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Schulden-Kompass: Verbraucher machen weniger Schulden

Entspannung, aber keine Entwarnung: Die Verschuldung der deutschen Verbraucher wird auch angesichts der guten Konjunktur etwas abnehmen. Am schwierigsten ist die Lage in Berlin - Baden-Württemberg steht dagegen glänzend da.

Die positive Wirtschaftsentwicklung hat sich auch in der Verschuldung der deutschen Verbraucher niedergeschlagen. Wie der Finanzdienstleister Schufa in Berlin mitteilte, werden die Verschuldungsprobleme in Deutschland im kommenden Jahr leicht abnehmen. "Die Verbraucher haben aus der angespannten wirtschaftlichen Lage in der Vergangenheit gelernt und sind vorsichtiger geworden im Umgang mit Krediten", sagte Schufa-Chef Rainer Neumann. Darüber hinaus trage die anziehende Konjunktur zur Entspannung bei.

Neumann warnte jedoch vor zuviel Optimismus: "Von Entwarnung kann noch keine Rede sein", sagte er. "Die Verschuldungsprobleme in Deutschland sind noch immer stärker ausgeprägt als noch vor einigen Jahren." Bei der Betrachtung nach Bundesländern ist laut Schufa ein Nord-Süd-Gefälle erkennbar: Baden-Württemberg wird demnach im kommenden Jahr am besten abschneiden und die Landeshauptstadt Berlin am schlechtesten. Thüringen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern werden sich der Prognose zufolge stark verbessern. Für Bremen und Sachsen wird dagegen eine Verschlechterung vorausgesagt.

Die Schufa hat für ihren Schuldenkompass 2007 insgesamt 439 Kreise untersucht. Die geringsten Verschuldungsprobleme weist dabei der Landkreis München auf - am schwierigsten ist die Lage in der rheinland-pfälzischen Stadt Pirmasens. In insgesamt 227 Kreisen erwartet die Schufa nach ihren Berechnungen eine Verbesserung - in 186 werden die Verschuldungsprobleme dagegen zunehmen.

Fehlendes Finanzwissen kritisiert

Die Schufa hat zudem ermittelt, wie viele Haushalte in Deutschland unter ihrer Schuldenlast schon zusammengebrochen sind: Demnach waren im Jahr 2006 insgesamt 2,9 Millionen oder 7,3 Prozent aller Privathaushalte überschuldet. Ein besonders hohes Überschuldungsrisiko hätten Haushalte mit Alleinerziehenden, Ein-Personen-Haushalte, Haushalte mit jungen Haupteinkommensbeziehern bis 24 Jahre sowie Haushalte mit geringen Einkommen, sagte Neumann. Etwa jeder dritte überschuldete Haushalt sei zudem von Arbeitslosigkeit betroffen.

Aber nicht nur die Höhe des Einkommens spielt eine Rolle, auch Bildung ist entscheidend: "Neben Arbeitslosigkeit und Scheidung sind mangelnde finanzielle Allgemeinbildung, Unerfahrenheit und Informationslücken in Geldangelegenheiten die Hauptauslöser für Überschuldung." Neumann forderte deshalb eine bessere Finanzbildung der Gesellschaft: "An dieser Stelle ist das Handeln von allen gefragt."

stern.de