Musikfonds Heiße Nummern


Der jüngste Hit in den Steuerspar-Charts sind Musikfonds. Doch die Flopgefahr ist groß.
Von Frank Donovitz

Udo Lindenberg wurde rausgeschmissen, TV-"Superstar" Juliette Schoppmann vor die Tür gesetzt. Und sogar Teenie-Schwärmchen Daniel Küblböck muss um seinen Plattenvertrag bangen. Alle drei sind Opfer einer dramatischen Veränderung im Musikgeschäft: Statt CDs zu kaufen, greift die Kundschaft zu Raubkopien oder holt sich per Download die Musik kostenlos aus dem Internet. Und: Zu vieles wurde am Markt vorbeiproduziert - von Eintagsfliegen bis Exoten.

Die Großen der Musikindustrie reagieren brutal: Der deutsch-amerikanische Konzern BMG (Bertelsmann Music Group) trennte sich von 60 Prozent seiner Künstler (BMG gehört zum Bertelsmann-Konzern, in dessen Verlagshaus Gruner + Jahr der stern erscheint). Die Londoner Musikfirma EMI gab 20 Prozent ihrer Künstler den Laufpass. Nun wittern Geldanlagevermittler ihre Chance. Sie locken Anleger mit einem doppelten Versprechen in so genannte Musikfonds: Das bringe eine ordentliche Rendite, und außerdem eigne sich das ideal zum Steuersparen.

Ab 10.000 Euro plus fünf Prozent Vermittlerprovision kann jedermann dabei sein: zum Beispiel beteiligt an dem Musikfonds der Paroli Records GmbH & Co. 2 KG. Zweck der Firma ist die Finanzierung von Popmusik, etwa der Gruppe Soulmates um Schlagzeuger Leslie Mandoki (Ex-Dschingis-Kahn). Lockmittel für Anleger: Rund 100 Prozent Steuerabschreibung auf das investierte Geld.

Etwa 14 Prozent Jahresrendite nach Steuern sollen für den Anleger herauskommen. Solche Zahlen und Werbeslogans wie "Werden Sie Teil des Show Business" gelten in der Steuervermeider-Szene als Geheimtipp. "Für viele Musiker und Produzenten wird die private Finanzierung von neuen CDs und deren Vermarktung zum einzigen Ausweg", glaubt Peter Schmidt, Geschäftsführer von Value Invest. Die Göttinger Finanzfirma promotet den Midas-Musikfonds, der die jüngste CD von Altstar José Carreras vermarktet.

Den ersten Musikfonds

platzierte die börsennotierte IN-Motion AG bereits vor zwei Jahren. Leslie Mandoki schaffte es mit seinen beiden Paroli-Fonds gar auf die Titelseite der Finanzpostille "Mein Geld". Teil der "emotionalen Rendite", mit der geworben wird: Anteilseigner dürfen den in Ungarn geborenen Produzenten und Schlagzeuger in dessen Tonstudio bei München persönlich kennen lernen. Von Besucherströmen ist bislang nichts bekannt. Im Gegenteil: Die Paroli-Fonds verzeichneten laut Branchenberichten allenfalls mäßigen Zuspruch unter Investoren. Weit bedenklicher: Eine Leistungsbilanz bisheriger Ausschüttungen hat bislang kein Fonds vorgelegt - oder vorlegen können.

Inzwischen melden Vertreiber zwar steigendes Interesse an Musikfonds, Analysten raten jedoch auch bei den neuen Angeboten zur Vorsicht. "Unzureichende Transparenz" lautet beispielsweise das Urteil des Branchendienstes "Direkter Anlegerschutz" für die Angebote von Midas und den CineMusica1-Fonds der Potsdamer MPF. Der wirtschaftliche Erfolg ist extrem schwer abschätzbar, die Gefahr eines Flops enorm groß. Und: Das Problem der Raubkopien via Internet haben die Fonds-Produktionen grundsätzlich genauso wie die Branchengrößen. Ob dagegen der eher vorsichtig kalkulierte Fonds von Victory Media aus Kaufbeuren gewappnet ist, indem er sich auf klassische Musik und Nischen stützt, bleibt abzuwarten.

Sicheren Reibach machen zunächst nur Initiatoren und Vertreiber. Sie kassieren neben Provision auch noch saftige Verwaltungsgebühren. Für Anleger bliebe die Steuerersparnis - wenn der Fiskus mitspielt. Die meisten Steuersparmodelle kämpfen zurzeit mit rechtlichem Gegenwind. Und soll man als Laie nur wegen der Abschreibung, aber ohne geregelte Ausstiegsoption gleich Musikproduzent spielen? Fachleute warnen. Während Beteiligungen an Büroimmobilien oder Frachtschiffen in der Regel einen verkaufbaren Restwert haben, kann von einer Musikproduktion nur ein Stapel unverkäuflicher CDs und/oder Rechte an Liedern übrig bleiben, die niemand hören will.

Musikfonds: Teurer Auftakt

Fonds* (Künstler)InitiatorMindestbeteiligung in Euro zzgl. 5 % Provision (geplante Laufzeit)Nebenkosten in % ohne Verkaufs- provisionRenditeprognose p.a. in % nach Steuern**
Carreras-Fonds – Energia (José Carreras, Album „Energia“)Midas5.000 (bis Ende 2005)129,3
Centaurus Musikfonds (k.A.)Centaurus Entertainment10.000 (bis Ende 2008)13,55 zzgl. 1,82 Reserve12
CineMusica 1 (Klassik, Film-Soundtracks)MPF5.000 (bis Ende 2010)13k.A.
MultiMediaFonds 24 – Bella Musica (Orlando di Lasso Ensemble, Philharm. Quartett, Jennifer Lopez u.a.)Victory Mediai.d.R. 25.000 (ohne Begrenzung)15,00 zzgl. Management-gebühr7
Music Entertainment Fund I (k.A.)Entertainment Capital Partners15.000 (bis Ende 2009)12,514,4
Music Media Fund (NG3, Snap-Remix u.a.)IN-Motionk.A.17,9bis zu 18,00
Paroli Records 1. Musikfonds (k.A.)Paroli Records (Leslie Mandoki)10.000 (bis ca. 2007)k.A.k.A.
Paroli Records 2. Musikfonds (Mandoki/Soulmates, M.S.S.O., Lara, Mascha u.a.)Paroli Records (Leslie Mandoki10.000 (bis ca. 2007)16,4

Quellen: Verkaufsprospekte/Vertriebsunterlagen/Unternehmensangaben
* unternehmerische Beteiligung als Kommanditist
** Werte für wirtschaftliches Basisszenario

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