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Leitzinssenkung Sparer sind die großen Verlierer


Die Zinsen fallen im Monatstakt. Erneut hat die Europäische Zentralbank ihren Leitzins nach unten korrigiert, auf derzeit 1,25 Prozent. Doch was in Krisenzeiten der Finanzpolitik zugute kommt, ärgert vor allem die Sparer. Was Bankkunden jetzt wissen müssen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Kampf gegen Finanzkrise und Rezession überraschend einen Gang zurück geschaltet. Sie senkte am Donnerstag ihren Leitzins auf 1,25 von 1,5 Prozent. An den Finanzmärkten war mit einem Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte auf 1,0 Prozent gerechnet worden.

Für die Sparer verheißt das Rekordtief bei den Leitzinsen dennoch nichts Gutes. Schon nach den vergangenen Senkungen sind die Habenzinsen bei Tagesgeld und Festgeld gefallen. stern.de beantwortet die wichtigsten Fragen zur EZB-Entscheidung aus Sicht der Bankkunden.

Wie wird sich der aktuelle Dreh an der Zinsschraube für die Verbraucher auswirken?

Die Entscheidung der EZB wirkt sich direkt nur auf die Banken aus, da der Leitzins vorgibt, zu welchen Bedingungen sich die Institute Geld leihen können. Dies hat indirekt aber auch Folgen für die Bankkunden - welche genau, können aber auch Fachleute nur anhand der bisherigen Entwicklung vermuten. So geht die Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, Sylvia Beckerle, davon aus, dass sich der bisherige Trend zu niedrigeren Sparzinsen fortsetzt: "Die Zinsen für die Anleger werden weiter nach unten gehen."

Welche Folgen hatte der niedrigere Leitzins bisher für die Bankkunden?

Die Zinsen vor allem für Tagesgeld und Festgeld sind in den vergangenen Wochen wesentlich deutlicher gesunken als die für Raten- oder Hypothekenkredite, wie der Finanzberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, Niels Nauhauser, sagt: "Die Anlagezinsen wurden rasch gesenkt, die Darlehenszinsen bleiben oben." Das sei immer so, habe sich aber in der Finanzkrise verschärft, weil die Banken die Gewinne noch mehr bräuchten.

Gibt es trotzdem auch noch hohe Sparzinsen?

Angebote über vier Prozent finden sich inzwischen kaum noch, sagt Helga Petersen-Kunz von der Verbraucherzentrale Hessen. Überdurchschnittliche Zinsen gebe es bei ausländischen Banken, einzelnen Instituten in Deutschland und Autobanken. Der aktuelle Schnitt liegt Nauhauser zufolge beim Festgeld auf sechs Monate bei 2,6 Prozent, beim Tagesgeld bei 2,7 Prozent.

Ist es wegen der gesunkenen Tagesgeldzinsen ratsam, auf andere Anlageformen umzusteigen?

Verbraucherschützerin Beckerle warnt davor, nur wegen der niedrigeren Zinsen das Geld in andere Produkte zu stecken. "Beim Notgroschen ist es wichtig, dass ich flexibel jederzeit rankomme." Die Sicherheit sei dabei wichtiger als die Rendite. Daher solle man beim Tagesgeld nicht in erster Linie auf den Zins schauen.

Sind die Sparer die Verlierer der bisherigen Leitzinssenkungen?

"Für die Verbraucher waren die Senkungen eher schlecht", meint Petersen-Kunz. Wer Kredite brauche, habe zwar eher profitiert, aber weniger als man hätte erwarten können, ergänzt Kollege Nauhauser. Der Fachmann weist daraufhin, dass den gesunkenen Sparzinsen auch eine niedrigere Inflation gegenüberstehe. Daher sei die Situation für die Sparer gar nicht so schlecht, wie die Zinsen an sich zunächst annehmen ließen.

AFP AFP

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