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Planung Ohne Strategie geht gar nichts


Zugegeben, hinterher ist man immer schlauer. Dennoch machen viele Privatinvestoren immer die selben Fehler. Das fängt schon bei der richtigen Anlagestrategie an: Die meisten haben nämlich gar keine.

Es ist leider ein häufiger Fehler, dass Investoren sich vorher keinen genauen Plan zurechtlegen, was sie mit ihrer Investition erreichen wollen. Anleger sollten deshalb vor der Investition eine Anlagestrategie entwerfen, die als Grundlage für alle weiteren Entscheidungen dient. Eine gut geplante Strategie berücksichtigt Faktoren wie etwa Zeithorizont, Risikotoleranz, verfügbaren Anlagebetrag und künftig geplante Einzahlungen.

Bloß keine Notverkäufe

Das Deutsche Aktieninstitut rät dazu: "Legen Sie nur den Teil Ihrer Ersparnisse in Aktien an, über den Sie nicht kurzfristig verfügen wollen oder müssen." Denn wenn doch kurzfristig Liquiditätsengpässe bestehen, müssten Aktien, Fonds oder Anleihen möglicherweise zu niedrigen Kursen verkauft werden. Das bedeutet: Nur solche Beträge in Aktien anlegen, von denen man sicher weiß, dass man sie kurz- oder mittelfristig nicht unbedingt benötigt. So genannte Notverkäufe enden häufig mit Verlusten.

Ein weitere, oft feststellbare "Anlagesünde": Viele Investoren neigen zu prozyklischem Verhalten. Nicht nur beim Handel mit Aktien, sondern auch beim Kauf von Investmentfonds. Viel zu oft laufen sie den aktuellen Trends hinterher. "Immer mit dem Strom zu schwimmen, ist bei der Geldanlage ein Problem", sagt Vermögensverwalter Thomas Grüner aus Rodenbach.

Besser: Antizyklisch handeln

Und dieser Herdentrieb kann Rendite kosten. Einer Studie des Instituts für Assetmanagement an der Technischen Hochschule Aachen hat ergeben, dass die Deutschen in den vergangenen Jahren meist dann mehr Aktien gekauft haben, wenn die Titel schon teuer waren. Außerdem stiegen sie aus, wenn die Kurse im Keller waren. Hätten die Anleger ihre Aktienquote im Depot nur konstant gehalten, hätten sie deutlich besser abgeschnitten. Hätten sie aber gegen den Trend gehandelt, wäre die Rendite noch höher ausgefallen.

Eine alte Börsenweisheit sagt zwar "The trend is your friend", doch das besagt nicht, dass man beispielsweise in Rohstoffe investieren sollte, nur weil man mit ihnen im Vorjahr exorbitante Gewinne erzielen konnte. An der Börse geht es vielmehr darum, zu niedrigen Kursen zu kaufen und zu hohen Kursen zu verkaufen. Bei vielen Anlegern läuft es genau umgekehrt. Sie gehen davon aus, dass sich diese Anlagen angesichts ihrer guten Performance in der Vergangenheit auch in Zukunft gut entwickeln werden. Oft genug stellt sich diese Annahme als falsch heraus.

Gier ist kein guter Lehrmeister

Zahlreiche Studien haben herausgefunden, dass sich die meisten Anleger zu sehr von Emotionen leiten lassen. Konkret: von Angst und Gier. Angst führt dazu, dass man zu Tiefstkursen verkauft, und aus Gier springen die Anleger im letzten Moment auf einen Modetrend auf.

Auch bei der Risikostreuung gibt es Nachholbedarf, denn die Investition in nur eine oder wenige Aktien birgt ein höheres Risiko als die Investition in einen diversifizierten Investment- oder Indexfonds. Also: Einfacher ist es, in Anlagen zu investieren, die breit gestreut sind. Dort werden Schwankungen eher aufgefangen und Sie können beruhigt schlafen. Nie sollte man sein Geld in einem einzigen Unternehmen, einer einzigen Branche oder einem einzigen Land anlegen. Vor allem in Bezug auf die Region sollte der Anleger breit streuen. Viele Investoren neigen dazu, Titel ihres Heimatlandes in ihrem Portfolio deutlich stärker zu gewichten, als es der Gesamtrendite gut tut.

Ehrlich zu sich selbst sein

Für den langfristigen Erfolg hinderlich ist außerdem die Tatsache, dass Investoren selten bereit sind, ihre Anlagefehler einzugestehen. "Hat man mit einer Aktie einen schönen Kursgewinn erzielt, sollte man sich ruhig einmal von einem Papier trennen. Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne", rät das Deutsche Aktieninstitut. Andererseits bleiben viele auf den Verlustbringern sitzen. Sie wollen und können nicht einsehen, dass es manchmal besser ist, sich von einer Anlage zu trennen. Dann muss die Devise lauten: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Bedachte Investoren begrenzen ihre Verluste von vornherein mit einem Stopp-Kurs, den sie so setzen, dass er ihre maximale Verlustbereitschaft berücksichtigt.

Doch zu eifriges Handeln ist auch kontraproduktiv. Der Spruch "Hin und her macht Taschen leer" hat nichts an Aktualität verloren. Allzu häufiges Kaufen und Verkaufen zehrt die Renditen durch Gebühren mehr auf als alles andere. Anlegern mangelt es jedoch meistens an der nötigen Geduld, so dass sie übermäßige Risiken eingehen. Bei Kapitalanlagen ist jedoch eine langfristige Sicht von größter Bedeutung. Externe Faktoren dürfen bei Anlagen die Entscheidungen und Handlungen nicht beeinflussen oder plötzliche Strategieänderungen auslösen.

Keine komplizierten Produkte

In Produkte zu investieren, die man nicht versteht, ist ein weiterer Fehler. Gerade im strukturierten Bereich gibt es sehr komplexe Produkte. Sie tragen zudem wundervolle Namen wie Rolling-Discount-Zertifikat oder Outperformance-Zertifikat, was sich dahinter verbirgt, wissen jedoch nur die wenigsten. Also: Lieber Finger weg davon.

Heino Reents

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