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Protokoll: Der Tag, als das Militär Mursi absetzte

Putsch in Ägypten. Das Militär hat Präsident Mursi abgesetzt. Nach einer Übergangsphase sollen Neuwahlen folgen. Die Dokumentation eines dramatischen Tages am Nil.

Die Ereignisse auf dem Tahrir-Platz im Livestream.

+++22.35 Uhr: Was machen die Mursi-Anhänger? +++

Die große Frage, die sich jetzt in Ägypten stellt, lautet: Wie werden die nach wie vor zahlreichen Mursi-Anhänger auf die Entmachtung reagieren? Wo Mursi selbst sich zur Stunde aufhält, ist unbekannt. Zuvor hieß es, gegen ihn sei ein Ausreiseverbot verhängt worden.

+++ 22.07: Mursi spricht von Staatsstreich +++

In einem Tweet nennt der entmachtete Präsident Mursi das Vorgehen des Militärs einen "Staatstreich". Er fordert dazu auf, zur Verfassung zurückzukehren und warnt vor Blutvergießen.

+++ 21.36 Uhr: Islamistische TV-Sender abgeschaltet +++

Unmittelbar nach der verkündeten Entmachtung von Präsident Mursi sind Fernsehsender der Islamisten offenbar abgeschaltet worden. Beim Sender "Misr25" der Muslimbruderschaft wurde die Ausstrahlung schlagartig unterbrochen, berichten Augenzeugen . Auch der Islamistensender "Al-Hafes" und der Salafistensender "Al-Nas" seien betroffen,so die staatliche Zeitung "Al-Ahram" in ihrer Online-Ausgabe.

+++ 21.30 Uhr: Mursi ruft zu Widerstand auf +++

Nach seiner Absetzung durch die Armee hat der entmachtete Staatschef Mohammed Mursi seine Anhänger zum friedlichen Widerstand aufgerufen. Mursi rufe dazu auf, friedlich gegen den "Putsch" aufzubegehren, sagte ein enger Vertrauter der Nachrichtenagentur AFP.

+++ 21.23 Uhr: Armeechef kündigt nächste Schritte an +++

Zusammengefasst die wichtigsten Punkte aus dem Statement von Armeechef Abdel Fattah al-Sissi: - Die Verfassung ist vorübergehend außer Kraft gesetzt. - Das Land soll eine Interimsregierung aus Technokraten bekommen. - Kommissarisch übernimmt der Präsident des Verfassungsgerichts die Amtsgeschäfte der Interimsregierung. - Der Fahrplan sei mit Politikern und anderen öffentlichen Personen beschlossen worden. - Am Ende des Übergangsprozesses sollen Neuwahlen stehen. Wörtlich sagte al-Sissi: "Die Armee will nicht an der Macht bleiben."

+++ 21.27 Uhr: Jubel auf dem Tahrir-Platz +++

+++ 21.12 Uhr: Mursi abgesetzt +++

Das Militär hat Ägptens Präsident Mursi abgesetzt. Kommissarisch übernimmt der Verfassungsgerichtspräsident das Amt.

+++ 21.04 Uhr: Armee-Chef gibt Statement ab +++

Armeechef Abdel Fattah al-Sissi gibt eine Erklärung ab. Er verkündet das Ende der Präsidentschaft von Mohamed Mursi. "Das Militär kann nicht stillhalten in der Krise", sagte er wörtlich.

+++ 21.01 Uhr: Militär teilt Mursi Absetzung mit +++

Das Militär hat Präsident Mursi offenbar seine Absetzung übermittelt. Die Armee habe Mursi am frühen Abend mitgeteilt, dass er nicht mehr länger im Amt sei, berichtete die staatliche Zeitung Al-Ahram am Mittwochabend. Als Quelle wurde eine Person aus dem Umfeld des Präsidenten genannt.

+++ 20.29 Uhr Roadmap angekündigt +++

Führende muslimische und christliche Geistliche sowie der Sprecher der liberalen Oppositionsbewegung, Mohamed ElBaradei, wollen in Kürze eine gemeinsame Erklärung abgeben, meldet die staatliche Nachrichtenagentur Mena. Diese sogeannte "Roadmap" soll die nächsten Schritte skizzieren, wie das Land aus der politischen Krise geführt werden soll. Auch das Militär und Mitglieder der "Tamarod"-Bewegung sollen bei dem Statement anwesen sein.

+++ 20.17 Uhr: Truppen vor Universität +++

Das Militär zeigt Präsenz auf den Straßen Kairos. Insbesondere in den Vierteln Nasr City, Heliopolis und in der Nähe der Universität gibt es ein massives Truppenaufgebot, meldet die Nachrichtenagentur Mena unter Berufung auf Militärkreise.

+++ 20 Uhr: Weiter Warten auf eine Erklärung +++

Rund drei Stunden nach dem Ablauf des Ultimatums sieht es so aus, als habe das Militär die Kontrolle in Kairo übernommen. Die Kundgebungen der Mursi-Anhänger wurden umstellt, der Präsidentenpalast ist mit Barrikaden gesichert worden. Mursi wird offenbar in einer Kaserne festgehalten. Bisher ist es in Kairo ruhig geblieben. Wie die Situation in anderen Städten des Landes aussieht, ist allerdings unklar.

+++ 19.48 Uhr: Bisher keine Berichte über Gewalt +++

Immerhin: Bisher gibt es keine Berichte über gewaltsame Zusammenstöße. Beobachter in Kairo sprechen bereits von einem "sanften Putsch". Weiterhin steht die angekündigte Erklärung der Armee aus.

+++ 19.39 Uhr: Mursi-Anhänger empfangen Soldaten +++

+++ 19.36 Uhr: Soldaten rücken näher +++


Kareem Fahim für die "New York Times" aus Kairo.

+++ 19.30 Uhr: Fragile politische Lage +++

Was auch immer man von der Präsidentschaft Mohammed Mursis halten mag. Fakt ist: In Ägypten hat nun das Militär einen demokratisch legitimierten Präsidenten abgesetzt. Es ist kaum anzunehmen, dass Mursis Anhänger dies ohne weiteres akzeptieren werden. Politische Beboachter befürchten nun eine Destabilisierung des Landes - das letzte, was der Nahe Osten gebrauchen kann.

+++ 19.26 Uhr: USA predigen politische Lösung +++

Angesichts der Lage in Kairo hat das US State Department Gewaltlosigkeit gefordert und eine politische Lösung als "die beste Option" für das Land empfohlen.

+++ 19.23 Uhr: Armee setzt Mursi fest +++

Mit Barrieren und Stacheldraht haben Soldaten die Kaserne abgeriegelt, in der sich Präsident Mursi befinden soll. Es heißt, der bisherige Machthaber werde so dort festgesetzt. Auch der Präsidentenpalast ist umstellt, in den Vierteln Nasr City, Heliopolis und nahe der Universität gibt es inzwischen ein massives Truppenaufgebot.

+++ 19.20 Uhr: Die Nacht bricht an +++

Allmählich ist es dunkel geworden in Ägypten. Auf dem Tahrir-Platz zucken wieder die grünen Laserpointer, vereinzelt werden Feuerwerkskörper gezündet. Die Lage ist weiterhin unklar.

+++ 19.16 Uhr: Al Jazeera zeigt Truppenbewegung +++

Der Nachrichtensender Al Dschasira zeigt Bilder von Truppenbewegungen in Nasr City, wo sich Mursi-Anhänger versammelt haben. Panzer werden mit Sattelschleppern in die Gegend gebracht.

+++ 19.06 Uhr: Militär errichtet Absperrungen +++

Es häufen sich Zeugenberichte, wonach die Armee an diversen Plätzen in Kairo Absperrungen errichtet - in erster Linie an Orten, an denen sich die Unterstützer Mursis versammelt haben.

+++ 19 Uhr: Weiterhin unklare Lage +++

Zwei Stunden nach Ablauf des Ultimatums ist die Lage in Ägypten weiterhin unklar. Wie ist der Status von Präsident Mursi? Wird das Militär gegen Unterstützer des Präsidenten vorgehen? Ist Mursi überhaupt noch Präsident oder wurde er bereits offiziell abgesetzt? Wann wird es ein klärendes Statement geben? Wer hat im Moment das Sagen in Ägypten? Alles offene Fragen.

+++ 18.55 Uhr: Panzer sind unterwegs +++

Internationale Reporter berichten aus Kairo, dass Panzer angeblich auf dem Weg zu den beiden großen Pro-Mursi-Kundgebungen in Nasr City und nahe der Universität von Kairo sind. Offiziell bestätigt ist das nicht.

+++ 18.41 Uhr: Angeblich Konfrontationen in Kairo +++


"New York Times"-Reporter Kareem Fahim tweetet dieses Foto aus Nasr City.

+++ 18.32 Uhr: Armee offenbar unterwegs in Kairo +++

+++ 18.20 Uhr: Flughafen bestätigt Reiseverbot +++

Vertreter des Flughafens in Kairo haben der Nachrichtenagentur AFP bestätigt, dass eine Anweisung gibt, das Mursi, der Oberste Führer der Muslimbruderschaft, Mohammed Badie, und sein Stellvertreter Chairat al-Tschater an Auslandsreisen zu hindern sind. Formal soll diese Anweisung mit der Verwicklung in einen Gefängnisausbruch im Jahr 2011 zusammenhängen. Am Präsidentenpalast sind angeblich Hunderte Soldaten aufgezogen. Im Moment sieht alles danach aus, dass Mursi faktisch abgesetzt ist.

+++ 18.16 Uhr: Reiseverbot trifft auch Muslimbrüder +++

Das Reiseverbot gilt angeblich nicht nur für den Präsidenten, sondern auch für führende Mitglieder der Muslimbruderschaft, seiner Partei. So verlautet aus Sicherheitskreisen.

+++ 18.06 Uhr: Mursi ruft zu gewaltlosem Widerstand auf +++

Mohammed Mursi hält sich in den Kasernen der Republikanischen Garde auf, heißt es. Er fordert seine Anhänger auf, sich gewaltlos dem Militär zu widersetzen. Die Sicherheitsbehörden haben das Reiseverbot für den noch amtierenden Präsidenten angeblich bestätigt, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

+++ 17.59 Uhr: Mursi darf Land angeblich nicht verlassen +++

Nach unbestätigten Meldungen heißt es, Mursi dürfe das Land nicht mehr verlassen. Auch eine Stunde nach Ablauf des Ultimatums warten die Ägypter noch auf die angekündigte Erklärung.

+++ 17.49 Uhr: "Last lines" auf Facebook? +++

"As I write these lines I am fully aware that these may be the last lines I get to post on this page", schreibt Mursi-Berater Essam al-Hadded auf seiner Facebook-Seite. Es sei ein Gebot der historischen Genauigkeit, nun von einem Militärputsch zu sprechen. No gaben die Berichte aus Ägypten keinen Grund für diese dramatischen Worte.

+++ 17.45 Uhr: Sicherheitsberater spricht von Militärputsch +++

Nach den Worten des Sicherheitsberaters von Präsident Mursi ist ein Militärputsch angelaufen. Er erwarte, dass Armee und Polizei die Pro-Mursi-Demonstrationen mit Gewalt auflösen werden.

+++ 17.41 Uhr: Mursi nicht unter Hausarrest +++

Mursi ist entgegen anders lautender Gerüchte offenbar nicht unter Hausarrest gestellt worden. Das berichtet die BBC unter Berufung eines Sprechers des Präsidenten. Ein lokaler Sender hatte dies gemeldet. Weiterhin ist die Lage nach Ende des Ultimatums unklar.

+++ 17.32 Uhr: Pro-Mursi-Menge in Nasr City +++

Ein Blick weg vom Tahrir-Platz: Zahlreiche Unterstützer von Präsident Mursi haben sich im Vorort Nasr City versammelt. Auch gut eine halbe Stunde nach Ablauf des Ultimatums wartet Ägypten auf das klärende Statement der Militärführung im Staatsfernsehen.

+++ 17.20 Uhr: Warten auf das klärende Statement +++

Die Geduld der Ägypter wird enorm strapaziert. Nach wie vor ist unklar, was nun passieren soll. Warten auf die angekündigte Fernsehansprache ...

+++ 17.18 Uhr: Drangvolle Enge auf dem Tahrir-Platz +++

+++ 17.04 Uhr: Was nun? +++

Das Ultimatum ist ohne sichtbare Folgen verstrichen. Immer wieder heißt es, dass eine Koalitionsregierung das Ruder übernehmen soll. Damit soll auch Mursi angeblich einverstanden sein.

+++ 17 Uhr: Das Ultimatum ist abgelaufen +++

Das Ultimatum für eine politische Lösung ist abgelaufen. Ägypten wartet nun auf eine Eklärung, die im ägyptischen Staatsfernsehen angekündigt ist.

+++ 16.55 Uhr: Unglaubliche Menge auf dem Tahrir +++

+++ 16.40 Uhr: Sprechchöre auf dem Tahrir-Platz +++

Kurz vor dem Ablaufen des Ultimatums gibt es Sprechchöre auf dem Kairoer Tahrir-Platz: "People and police are one hand".

+++ 16.30 Uhr: Ist El Baradei der Hoffnungsträger? +++

Wieder gilt Friedensnobelpreisträger Mohammed el-Baradei ein Hoffnungsträger für Ägypten. Auch zur Stunde sitzt er mit den Militärs zusammen und verhandelt die Zukunft seines Heimatlandes. Viele Ägypter stehen el-Baradei allerdings skeptisch gegenüber: Der frühere Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) sei zu lange im Ausland gewesen, verstehe die Menschen im Land nicht, heißt es oft.

+++ 16.22 Uhr: "Mursi-Timer" im Netz läuft ab +++

+++ 16.12 Uhr: Riese Menge auf dem Tahrir-Platz +++

Je näher das Ende des Armee-Ultimatums rückt, umso größer wird die Menge auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Das Statement Mursis, notfalls für sein Amt zu sterben, hat Befürchtungen genährt, dass es wieder zu tödlichen Auseinandersetzungen kommen wird. Auch die Armee hat angekündigt, bis zum Äußersten zu Kämpfen. Die Welt schaut derzeit gebannt auf die ägyptische Hauptstadt.

+++ 16.03 Uhr: Entscheidende Gespräche laufen +++

Führende religiöse und gesellschaftliche Köpfe haben sich zu einem wohl entscheidenden Gespräch mit dem Generalkommando der Armee getroffen. Die Muslimbruderschaft von Präsident Mursi hatte eine entsprechende Einladung ausgeschlagen. Nach dem Gespräch soll es die schon angekündigte Erklärung der Armee geben; der genaue Zeitpunkt ist weiter unklar. Präsident Mursi scheint längst nicht mehr im Zentrum der Ereignisse zu stehen.

+++ 15.50 Uhr: Anleger fürchten um Öl-Nachschub +++

Am Rohöl-Markt treiben die Unruhen die Preise in die Höhe. Anleger fürchten, dass die Staatskrise den gesamten Nahen Osten destabilisieren und zur Unterbrechung des Nachschubs führen könnte. Das Barrel der Nordsee-Sorte Brent kostet derzeit mehr als 105 US-Dollar.

+++ 14.59 Uhr: Ägyptens Muslimbrüder wollen sich "vor die Panzer stellen" +++

Der Sprecher der Muslimbruderschaft, Gehad al-Haddad, hat den Widerstand der Islamisten gegen eine Entmachtung des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi bekräftigt. "Der einzige Plan, den die Menschen angesichts eines Putschversuchs haben, ist, sich vor die Panzer zu stellen. So wie wir es bei der Revolution des 25. Januar (2011) gemacht haben", sagte er am Mittwoch über den Kurznachrichtendienst Twitter.

+++ 14.55 Uhr: In Ägypten schließen die Banken +++

Die ägyptische Zentralbank hat am Mittwoch laut Staatsfernsehen die Schließung aller Geldinstitute im Land angeordnet. Am Donnerstag sollen sie aber mehrere Stunden wieder öffnen. Die Zeitung "Al-Ahram" berichtete in ihrer Online-Ausgabe, dass die Banken dann zwischen 8.30 Uhr und 13 Uhr öffnen sollten.

Demnach sollten auch Einschränkungen bei Geldtransfers ins Ausland aufrechterhalten bleiben, die seit dem Arabischen Frühling und dem Sturz von Langzeitpräsident Husni Mubarak im Februar 2011 bestehen. So können Auslandsüberweisungen bei Beträgen von mehr als 100.000 US-Dollar nicht ohne weiteres getätigt werden.

+++ 14.43 Uhr: Noch kein Termin für Ansprache +++

Die Armee hat sich keinen festen Termin für eine Erklärung oder Ansprache gegeben. Dies teilte das Militär auf seiner Facebook-Seite mit. Das von der Armee gesetzte Ultimatum an die Politik für eine Einigung läuft um 17 Uhr (MESZ) aus.

+++ 14.32 Uhr: Gepanzerte Fahrzeuge vor TV-Sender +++

Vor dem Gebäude des ägyptischen Staatsfernsehens fahren gepanzerte Fahrzeuge auf. Mitarbeiter, die nicht an der Produktion von Live-Sendungen beteiligt sind, haben ihre Arbeitsplätze verlassen.

+++ 14.31 Uhr: Armee lädt zum Gespräch ein +++

Kurz vor Ablauf des Militäultimatums hat Verteidigungsminister Abdel Fattah al-Sisi Oppositionsführer Mohammed el-Baradei zu einem Treffen eingeladen. Erwartet werde auch die Teilnahme von Vertretern der regierenden Muslimbrüder, der Protestbewegung "Tamarud", der Salafisten und von Geistlichen, berichtete die staatliche Zeitung "Al Ahram" in ihrer Online-Ausgabe

+++ 14.25 Uhr: "Lieber Tod als Rücktritt" +++

Mursi ist nach den Worten seines Sprechers entschlossen, notfalls im Kampf für die Demokratie zu sterben. Der Präsident wolle nicht von der Geschichte verurteilt werden.

+++ 14.10 Uhr: Mursi-Anhänger rufen zur Gewaltlosigkeit auf +++

Die radikal-islamische Gruppe Al-Gamaa al-Islamija hat ihre Anhänger zur Gewaltlosigkeit aufgerufen. Die Bewegung unterstützt Mursi.

sas/brü/DPA/Reuters / DPA / Reuters