Spartipp Steuererklärung: Geld zurück vom Staat


Für viele Arbeitnehmer wird es langsam Zeit ihre Lohnsteuerkarten vom Arbeitgeber einzufordern und im Zuge eines Lohnsteuerausgleichs noch Geld vom Finanzamt einzufordern.

Manche Menschen können es am Jahresanfang kaum erwarten, dass ihr Arbeitgeber ihnen die alte Lohnsteuerkarte aushändigt. Zusammen mit einem Berg Quittungen, Belegen und Formularen geht die Karte ans Finanzamt, das dann oft Steuerrückzahlungen leistet: Im Schnitt sind es etwa 1.500 Mark pro Arbeitnehmer, weiß Hans-Joachim Vanscheidt vom Bund der Steuerzahler in Wiesbaden.

Der Experte rät, möglichst rasch im neuen Jahr die Steuererklärung abzugeben, »schließlich zahlt das Finanzamt keine Zinsen«.

Trotz der Aussicht, von »Vater Staat« eine Menge Geld zurück zu bekommen, und trotz vielfältiger Hilfen durch PC-Software ist die Steuererklärung für viele Menschen aber noch immer eine quälende Angelegenheit. Ein halbes Dutzend eng bedruckter DIN-A4-Papiere ist auszufüllen, die Übersicht geht schnell verloren. Mancher gibt dann entnervt auf: Vanscheidt schätzt, dass den deutschen Steuerzahlern jedes Jahr insgesamt etwa eine Milliarde Mark an Erstattung entgeht, weil Steuererklärungen falsch oder überhaupt nicht ausgefüllt werden.

Nicht jeder Arbeitnehmer ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet. Dies ist nur dann der Fall, wenn er im vorangegangenen Jahr zum Beispiel mehrere Lohnsteuerkarten hatte oder Einkünfte aus Nebenjobs oder Vermietungen von mehr als 800 Mark verzeichnete. Das gleiche gilt, wenn bei berufstätigen Ehepaaren einer der Partner in Steuerklasse fünf eingetragen war. Auch Menschen mit 630-Mark-Jobs müssen in bestimmten Fällen eine Steuererklärung abgeben, erläutert Hans Brandenburg vom Niedersächsischen Finanzministerium in Hannover.

Wer vom Staat Geld zurückverlangt, muss Fristen einhalten. Zwei Jahre Zeit hat, wer nicht zur Abgabe verpflichtet ist - spätestens am 31. Dezember 2002 muss dann also die Erklärung für 2000 dem Fiskus vorliegen. Eine Fristverlängerung ist hier nicht möglich. Anders sieht es bei Bürgern mit Abgabepflicht aus: Sie müssen die Unterlagen bis 31. Mai 2001 einreichen, können aber einen Aufschub beantragen.

Freiwillig eine Steuererklärung abzugeben, lohnt sich nach Angaben Brandenburgs vor allem dann, wenn im Laufe des zurückliegenden Jahres geheiratet wurde, ein Kind in der Familie geboren oder eine Schwerbehinderung festgestellt wurde. Der große Aufwand rund um die Steuererklärung könne sich aber für jedermann rechnen, denn zum Teil machten die Arbeitgeber bei Abzug der Steuern vom Lohn auch Fehler.

»Das Abzugsverfahren ist ohnehin so gestaltet, dass in der Regel zu viel Lohnsteuer einbehalten wird«, wendet Hans-Joachim Vanscheidt ein. Der Experte rät, die Steuererklärung zum Anlass zu nehmen, zu prüfen, ob nicht ein Freibetrag auf der Steuerkarte für den Einzelnen besser ist: Statt dem Staat zinslos einen Teil des Einkommens zu »«eihen», um das Geld im Jahr darauf zurückzufordern, werden mit Hilfe von Freibeträgen pro Monat weniger Steuern gezahlt. Aus Sicht des Bundes der Steuerzahler wird diese Möglichkeit zu selten genutzt.

Eine gute Gelegenheit zur Einrichtung eines Freibetrages biete die neue Entfernungspauschale für Berufspendler, so Brandenburg. Schon wer nur elf Kilometer zum Arbeitsplatz zu fahren hat, komme der Werbungskostenpauschale von 2.000 Mark nahe, die Arbeitnehmern bei der Berechnung ihres zu versteuernden Jahreseinkommens gewährt wird und erst deren Überschreiten einem Freibetrag einen Sinn gibt.

»Wer kürzere Wege fährt, muss rechnen, ob die Entfernungspauschale zusammen mit anderen Werbungskosten wie Gewerkschaftsbeiträgen oder Ausgaben für Arbeitskleidung zum Überspringen der 2.000-Mark-Grenze führt«, rät Brandenburg. Auch dann lohne es sich, auf der Steuerkarte für das Jahr 2001 die Fahrten zum Arbeitsplatz zu berücksichtigen und monatlich weniger Steuern zu zahlen - und darüber hinaus muss nach Einrichtung eines Freibetrages am Jahresbeginn 2002 nicht mehr ganz so ungeduldig auf die Rückgabe der Lohnsteuerkarte gewartet werden.


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