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Rürup-Rente: Lohnt sich das?

Die Rürup-Rente wird meistens als Steuersparmodell verkauft - doch nur in wenigen Fällen ist sie es wirklich. So sind die Vorsorgebeiträge zwar als Sonderausgaben absetzbar - allerdings erst ab dem Jahr 2025.

Die so genannte Rürup-Rente ist größtenteils der gesetzlichen Rente nachgebildet. Sie ist nach der Riester-Rente ein weiterer Schritt in Richtung nachgelagerte Besteuerung: Nach einer Übergangsphase sind die Beiträge ab 2025 in vollem Umfang von der Steuer freigestellt und die Renten ab 2040 in voller Höhe steuerpflichtig. Bis dahin steigen der steuerlich absetzbare Betrag von 60 Prozent im Jahre 2005 und der Besteuerungsanteil von 50 Prozent im Jahre 2005 kontinuierlich an.

Voller Absetzbetrag erst ab 2025

Die Beiträge zu einem Rürup-Rentenvertrag sind zusammen mit anderen Altersvorsorgebeiträgen wie beispielsweise der gesetzlichen Rentenversicherung bis zu einem Höchstbetrag von 20.000 Euro für Alleinstehende und 40.000 Euro für Verheiratete als Sonderausgaben absetzbar - allerdings erst ab dem Jahr 2025! In den Jahren 2005 bis 2024 sind die Beiträge nur mit einem bestimmten Prozentsatz bis zu einem entsprechenden anteiligen Höchstbetrag absetzbar. Das sind beispielsweise im Jahre 2005 60 Prozent der Beiträge, höchstens aber 12.000 Euro für Alleinstehende und 24.000 Euro für Verheiratete(60 Prozent von 20.000 Euro / 40.000 Euro). Bis 2025 steigen der Prozentsatz jährlich um zwei Prozentpunkte und der Höchstbetrag jährlich um 400 beziehungsweise 800 Euro.

Das hört sich grundsätzlich danach an, dass die Rürup-Rente steuerlich ein gutes Geschäft werden könnte. Tatsache ist jedoch, dass viele Steuerzahler kaum so viel Steuern sparen, dass es die Rendite nachhaltig verbessert. Ein Beispiel: Wer als 25-jähriger Angestellter heute einen Rürup-Vertrag mit 200 Euro monatlich abschließt, kann im Jahr 2006 62 Prozent der Beiträge absetzen - erst 2025 ist der volle Betrag absetzbar. Die 132 Euro monatlich summieren sich zu 1584 Euro im Jahr, die jedoch keinesfalls voll absetzbar sind.

Vorteil nur für ältere Angestellte

Der Grund: Die Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung werden in die Berechnung einbezogen. Geht man in diesem Fall davon aus, dass der Rürup-Sparer monatlich 600 Euro (Arbeitgeber und Arbeitnehmeranteil) in die gesetzliche Rentenkasse einzahlt, sind davon jährlich ebenfalls 62 Prozent absetzbar, insgesamt also 4464 Euro. Macht zusammen mit der Rürup-Rente 6048 Euro Beiträge, die anrechenbar sind. Allerdings wird von diesem Betrag noch der Arbeitgeberanteil zur Rentenversicherung in Höhe von 3600 Euro abgezogen, denn der ist steuerfrei. Tatsächlich tauchen in der Steuererklärung also nur 2448 Euro absetzbare Beiträge auf - das sind nur knapp 40 Prozent der eingezahlten Beiträge. Geht der Rürup-Sparer jedoch nach 2040 in Rente, muss die Rente zu 100 Prozent versteuert werden. Als Steuersparmodell kann man das kaum bezeichnen.

Vorteilhaft kann die Rürup-Rente für ältere Sparer sein, die im Angestelltenverhältnis stehen. Wer heute bereits über 55 Jahre alt ist, profitiert bei einer Einzahlung in den Vertrag von einem Steuernachlass von 60 Prozent und mehr - gleichzeitig werden auf die Rente kaum mehr als 60 Prozent Steuern fällig, wenn der Altersruhestand beginnt. Bei einer jährlichen Einzahlung von 12.200 Euro und einem Steuersatz von 35 Prozent bekommt ein Rürup-Sparer nach einer Berechnung der Stiftung Warentest alleine durch seine Steuervorteile eine Rendite von fünf Prozent, wenn er 2013 in Rente geht und den Vertrag bereits 2005 abgeschlossen hat. Wer bereits 2009 in Rente geht, kann über Prozent Rendite erzielen.

Schlimmstenfalls ein schlecht verzinster Sparvertrag

In allen anderen Fällen rät die Stiftung Warentest dazu, den Vertrag mit allen steuerlichen Auswirkungen genau zu prüfen, bevor er unterschrieben wird. Sonst läuft man Gefahr, ohne Steuerersparnisse auf einen schlecht verzinsten Sparvertrag zu setzen, der zudem extrem unflexibel ist. Denn die Ansprüche aus Rürup-Verträgen dürfen unter anderem nicht vor dem 60. Lebensjahr ausbezahlt werden.

Oliver Mest/DDP / DDP
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