berge von Geld in unauffälligen, aber gut gesicherten Gebäuden. Die knapp 90 Hallen gehören Transportunternehmen, die täglich mit 3000 Spezialfahrzeugen die Banken mit Geld versorgen.

Meist ist es verpackt in Kisten mit Münzen im Wert bis zu 150.000 Euro oder mit gebündelten Euro-Scheinen. Wie viele Millionen genau in den Depots liegen, will niemand verraten. Die insgesamt rund 90 Hallen - oft stehen sie in Industriegebieten - gehören den Transportunternehmen, die täglich mit rund 3000 gepanzerten Spezialfahrzeugen Sparkassen und Banken mit Geld versorgen.

Heros war Marktführer

Nach der Insolvenz des größten deutschen Geldtransporteurs hofft die Branche, dass es bei der Belieferung der Geldinstitute nicht zu Engpässen kommt und Kunden nicht vor leeren Geldautomaten stehen müssen. Immerhin hatte Heros einen Marktanteil von 50 Prozent. "Wir können von jetzt auf gleich einspringen, um die Banken zumindest in unserer Region zu beliefern", sagt der Sicherheitschef eines norddeutschen Transportunternehmens. "Die ersten Kunden, die uns Heros abgejagt hatte, sind schon wieder da."

Ähnlich ist die Situation in anderen Regionen. Die rund 160 Mitgliedsunternehmen der Bundesvereinigung Deutscher Geld- und Wertdienste e. V. (BDGW) fürchten wegen der Betrugsvorwürfe gegen die Heros-Führungsetage zwar um ihr Image. Aber insgeheim reiben sie sich auch die Hände und können nach der Insolvenz des hannoverschen Unternehmens eine klammheimliche Schadenfreude nicht verbergen. Auch weisen sie darauf hin, dass das Unternehmen Heros nie Mitglied des Verbandes gewesen sei.

Pleite wegen Dumpingpreisen?

"Bei den Dumpingpreisen von Heros war vorauszusehen, dass das nicht gut gehen konnte und irgendetwas nicht stimmte", sagt der Sicherheitschef. Nach Aussage des BDGW soll Heros marktübliche Preise um mehr als 50 Prozent unterboten haben. Aber: "Sicherheit hat ihren Preis. Und marktübliche Konditionen machen sich bezahlt", sagt BDGW- Sprecher Alfred Jansen.

Inzwischen wurden bei dem norddeutschen Unternehmen, das seinen Namen nicht veröffentlicht haben möchte, zusätzliche Fahrzeuge in Dienst gestellt und Mitarbeiter aus Tochterunternehmen aktiviert, um den zusätzlichen Bedarf zu decken. "Aber Sicherheit bleibt oberstes Gebot. Wir stellen niemanden ein, der nicht auf seine Zuverlässigkeit überprüft worden ist", sagt der Experte. "Rambos und Revolverhelden haben keine Chance."

Strenge Kontrollen bei der "heißen Ware"

So wie die norddeutsche Firma arbeiten die meisten anderen Transportunternehmen auch. Mit ihren Panzerwagen holen sie das Geld von den Filialen der Bundesbank, den Landeszentralbanken, bringen es meist zur Zwischenlagerung in die Depots und von dort schließlich zu den Banken. Der Einsatz findet überwiegend am Tage statt - zwischen 8 und 16 Uhr. Die Mitarbeiter unterliegen während ihrer Arbeit mit der "heißen Ware" strengen Kontrollen. Die verschiedenen Abteilungen in den Lagerhallen sind sorgfältig voneinander getrennt - die Zählstelle für die Münzen von der Sortierung der Geldscheine ebenso wie der Eingang so genannter "Schlafgelder" aus den Bankfilialen.

"Wir haben flächendeckende Kameraüberwachung und digitale Aufzeichnungsgeräte", sagt der Sicherheitschef. "Mit der Euro-Einführung wurden die Sicherheitsmaßnahmen bei uns noch verbessert. Selbst wer auf dumme Gedanken kommt, hat hier keine Chance, Geld mitgehen zu lassen." Auch während der Transporte ist für Überwachung gesorgt: Per GPS-Satellitennavigation kann jederzeit der Standort des Fahrzeugs ermittelt werden.

Keine Engpässe bei der Geldversorgung

Die Geldtransporteure sind zuversichtlich, dass es wegen Heros nicht zu dramatischen Engpässen bei der Geldversorgung kommen wird. "Unsere Mitgliedsunternehmen sind bereit, ihre gesamten personellen und technischen Kapazitäten bis zur Grenze der Belastbarkeit zur Verfügung zu stellen", betont BDGW-Sprecher Jansen. "Der Verband begrüßt es deshalb, dass die Bundesbank die Öffnungszeiten ihrer Filialen ausweiten will." Dennoch könne nicht ganz ausgeschlossen werden, dass es zu einzelnen Verzögerungen kommen kann. "In der Stadt ist es sicherlich nicht problematisch, während einer Tour einige Bankfilialen mehr zu bedienen. Schwieriger könnte es sein, wenn auf dem Lande zusätzliche Adressen angefahren werden müssen, die weit auseinander liegen", geben die Transporteure zu bedenken. "Allerdings soll Heros auf dem Land angeblich nicht allzu stark tätig gewesen sein."

Wolfgang Duveneck/DPA / DPA