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stern-Umfrage: 60 Prozent wollen D-Mark zurück

Auch fünf Jahre nach der Euro-Einführung würden immer noch Zweidrittel aller Deutschen lieber mit der D-Mark zahlen als mit der Gemeinschaftswährung. Dabei spricht eigentlich nichts gegen den Euro - außer eine schwerfällige Psychologie.

Erstaunlich, aber repräsentativ: Knapp fünf Jahre nach der Euro-Einführung sehnt sich die Mehrheit der Bundesbürger nach der D-Mark zurück. Wie das Meinungsforschungsinstitut Forsa für den stern herausgefunden hat, wollen 58 Prozent der Deutschen lieber wieder die D-Mark als Zahlungsmittel als den Euro - wenn sie die freie Wahl hätten. 40 Prozent zogen dagegen den Euro vor und nur zwei Prozent der Befragten hatten dazu keine Meinung.

Nach einer anderen Forsa-Umfrage sind mit 80 Prozent besonders die Arbeiter Euro-Skeptiker. Gefolgt von Beamten und Angestellten mit 46 Prozent. Und mehr als ein Drittel der Bundesbürger rechnet beim Einkaufen noch alles in D-Mark um.

Einer der Gründe, die Gemeinschaftswährung abzulehnen, ist die gefühlt hohe Inflation. Der Euro als Teuro - besonders die Boulevardpresse pflegt das Image der Abzocker-Währung bis heute. Dabei spricht nicht viel für die Annahme, dass der Euro den Preisauftrieb beschleunigt habe, wie es beim Statistischen Bundesamt in Wiesbaden heißt. Vor der Einführung lag die durchschnittliche Inflationsrate bei 1,4 Prozent, nach der Einführung bei 1,5 Prozent.

Warenkorb hängt hinterher

Dass die gefühlte Verteuerung dennoch so hoch liegt, mag auch damit zu tun haben, dass der Warenkorb, mit dem die Statistiker die Inflation messen, stets dem tatsächlichen Warenangebot hinterher hängt. So wurde die Zusammensetzung zwar 2003 geändert - allerdings um Produkte des Basisjahrs 2000 ergänzt. Das heißt: Die heutige Inflationsrate wird auf Grundlage der Waren aus dem Jahr 2000 berechnet. So aber fehlen aber etwa Kosten, die es vor sechs Jahren noch nicht gab - wie etwa die für DSL-Anschlüsse.

Neben vielen psychologischen Gründen, die zur Ablehnung des Euro führen, so vergessen viele Leute schlicht, das dass Leben auch ohne Währungsumstellung teuerer geworden wäre, führen auch "heimliche Steuererhöhungen" zu weniger Geld in den Portemonnaies und damit zu Unmut über den Euro. Nach einer Analyse des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) fressen diese die Gehaltszuwächse auf. "Trotz der Einkommensteuersenkungen der Jahre 1999 bis 2005 ist die Steuerbelastung deutscher Arbeitnehmer weiterhin so hoch, dass sich zusätzliche Arbeitsanstrengungen kaum lohnen", sagte der IfW-Steuerexperte Alfred Boss. Hauptgrund sei der progressive Einkommensteuertarif. Dieses System führe dazu, dass inflationsbedingte Gehaltssteigerungen mit einem überproportionalen Anstieg der Steuerbelastung einhergehen.

"So steigt die Steuerbelastung eines ledigen Arbeitnehmers, dessen Monatsgehalt von 2900 Euro lediglich in Höhe der Inflationsrate von etwa 1,5 Prozent wächst, bis 2012 um fast 100 Euro, obwohl die Kaufkraft seines Bruttoeinkommens konstant bleibt".

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