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Phishing-Attacken: N26-Kunde werden 80.000 Euro vom Konto geklaut – die Bank reagiert ganz schwach

Kunden der gehypten Smartphonebank N26 sind vermehrt von Phishing-Attacken betroffen – und die Bank reagiert wenig hilfreich. Selbst einem Kunden, der 80.000 Euro verlor, wurde telefonische Unterstützung verweigert.

N26-Gründer Valentin Stalf

N26-Gründer Valentin Stalf

DPA

Die Berliner Smartphonebank N26 ist das heißeste Ding am deutschen Fintech-Himmel. Erst im Januar steckten Investoren 300 Millionen Dollar in das Start-up, was den Wert der Firma auf 2,7 Milliarden Dollar katapultierte. N26 ist das erste deutsche Fintech, das die Milliardenmarke gerissen hat, ein sogenanntes Einhorn.

Rund 2,5 Millionen Kunden hat N26 nach eigenen Angaben bereits gewonnen, täglich sollen etwa 10.000 dazu kommen. Doch nun scheint es, als sei das Unternehmen vom eigenen Wachstum überfordert. In letzter Zeit häufen sich die Beschwerden über mangelhaften Kundenservice. Selbst N26-Kunden, deren Konten gehackt und von Kriminellen abgeräumt wurden, erhalten von der Bank nur schleppend Hilfe.

N26-Kunden vermehrt von Phishing betroffen

In einem besonders krassen Fall, über den die "Gründerszene" berichtet, verschafften sich Kriminelle mithilfe einer Phishing-Attacke Zugang zum Konto eines Nutzers und erleichterten dieses dann um 80.000 Euro. Doch damit nicht genug: Das Opfer, ein Online-Unternehmer, erfuhr von dem Schaden erst nach mehr als zwei Wochen. So lange dauerte es, bis sich der N26-Support um die Beschwerde, der Login funktioniere nicht mehr, kümmerte.

Auch andere N26-Kunden, die Opfer einer Phishing-Attacke wurden, fühlen sich von der Bank alleingelassen. "Gründerszene" berichtet von einem weiteren Mann, der sich nicht mehr in sein Konto einloggen konnte und erst nach anderthalb Wochen erfuhr, dass jemand 4000 Euro gestohlen habe. Auch "Spiegel Online" berichtet von mehreren Kunden, denen bis zu 10.000 Euro gestohlen wurden. Der Verbraucherzentrale Sachsen sind ebenfalls Fälle bekannt.

Kein telefonischer Kundenservice

Betrug mit Phishing kann grundsätzlich bei jeder Onlinebank vorkommen. Doch bei N26 erweist sich hierbei die schlechte Erreichbarkeit des Kundenservices als großes Problem. Denn ein telefonischer Support ist nicht vorgesehen. Anfragen werden nur per Mail oder im Chat beantwortet. Selbst Opfern einer Phishing-Attacke wurde telefonische Hilfe verweigert, wie das Chat-Protokoll des um 80.000 Euro erleichterten Kunden beweist.

N26 hat sich mittlerweile für den Umgang mit Phishing-Opfern entschuldigt und Besserung versprochen. "Wir versuchen natürlich, solche Fälle mithilfe eines Rückrufs binnen weniger Minuten zu klären", sagte Gründer Valentin Stalf zu "t3n". Der Chat bleibe der Hauptkommunikationskanal, Kunden könnten künftig aber auch in weniger dringenden Angelegenheiten um einen Rückruf bitten und diesen zeitnah erhalten.

Immerhin: Die verlorenen 80.000 Euro will N26 laut "Gründerszene" erstatten. Der Unternehmer ist trotzdem noch sauer. Dadurch, dass er wochenlang nicht auf sein Konto zugreifen und keine Rechnungen bezahlen konnte, hat der Mann zahlreiche Geschäftspartner verprellt und sogar einen Lieferanten verloren.

Update: N26 hat gegenüber dem stern bestätigt, dass es zu "wenigen Betrugsfällen" komme, in denen Betrüger Kunden durch Phishing ihre persönlichen Daten wie Passwörter entlockten. "Leider haben wir in einigen Fällen festgestellt, dass Kunden nicht sofort zurückgerufen wurden und wollen uns hierfür entschuldigen. Wir haben daraufhin sofort Schulungen durchgeführt und ein Kompetenzteam zur Überwachung und Sicherstellung eines schnellen und zufriedenstellenden Supports aufgestellt, um weitere Vorkommnisse zu verhindern." Das Kundensupport-Team sei in den letzten Monaten auf über 400 Mitarbeiter ausgebaut worden, sodass sehr gute Erreichbarkeit sichergestellt sei.

Quellen: Gründerszene / Spiegel Online / t3n 

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