Lebensversicherungen Alles ist anders


Seit dem Wegfall des Steuerprivilegs auf Lebensversicherungen hat sich bei vielen Versicherungsvarianten die steuerliche Bewertung geändert. Wir erklären die wichtigsten Fälle.

Die Spielregeln für Lebensversicherungen haben sich durch die Renten-Reform nachhaltig geändert. Für Verträge, die nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen werden, gibt es das bisher beliebte Steuerprivileg nicht mehr. Die Erträge müssen nunmehr bei der Auszahlung der Versicherungsleistung versteuert werden.

Rentenbeginn entscheidend

Wird die angesparte Versicherungsleistung als lebenslange Rente ausgezahlt, muss der Ertragsanteil versteuert werden. Wie hoch dieser Anteil ist, richtet sich nach dem Alter bei Rentenbeginn. Wer mit 65 Jahren seine Privatrente bekommt, zahlt nur auf 18 Prozent der Rente Steuern. Mit 60 Jahren liegt der Satz bei 22 Prozent.

Wird der Betrag auf einmal bei Vertragsende oder bei Kündigung ausgezahlt, muss der so genannte Unterschiedsbetrag versteuert werden. Das ist die Differenz aus der ausgezahlten Leistung und der Summe der eingezahlten Beiträge. Erfolgt die Auszahlung der Versicherungsleistung erst nach dem 60. Lebensjahr und nach Ablauf von zwölf Jahren seit Vertragsabschluss, ist nur der halbe Unterschiedsbetrag steuerpflichtig.

Einige Steuervorteile sind weg

Die Beiträge zu Kapitallebensversicherungen und zu privaten Rentenversicherungen, die nach dem 1. Januar 2005 abgeschlossen werden, sind aufgrund der Neuregelungen im Alterseinkünftegesetzes nicht mehr im Rahmen der Vorsorgeaufwendungen als Sonderausgaben absetzbar. Sie bringen also in der Ansparphase keine steuerlichen Vorteile mehr.

Anders ist die Behandlung reiner Risikopolicen, also zum Beispiel von Risiko-Lebensversicherungen oder Berufsunfähigkeitsversicherungen. Die Beiträge sind - wenn auch nur sehr begrenzt - steuerlich absetzbar. Bei den Auszahlungen gelten folgende Regeln: Werden bei diesen Versicherungen im Versicherungsfall einmalige Kapitalzahlungen geleistet, sind diese stets steuerfrei. Werden dagegen im Versicherungsfall Rentenzahlungen geleistet, sind diese steuerpflichtig.

Einmal-Auszahlung meist günstiger

Dabei erfolgt die Besteuerung nach dem Ertragsanteil, wenn die Rente lebenslang gezahlt wird, und nach einem besonderen Ertragsanteil, wenn die Leibrente nur für eine begrenzte Dauer gezahlt wird. Der besondere Ertragsanteil beträgt zwölf Prozent, wenn die Rente für zehn Jahre gezahlt wird. Bei einer 20-jährigen Zahlungsdauer liegt der Anteil bei 21 Prozent.

Bei Lebensversicherungen, die vor dem 1. Januar 2005 abgeschlossen wurden, gelten einige Besonderheiten. So ist die Auszahlung der Versicherungssumme komplett steuerfrei, wenn sie als einmalige Zahlung geleistet wird und die sonstigen Voraussetzungen für die Steuerfreiheit wie eine Mindestvertragslaufzeit von zwölf Jahren eingehalten wurden. Absetzbar sind die Beiträge dazu lediglich zu 88 Prozent als Sonderausgaben im Rahmen des Vorsorgehöchstbetrages.

Völlig unattraktiv: Ausbildungsversicherungen

Wichtig: Auch nach der Rentenreform prüft das Finanzamt noch bis 2019, ob die beschriebene Regelung der Absetzbarkeit für den Steuerzahler besser ist als die Neuregelung nach der Rentenreform. Die Besteuerung erfolgt dann nach der für den Versicherten günstigsten Variante.

Noch unattraktiver als bisher werden die so genannten Ausbildungs- oder Aussteuerversicherungen, die Verbraucherschützer als wenig sinnvoll betrachten. Diese Policen werden zumeist von Eltern oder Großeltern zugunsten der Kinder oder Kindeskinder abgeschlossen, die dann am 18. Geburtstag oder bei Heirat ausgezahlt werden. Nach bisherigem Recht war die Auszahlung in voller Höhe steuerfrei. Bei Neuverträgen ab 1. Januar 2005 ist die ausgezahlte Kapitalleistung jedoch immer in voller Höhe steuerpflichtig, da hier in aller Regel eine wesentliche Voraussetzung für die hälftige Besteuerung fehlt: die Auszahlung nach dem 60. Lebensjahr.

Oliver Mest/DDP DDP

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